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Energiewende : „Das bringt den Kohleausstieg auf leisen Pfoten“

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Windräder nahe Petersberg in Sachsen-Anhalt: In Deutschland kommt immer mehr Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Bild: dpa

Der Strom in Deutschland kommt immer häufiger aus erneuerbaren Energieträgern und immer weniger aus Kohle. Fachleute in Berlin haben dafür im vergangenen Jahr vor allem einen Grund gefunden.

          Die Stromerzeugung aus Kohle in Deutschland geht weiter zurück, der Ökostrom-Anteil dagegen wächst. Das geht aus der aktuellen Auswertung der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende für das Jahr 2016 hervor. Demnach liefern erneuerbare Energieträger wie Solaranlagen und Windräder inzwischen fast jede dritte Kilowattstunde und deckten im vergangenen Jahr mehr als 32 Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

          Zugleich hätten Gaskraftwerke Marktanteile zurück erobert. Dennoch werde das Tempo der Energiewende nicht ausreichen, um die Klimaziele bis zum Jahr 2020 zu erreichen, schreiben die Agora-Experten. Zudem dürften die Strompreise für Haushalte in diesem Jahr ihrer Ansicht nach erstmals oberhalb von 30 Cent je Kilowattstunde liegen.

          „Die ,Ernte-Jahre' der Energiewende“

          Das vergangene Jahr 2016 sei das Jahr der billigen Energie gewesen. Sowohl die Weltmarktpreise für Kohle, Öl und Gas als auch die Strompreise im Großhandel an der Börse seien gesunken. Die Börsenpreise hätten mit 26,60 Euro pro Megawattstunde auf einem Zehn-Jahres-Tief gelegen.

          Doch während Börsenstrom, Erdgas und Heizöl zuletzt billiger wurden, gelte dies wegen steigender Abgaben und Umlagen nicht für den Haushaltsstrompreis. „Bleibt das System der Abgaben und Umlagen, wie es ist, so ist bis 2023 ein weiterer Anstieg der Strompreise absehbar“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. „Erst danach kommen die „Ernte-Jahre“ der Energiewende.“

          Das System der Steuern, Abgaben und Umlagen sollte Graichen zufolge überarbeitet werden. Denkbar sei etwa, die Stromkosten zu senken und Abgaben sowie Umlagen auf klimaschädliche Energieträger wie Kohle, Heizöl, Diesel, Benzin und Gas zu verlagern.

          Der Ökostrom-Anteil stieg 2016 laut Agora um 0,8 Punkte auf 32,3 Prozent. Dass trotz neuer Windkraft- und Solarstromanlagen nur 4 Terawattstunden mehr Ökostrom als im Vorjahr produziert wurden, sei eine Folge der unterdurchschnittlichen Wind- und Sonnenbedingungen im vergangenen Jahr gewesen. Der Ausbau sollte sich daher an den schlechten Windjahren orientieren, forderte Graichen.

          „Gas ist der Gewinner 2016 und bringt den Kohleausstieg auf leisen Pfoten“, heißt es in der Auswertung. Erdgaskraftwerke produzierten gut ein Viertel mehr Strom als im Vorjahr. Mit einem Anteil von 12,1 Prozent am Erzeugungsmix lieferten sie fast so viel Strom wie Kernkraftwerke (13,1 Prozent), deren Erzeugung sich seit dem Jahr 2000 annähernd halbiert habe.

          2038 ginge das letzte Kohlekraftwerk vom Netz

          Der Anteil von Braunkohle an der Stromerzeugung sei auf 23,1 Prozent gesunken (minus 0,8 Punkte), der Anteil der Steinkohle verringerte sich auf 17 Prozent (minus 1,2 Punkte). „Wenn man den Rückgang der Kohleverstromung (...) so fortsetzen würde, würde ungefähr Anfang 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen“, sagte Graichen.

          Dennoch habe der Ausstoß der das Klima belastenden Treibhausgase zugenommen - durch mehr Emissionen im Industrie-, Wärme- und Verkehrssektor. Der Stromverbrauch hingegen sei trotz des andauernden Wirtschaftswachstums leicht zurückgegangen.

          Die staatliche Ökostrom-Förderung wurde zum Jahresbeginn umgestellt. Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhalten Betreiber größerer Windparks, Solaranlagen und Biogas-Anlagen für eingespeisten Strom keine feste, gesetzlich festgelegte Vergütung mehr. Stattdessen werden neue Projekte ausgeschrieben. Wer am wenigsten Subventionen verlangt, erhält dann den Zuschlag.

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