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Energiepolitik : Trumps Traum vom Comeback der Kohle-Kumpel

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Im ländlichen West Virginia gibt es sie noch, die hart arbeitenden Kohle-Arbeiter. Hier gewann Trump die Wahl mit 68 Prozent der Stimmen, Hillary Clinton kam auf lediglich 26 Prozent. Bild: AFP

Amerikas Präsident steigt auch deshalb aus dem Klimaabkommen aus, weil er die heimische Kohle-Industrie retten will. Doch sein Plan wird aus mehreren Gründen scheitern.

          Donald Trump will aus dem Klimaabkommen von Paris aussteigen und auch dadurch sein Wahlversprechen einhalten, amerikanische Interessen ganz nach vorne zu stellen. Konkret soll die Kündigung des Vertrags „Millionen Jobs“ retten und Milliarden an Beiträgen für den UN-Klimafonds sparen.  

          Überraschend ist das nicht. Schon im März versprach Trump einer Gruppe von Kohlekumpeln „Ihr kommt wieder an Arbeit!“. Dabei unterschrieb er eine Anweisung, die die Verwendung von Kohle erleichtert. Auch Vize-Präsident Mike Pence und Innenminister Ryan Zinke sicherten zu, dass Trump „Kohle-Jobs zurückbringen wird“.

          Die Verbrennung von Kohle ist zu teuer geworden

          Von „Millionen Jobs“ kann allerdings keine Rede sein. Wie CNN Money berichtet, sind seit Trumps Amtsübernahme gerade einmal 1300 Arbeitsplätze in Kohleminen hinzugekommen.

          Den langfristigen Niedergang der Kohleindustrie wird das aus drei Gründen ohnehin nicht aufhalten. Das liegt vor allem am großen wirtschaftlichen Erfolg der Schiefergasrevolution in Amerika. Durch das sogenannte Fracking hat Amerika riesige Erdgasreserven erschlossen. Die Preise für den Energierohstoff sind seit ihrem Höhepunkt 2008 um zwei Drittel gefallen und in der Folge zahlreiche neue Gaskraftwerke entstanden.

          Das Amt für Energiestatistik, das dem amerikanischen Energieministerium untersteht, sagt voraus, dass schon 2018 mehr Strom von Gaskraftwerken produziert werden wird als von Kohlekraftwerken. Vor zehn Jahren deckten Kohlekraftwerke noch knapp die Hälfte der amerikanischen Stromerzeugung ab, mittlerweile ist es nur noch ein Drittel. Und im Vergleich zur Kohle ist das Verbrennen von Erdgas deutlich umweltfreundlicher.

          Die Erneuerbaren sind auch in Amerika auf dem Vormarsch

          Zweitens verliert die Kohleindustrie durch den Aufschwung der erneuerbaren Energien an Bedeutung. Ihr Anteil an der Produktion erhöht sich stetig und wird im nächsten Jahr vermutlich 15 Prozent betragen. Das liegt zum einen an der sich rasant verbessernden Technik, die Ökostrom billiger macht, aber auch an der hohen staatlichen Förderung.

          Entsprechende Steuervergünstigungen wurden 2015 mit der großen Mehrheit beider Parteien vom Kongress verlängert und gelten bis mindestens 2021. Und mit keiner Silbe deutete Trump in seiner Rede an, dass er die Förderung erneuerbarer Energien in den Vereinigten Staaten kürzen wolle.

          Drittens will Trump ja nicht nur den Kohlebergbau durch Deregulierung und Forschungsförderung wiederbeleben. Auch die Förderung von Öl und Erdgas soll von Umweltauflagen befreit und neue Pipelines sollen gebaut werden. Der Energiepreis wird durch all diese Maßnahmen in den Vereinigten Staaten sicherlich sinken, sehr wahrscheinlich werden auch neue Arbeitsplätze im Energiesektor entstehen. Ein Comeback der Kohlekumpel ist aber nicht zu erwarten.

          Quelle: wvp./schä.

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