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Veröffentlicht: 24.02.2017, 20:09 Uhr

Energiemangel Süddeutschland braucht neue Gaskraftwerke

Der Atomausstieg macht es notwendig: Im Süden Deutschlands müssen neue Gaskraftwerke ans Netz gehen. Andernfalls drohen Engpässe.

von , Berlin
© dpa Block 5 des Gaskraftwerks Irsching in Bayern: In Süddeutschland braucht es nun mehr davon.

Um Engpässe in der Stromversorgung Süddeutschlands wegen der Energiewende zu vermeiden, müssen dort zu Beginn des nächsten Jahrzehnts Reservekraftwerke mit einer Kapazität von 2000 Megawatt errichtet werden. Das verlangen die vier Betreiber des deutschen Übertragungsstromnetzes in einem jetzt von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Bericht. Die Größenordnung entspricht etwa der Kapazität von zwei Kernkraftwerken.

Andreas Mihm Folgen:

Laut dem Bericht drohen nach dem für das Jahr 2022 geplanten Abschalten des letzten Kernkraftwerks im Süden Unsicherheiten, weil der Ausbau des Stromnetzes für den Nord-Süd-Transport von Elektrizität zu lange dauere und mutmaßlich nicht vor 2025 abgeschlossen wird. Die Jahre 2020 bis 2025 stellten daher eine besonders kritische Übergangsphase für das deutsche Transportnetz dar. Denn im Falle eines größeren Netzausfalls gebe es keine Auffanglösung.

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Für die Übergangszeit raten sie deshalb zum Bau zusätzlicher „Netzstabilisierungsanlagen mit einer Leistung von rund zwei Gigawatt“ – weiträumig verteilt in Südhessen, Bayern und Baden-Württemberg. Die Anlagen – im Kern geht es um sehr variabel einsetzbare Gasturbinen – seien nötig, um das Netz auch nach Ausfällen oder Fehlschaltungen entsprechend den europäischen Regelwerken „sehr schnell wieder in einen sicheren Zustand zu überführen“.

Bayerns Wirtschaftsministerin sieht sich bestätigt

Zudem könne das Elektrizitätsnetz damit kurzfristig entlastet und stabilisiert werden. Diese zusätzlichen Anlagen seien besonders geeignet, einen zentralen Beitrag zur Beherrschung unvorhersehbarer kritischer Situationen beim Umbau des Energiesystems zu leisten. Die Bundesnetzagentur hat nun zwei Monate Zeit, die Berechnungen zu prüfen und sich selbst ein Bild zu machen, bevor sie entscheidet.

Sollte sie dem Bau jener „Netzstabilisierungsanlagen“ zustimmen, würden die Stromnetzbetreiber in die Lage versetzt, eigene Kraftwerke zu errichten und die Kosten dafür über die Netzkosten den Stromverbrauchern aufzubürden. Dem müsste die EU aber zustimmen. Denn in dem seit den neunziger Jahren auf Druck der EU „entkoppelten“ Energiesystem wird ansonsten auf eine strikte Trennung der (zumindest zum Teil) durch Marktkräfte geprägten Erzeugung und des staatlich regulierten Netzbetriebs geachtet.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sah sich durch den Bericht bestätigt. „Wir brauchen neue, äußerst flexible und schnell einsetzbare Erzeugungsanlagen in Süddeutschland mit einer Leistung von insgesamt rund zwei Gigawatt, um mögliche unvorhersehbare Belastungssituationen im Stromnetz nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke beherrschen zu können“, sagte sie dieser Zeitung. Der Bericht bestätige „die seit Jahren erhobene Forderung Bayerns in vollem Umfang“. Bayern wolle erneuerbare Energien, die Versorgungssicherheit müsse aber „zu jeder Stunde des Jahres auf heutigem Spitzenniveau gewährleistet sein“. Dafür benötige man die Ersatzkapazitäten, „gerade in Bayern“.

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