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Energiewende : Auch Bayern muss jetzt für den Ökostrom zahlen

Eine Solaranlage in Bayern Bild: dpa

Trotz üppiger EEG-Förderung ist Ökostrom aus Sonne, Wind und Biomasse für immer weniger Länder ein Gewinn. Erstmals gilt das auch für Bayern: Statt dreistelliger Millionengewinne steht für 2014 ein Nettoverlust.

          Mehr als 1,5 Millionen Klein- und Kleinstkraftwerke produzieren zwischen Ostsee und Alpenrand Ökostrom aus Sonne, Wind und Biomasse. Fast zwei Drittel davon stehen in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Doch profitieren die Länder trotz üppiger Förderung finanziell unter dem Strich nicht davon. Denn die Stromkunden dort zahlen mehr für die Förderung des Ökostroms, als die Produzenten einfahren. Erstmals gilt das auch für Bayern. Statt dreistelliger Millionen-Gewinne steht für 2014 ein Nettoverlust.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das geht aus neuen Zahlen hervor, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erhoben hat. Demnach zahlten die Bayern zuletzt 100 Millionen Euro mehr Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein, als die Anlagenbetreiber herausbekamen. Doch fällt der Absturz erträglich aus, vergleicht man die Zahlen mit denen aus Nordrhein-Westfalen. Dort zahlten die Verbraucher 3,1 Milliarden Euro mehr in die EEG-Kasse ein, als Anlagenbetreiber aus ihr erhielten. Das waren 200 Millionen Euro mehr als 2013. In Baden-Württemberg zahlten die Verbraucher 1,6 Milliarden Euro mehr für Ökostrom, als Anlagenbetreiber bekamen. Das waren sogar 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

          Auf der Gewinnerseite stehen reich mit Wind und Windkraftanlagen bestückte norddeutsche Länder. Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen erzielten Überschüsse bis zu 838 Millionen Euro. Aber auch bei den Netto-Empfängern stieg der Überschuss nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leicht, in den anderen Ländern ging er zurück. Fünf Gewinner-Ländern stehen elf Nettozahler gegenüber.

          Anstieg der EEG-Umlage höher als die Förderung

          Die Erklärung ist vergleichsweise einfach: Der Anstieg der EEG-Umlage für alle Verbraucher war in der Summe höher als die Förderung, die die Betreiber zusätzlich installierter Wind-, Photovoltaik- oder Biomasseanlagen bekamen. Die Daten berücksichtigen nur die vom EEG ausgelösten Zahlungsströme. Eine volkswirtschaftliche Betrachtung würde auch die Effekte aus lokalen und anderen Steuern oder Arbeitsplätzen einbeziehen.

          Dennoch lassen die EEG-Zahlen interessante Schlüsse zu. So kann man aus ihnen errechnen, wie hoch die Umlage sein müsste, wenn jedes Land die in seinen Grenzen gezahlte Förderung alleine aufbringen müsste. Die windstarken, aber bevölkerungsschwachen Länder Brandenburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt müssten in diesem Jahr dann eine EEG-Umlage von teilweise mehr als 10 Cent je Kilowattstunde (kWh) verlangen. In Mecklenburg-Vorpommern wären es sogar mehr als 20 Cent, also das Dreifache der aktuellen Umlage von 6,17 Cent je Kilowattstunde. Aber auch in Bayern mit seinen vielen Solaranlagen müssten 7,9 Cent je kWh verlangt werden, um die Förderhöhe aufrecht zu erhalten. Nordrhein-Westfalen, der größte Netto-Einzahler auf das Ökostromkonto, könnte hingegen seine Last auf 3 Cent/kWh mehr als halbieren, müssten nur an Rhein und Weser installierte Anlagen gefördert werden.

          Der aktuelle Stand des Abrechnungskontos weckt weiter Hoffnungen, dass die Umlage im nächsten Jahr konstant bleiben oder noch einmal geringfügig sinken könnte. Ende April hat sich der Saldo der Ein- und Auszahlungen auf 5,1 Milliarden Euro erhöht. Im April hatten die Einzahlungen nach den von den Netzbetreibern verbreiteten Daten mit 2,1 Milliarden Euro die Kosten von 1,9 Milliarden Euro überstiegen. Zwar verwandelt sich der monatliche Überschuss erfahrungsgemäß im Sommer in ein Defizit, wenn teure Photovoltaikanlagen Strom erzeugen. Doch sollte es auch im Oktober bei der Festlegung der neuen Umlage 2016 noch ein dickes Finanzpolster geben.

          Allerdings dürfte die Umlage in den Folgejahren wieder steigen. Als Grund nennt die Denkfabrik Agora Energiewende den Ausbau der teuren Offshore-Windkraftwerke. Von 2017 bis 2023 werde die Umlage deshalb „nochmals um ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde ansteigen“.

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