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Veröffentlicht: 15.05.2015, 22:40 Uhr

Gastbeitrag Deutschlands gescheiterte Klimapolitik

Die Energiewende hat sich als unglaublich teuer und unwirksam erwiesen. Dennoch werden bei der Klimakonferenz in Paris viele auf eine ähnliche Politik wie die deutsche dringen. Dabei gibt es eine viel wirksamere Antwort auf den Klimawandel.

von Björn Lomborg
© dpa Was tun gegen die Erderwärmung? Am teuren Wunschdenken westlicher Klimaschützer könnte auch die 20. Weltklimakonferenz in Paris scheitern.

Die Erwartungen an die nächste Klimakonferenz in Paris im November sind wieder einmal groß, auch wenn es die einundzwanzigste ihrer Art ist und die letzten 20 Konferenzen so gut wie nichts erreicht haben. Tatsächlich ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Paris, wie zuvor die Konferenzen in Lima, Warschau, Doha und so weiter, einen bedeutenden Fortschritt erzielen wird.

Es klingt wie ein schlechter Witz: Wir wissen, dass der Klimawandel ein Problem darstellt, doch traurigerweise versuchen wir weiterhin, ihn mit einer Lösung zu beheben, die immer wieder gescheitert ist. Getreu dem Sprichwort: „Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

34312756 © Charlotte Carlberg Bärg / Björn Lomborg Vergrößern Der Autor: Björn Lomborg, dänischer Politologe und Statistiker. 2004 lud er renommierte Ökonomen nach Kopenhagen ein, um herauszufinden, wo die knappen Entwicklungsmilliarden die größte Wirkung erzielen im Kampf gegen Hunger, Krankheit und Armut.

Die Kohlendioxidemissionen (CO2) steigen weiter an, denn es besteht eine enge Beziehung zwischen dem Energieverbrauch und dem Wirtschaftswachstum. Wir sollten daran denken, dass wir fossile Energieträger nicht verbrennen, um Umweltschützer zu ärgern, sondern weil sie uns die nötige Energie für all das liefern, was wir an der modernen Zivilisation schätzen – von Licht, Wärme und Kühlung bis zu Transportmitteln, Elektrizität und Nahrung. Stellt man das Wirtschaftswachstum der vergangenen 20 Jahre dem Anstieg der Emissionen gegenüber, erkennt man fast eine Eins-zu-eins-Übereinstimmung. Wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) jährlich um 1 Prozent, bleiben die CO2-Emissionen konstant – wie in Italien. Wächst das BIP um 3 Prozent, steigen die CO2-Emissionen um 1,5 Prozent an – wie in Neuseeland. Wächst die Wirtschaft wie in China gar um 10 Prozent, steigen die Emissionen um 6,3 Prozent an.

Ja, man kann Emissionen senken und die Wirtschaft dennoch wachsen lassen – aber sie wächst weniger, da reale Kosten verursacht werden. Während manche Länder wie Deutschland in der Lage waren, sich dem Trend zu widersetzen – ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent bei Senkung der Emissionen um 1,2 Prozent –, haben ähnlich viele Staaten ihre Emissionen noch viel mehr gesteigert. Die Wirtschaft in Indien etwa ist um 6,5 Prozent gewachsen, während ihre Emissionen ungefähr in gleichem Maße angestiegen sind.

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Die traditionelle Herangehensweise der Politiker zur Lösung des Klimawandels besteht in dem Versprechen, CO2-Emissionen zu senken. Natürlich stehen Politiker, die das Wirtschaftswachstum drosseln möchten, nicht gerade in der Gunst der Wähler, daher versprechen sie lieber großzügige Subventionen für erneuerbare Energien wie Solarenergie und Windkraft. Doch steigende Kosten für umweltfreundliche Energie hemmen letztlich das Wirtschaftswachstum. Und sie lösen das Problem kaum, da die Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien noch nicht ausgereift sind.

Solar- und Windenergie sind zu teuer

Entgegen der Vorstellung vieler Menschen werden uns die erneuerbaren Energien in absehbarer Zeit nicht von fossilen Brennstoffen wegbringen. Nach Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) stammten 13,1 Prozent der Energieversorgung der Welt 1971 aus erneuerbaren Quellen. 2012 lag der Anteil der Erneuerbaren im Wesentlichen unverändert bei 13,2 Prozent. Der Löwenanteil dieser Energie stammt aus Biomasse, Holz und Pflanzenmaterial, den ältesten Energieträgern. Zwar ist Biomasse erneuerbar, doch oft ist sie weder gut noch nachhaltig: Das Verbrennen von Holz im vorindustrialisierten Westeuropa verursachte eine massive Entwaldung, wie es heute meist in Entwicklungsländern der Fall ist. Jährlich sterben 4,5 Millionen Menschen an durch Biomasse verursachter Luftverschmutzung in Innenräumen. Der Anbau von Energiepflanzen für Biokraftstoffe verschlimmert die Abholzung von Wäldern, verdrängt die Landwirtschaft und treibt die Preise für Nahrungsmittel nach oben.

Trotz des Hypes ist der Anteil der Solar- und Windenergie am Energiemix im Grunde verschwindend gering. Heute bezieht die Welt ungeachtet endloser Klimakonferenzen, guter Absichten und großzügiger Subventionen nur 0,4 Prozent ihrer Energie aus Solar- und Windkraftanlagen, so die IEA. In 25 Jahren werden erneuerbare Energien immer noch unbedeutend sein.

Im optimistischen, „grünen“ IEA-Szenario werden Solar- und Windenergie in 40 Jahren bloß 2,2 Prozent der weltweiten Energieversorgung ausmachen. Trotz der in unserer Kultur allgegenwärtigen Auffassung, dass Solar- und Windenergie kurz davor seien, den Klimawandel aufzuhalten, wissen sogar Schwarzseher wie der Klimaberater von Al Gore, Jim Hansen, dass dies nicht der Fall ist: „Wer glaubt, dass wir uns in den Vereinigten Staaten, in China, Indien oder auf der ganzen Welt dank erneuerbarer Energien kurzfristig von fossilen Brennstoffen verabschieden können, der glaubt auch an den Osterhasen und an die Zahnfee.“

Die einfache unbequeme Wahrheit lautet, dass Solar- und Windenergie noch nicht ausgereift sind: Sie sind zu teuer und benötigen teure Reserven, wenn der Wind nicht bläst oder die Sonne nicht scheint. Solange wir es nicht schaffen, Kosten und Effizienz erneuerbarer Technologien dramatisch zu verbessern, bleibt es bei selbstgefälliger Schönfärberei für westliche Gutmenschen. Genauso wenig werden wir die Entwicklungsländer überzeugen können, von günstigen und zuverlässigen fossilen Brennstoffen auf unzuverlässige und teure erneuerbare Energien umzusteigen.

© picture-alliance/ dpa, Deutsche Welle Nachwuchs im Ruhrpott bringt die Energiewende voran

Wenig Nutzen für das Klima

Deutschland ist ein gutes Beispiel für eine gescheiterte Klimapolitik. Die Energiewende hat sich als unglaublich kostspielig und unwirksam erwiesen. Dennoch werden in Paris viele auf eine ähnliche Politik wie die deutsche dringen.

Dieses Jahr erreichen die Subventionen für erneuerbare Energien in Deutschland sagenhafte 21,8 Milliarden Euro oder 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allein für Solaranlagen hat Deutschland insgesamt Förderzusagen von mehr als 100 Milliarden Euro gemacht. Das hat zum schwindelerregenden Anstieg der deutschen Strompreise geführt. Den Daten der OECD und der Internationalen Energieagentur zufolge sind die Strompreise für deutsche Haushalte zwischen 2000 und 2013 inflationsbereinigt um 80 Prozent gestiegen. Die Bundesbürger bezahlen nun etwa ein Viertel ihrer Strompreise für erneuerbare Energien.

Makroökonomische Modelle weisen zudem darauf hin, dass der wirtschaftliche Verlust durch Erneuerbare wesentlich größer sein könnte als einfach nur deren Mehrkosten, da erhöhte Produktionskosten alle anderen Branchen schwächen und das Wachstum drosseln. Der Durchschnitt aller großen Modelle deutet darauf hin, dass die derzeitige Klimapolitik Deutschland bis 2020 jährlich 43 Milliarden Euro kostet.

Für all diese Milliarden erreicht Deutschland sehr wenig Nutzen für das Klima. Die veranschlagten 100 Milliarden Euro für Solaranlagen sollen in den kommenden 20 Jahren die CO2-Emissionen jährlich um schätzungsweise 12,8 Megatonnen (Mt) senken. Wird diese Rechnung in einem Standard-Klimamodell durchgeführt, ist das Ergebnis eine verschwindend geringe Temperatursenkung von weniger als 0,0001 Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Anders gesagt: Die 100 Milliarden Euro, die Deutschland in Subventionen für Solaranlagen steckt, werden die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts um 37 Stunden verzögern.

Sämtliche Anstrengungen, die Deutschland zur Förderung der erneuerbaren Energien unternimmt, werden geschätzt zu einer Senkung der Emissionen um jährlich 148 Megatonnen führen. Im Standard-Klimamodell führt die gesamte Förderung der nächsten 20 Jahre zu einer Reduktion um gerade einmal 0,001 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts oder einer Hinauszögerung des Temperaturanstiegs bis zum Jahr 2100 um weniger als 18 Tage. Es sollte kaum verwundern, dass eine derart teure Klimapolitik, die so wenig Auswirkung auf das Klima hat, für die restliche Welt kaum nachvollziehbar ist.

Chinas Emissionen in acht Jahren verdoppelt

Wenn es um das Klima geht, darf China nicht unerwähnt bleiben. In den vergangenen acht Jahren haben sich Chinas Emissionen nahezu verdoppelt, 2013 ging fast ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen auf Chinas Konto. China stößt doppelt so viel CO2 wie aus wie die Vereinigten Staaten, dreimal so viel wie die EU.

Oft ist von China als vermeintlich „grünem Riesen“ die Rede und davon, wie es weltweit „der Windkraft den größten Schub verleiht“. Doch die Daten der Energieagentur zeigen, dass China unbedeutende 0,28 Prozent seiner Energie aus Windkraftanlagen und verschwindende 0,02 Prozent aus Sonnenenergie bezieht. In einer optimistischen Schätzung erwartet die IEA, dass in China 2040 mickrige 2,6 Prozent der Energie aus Solar- und Windenergie stammen werden.

Der oft bejubelte amerikanisch-chinesische Deal ist im Grunde leeres Gerede. China verkündete den Vorsatz, „um 2030 herum“ seinen Höchststand an CO2-Emissionen zu erreichen. Das mag sich gut anhören, doch China hat damit im Grunde überhaupt nichts versprochen. Im Basisszenario der IEA würde China den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen um 2030 mit 25 bis 50 Prozent höheren Emissionen als heute erleben. Alles, was China versprochen hat, ist, deutlich mehr Emissionen zu verursachen und nichts anderes zu tun, als es ohnehin getan hätte.

Indien hat klargemacht, dass es seine Emissionen nicht senken wird. Die hartnäckigen Behauptungen, das Land werde „grüner“, entbehren jeder Grundlage. Heute erhält Indien 0,31 Prozent seiner Energie aus Windkraftanlagen und 0,02 Prozent aus Solaranlagen. Selbst 2040 werden Solar- und Windenergie wahrscheinlich weniger als 2 Prozent ausmachen.

Afrika ist der Kontinent mit dem höchsten Anteil erneuerbarer Energien. 50 Prozent seiner Energie stammen aus Erneuerbaren, während es in der EU nur 12 Prozent sind. Der Grund ist allerdings, dass Afrika arm ist und wenig Zugang zu modernen Energietechnologien hat. Die fast 900 Millionen Bewohner Subsahara-Afrikas ohne Südafrika verbrauchen jeweils lediglich 185 Kilowattstunden pro Jahr, weniger als ein handelsüblicher Kühlschrank. 35 Afrikaner verbrauchen weniger Energie als ein Durchschnittsdeutscher. Es überrascht kaum, dass Afrikaner sehr viel mehr Energie verbrauchen wollen, hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen. Solar- und Windenergie machen derzeit verschwindend geringe 0,03 Prozent des Gesamtverbrauchs aus und im Jahr 2040 weniger als 1 Prozent.

Armut ist wichtiger als der Klimawandel

Verständlicherweise ist es China, Indien und Afrika wichtiger, durch Wirtschaftswachstum Millionen Menschen aus der Armut herauszuholen, als CO2-Emissionen zu senken. In den vergangenen 30 Jahren hat China durch die Nutzung billiger, wenn auch umweltschädlicher Kohle 680 Millionen Menschen aus der Armut befreit. Von China zu verlangen, diesen Prozess durch unausgereifte teure erneuerbare Energien zu verlangsamen, wird wohl nicht gelingen. Im Hinblick auf 800 Millionen in extremer Armut lebender Menschen in Indien und Afrika ist es Wunschdenken, von diesen Ländern ein Umsteigen auf Erneuerbare zu erwarten.

Der Klimawandel ist außerdem nicht unsere einzige Herausforderung. Die Armen sind mit viel wichtigeren Problemen konfrontiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass die Erderwärmung jährlich zu 141.000 Toten führt, im Jahr 2050 sogar zu 250.000 Toten. Doch diese Zahl verblasst gegenüber den 7 Millionen Menschen, die derzeit pro Jahr an Luftverschmutzung sterben, den 800 Millionen, die Hunger leiden, und den 2,5 Milliarden, die in Armut ohne sauberes Wasser und sanitäre Anlagen leben.

Doch ganz auf einer Linie mit der Botschaft der Klimakonferenzen, bestehen die Staats- und Regierungschefs der Industrieländer darauf, dass ihre Entwicklungsgelder in den Klimaschutz gesteckt werden. Die OECD schätzt, dass fast ein Drittel der bilateralen Entwicklungshilfe in den Umweltschutz fließt. Nahezu die gesamte Hilfe konzentriert sich auf den Klimaschutz, wobei der größte Teil wiederum für die Reduzierung von Treibhausgasen wie CO2 bestimmt ist.

Deutschland ist einer der Vorreiter dieses Trends in OECD-Ländern und hat 2013 rund 2 Milliarden Euro für Klimaprojekte im Ausland zugesagt, 90 Prozent stammten aus dem Budget des Entwicklungsministeriums. Doch das ist nicht, was die Entwicklungsländer brauchen.

Die Vereinten Nationen haben mehr als 7 Millionen Menschen nach ihren Prioritäten befragt. Es überrascht nicht, dass sie sich bessere Bildung und ein besseres Gesundheitssystem, weniger Korruption, mehr Arbeitsplätze und günstige Nahrungsmittel wünschen. Sie setzen die Erderwärmung ganz unten auf die Liste, als Priorität Nummer 16 von 16. Die Ärmsten der Welt wollen Deutschlands 2 Milliarden Euro für Medizin, Nahrungsmittel und Wasser, nicht für die Senkung der CO2-Emissionen. Das kann man ihnen nicht übelnehmen. Würden Deutschlands 2 Milliarden Euro verwendet, um Solar- und Windenergie zu fördern, wie es momentan der Fall ist, könnte man damit die weltweiten CO2-Emissionen um 10 Mt senken. Entsprechend einem Standard-Klimamodell würde dies die Temperaturen bis zum Jahr 2100 in so unbedeutendem Maße senken, dass es einer Hinauszögerung der Erderwärmung um 80 Minuten am Ende des Jahrhunderts entspricht.

Die 2 Milliarden Euro hätten stattdessen dafür verwendet werden können, mehr als 20 Millionen Kinder vor Unterernährung zu bewahren. Man hätte mehr als 2 Millionen Menschen vor dem Malariatod retten können. In einer Welt, in der 2,5 Milliarden Menschen unter Armut und Hunger leiden, scheinen ihnen die führenden Staaten zu sagen: Hier habt ihr Geld, damit ihr eure CO2-Emissionen senken könnt. Das ist ohne Zweifel gut gemeint, aber moralisch nicht vertretbar.

Subventionen bringen keine Innovationen

Klimaaktivisten werden argumentieren, dass die Energiewende nicht nur erneuerbare Technologien installiert, sondern auch umweltfreundliche Innovationen vorantreibt. Durch den Bau vieler Windräder sollten wir demnach mehr Innovationen in der Windkraft bekommen. Eine vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission hat diese Frage beleuchtet und kam zum eindeutigen Schluss, dass die Subventionen keine Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien schaffen. Der Grund: Für Unternehmen ist es viel sicherer, weiterhin auf stark subventionierte Windräder, Solar- und Biogasanlagen zu setzen, als bestehende Technologien weiterzuentwickeln und neue, praktikable Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu erfinden. Die Subventionen schaffen schlichtweg die falschen Anreize. Die Fachleute stellten fest, dass sie keine signifikante positive Innovationswirkung entfalten. Die subventionierte Nutzung erneuerbarer Energien ist offensichtlich nicht der richtige Weg, um nötige Innovationen voranzutreiben.

Eine gute Lektion zum Thema Innovation bietet die Entwicklung des Computers. Computer wurden nicht etwa weiterentwickelt, indem in den 1950ern Vakuumröhren staatlich gefördert und in Massen produziert wurden. Es wurden keine riesigen Subventionsprogramme angeschoben, damit 1960 alle Bewohner der westlichen Welt einen Computer in ihren Kellern stehen haben. Es wurden auch keine Steuern auf Alternativen wie zum Beispiel Schreibmaschinen eingeführt. Die Entwicklung wurde durch enorme Investitionen in Forschung und Entwicklung angekurbelt, was zu verschiedenen Innovationen führte und Unternehmen wie IBM und Apple erlaubte, Computer herzustellen, die die Verbraucher tatsächlich kaufen wollten.

Und aktuell erleben wir ein hervorragendes Beispiel, wie Innovationen CO2-Emissionen senken können. Die Schiefergasrevolution in den Vereinigten Staaten wurde ermöglicht, weil die amerikanische Regierung in den vergangenen drei Jahrzehnten knapp zehn Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung investiert hat. Dank Fracking wurden die Gaspreise gesenkt, schmutzigere Kohle durch weniger umweltschädliches Gas ersetzt und die CO2-Emissionen 2012 um rund 300 Millionen Tonnen gesenkt. Dies ist mehr als dreimal so viel, wie die teuren Windkraft- und Solaranlagen in allen EU-Staaten jährlich einsparen. Und während die EU jedes Jahr circa 40 Milliarden Euro zur Förderung von Sonnen- und Windenergie ausgibt, bringt der technologische Durchbruch bei Schiefergas den Vereinigten Staaten 260 Milliarden Euro im Jahr an Einnahmen. Hier wird das Potential für Durchbrüche beim Klimaschutz deutlich, wenn die Politik die Notwendigkeit von Innovationen erkennt.

Langfristige Klimastrategie: Investitionen in erneuerbare Forschung und Entwicklung

Während des „Copenhagen Consensus on Climate“ kamen 28 Klimaökonomen und ein Gremium von Experten, darunter drei Nobelpreisträger, zu dem Schluss, die beste langfristige Klimastrategie bestehe darin, die Investitionen in erneuerbare Forschung und Entwicklung dramatisch zu erhöhen, da hierdurch erneuerbare Energien günstiger würden, so dass letztendlich alle umstiegen. Die Berechnungen zeigen, dass jeder für Forschung und Entwicklung im Bereich erneuerbare Energien ausgegebene Euro Schäden durch den Klimawandel in Höhe von 11 Euro verhindern kann. Man übertrage dies auf die aktuelle Klimapolitik der EU: Ein aus mehreren makroökonomischen Modellen berechneter Durchschnitt zeigt, dass die jährlichen Kosten der EU-Klimapolitik von 2020 an bis zum Ende des Jahrhunderts 208 Milliarden Euro jährlich betragen werden, während durch den Klimawandel verursachte Kosten von jährlich 7,1 Milliarden Euro vermieden werden. Damit hat jeder ausgegebene Euro gerade einmal drei Cent Nutzen.

Die derzeitige Klimapolitik scheitert seit zwanzig Jahren, und sie wird wahrscheinlich auch weiter scheitern. Wir würden gerne glauben, dass erneuerbare Energien kurz vor dem weltweiten Siegeszug stehen, aber selbst in 25 Jahren werden Solar- und Windenergie nur eine marginale Rolle spielen. Wir würden gerne glauben, dass erneuerbare Energien kurz davor sind, wettbewerbsfähig zu werden. Tatsächlich wird die Rechnung immer größer. 2012 hat die Welt 110 Milliarden Euro für die Förderung erneuerbarer Energien ausgegeben. 2040 werden wir fast das Doppelte bezahlen.

Die aktuelle Klimapolitik basiert auf reinem Wunschdenken. Das können sich nur sehr reiche Länder wie Deutschland leisten. Für die Entwicklungsländer ist es wichtiger, Armut, Malaria und Hunger zu bekämpfen.

Die Erderwärmung ist Realität, und sie ist ein Problem. Bei der Pariser Klimakonferenz sollten wir aufhören, zu erwarten, dass alle einer politischen Linie folgen, die ihren wirtschaftlichen Interessen direkt zuwiderläuft. Stattdessen sollten wir anfangen, in die Erforschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien zu investieren, um diese so günstig zu machen, dass sie fossile Brennstoffe im Wettbewerb hinter sich lassen.

Björn Lomborg will die Welt zu einem besseren Ort machen. Der 50 Jahre alte dänische Politologe und Statistiker setzt auf die Überzeugungskraft der Zahlen. 2004 lud er renommierte Ökonomen nach Kopenhagen ein, um herauszufinden, wo die knappen Entwicklungsmilliarden die größte Wirkung erzielen im Kampf gegen Hunger, Krankheit und Armut. Blauäugigen Klimaschützern rechnet er vor, wie wenig die Milliardensubventionen für die Erneuerbaren für das Weltklima erreichen. (hig.)

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