Home
http://www.faz.net/-gqe-766va
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Energiepolitik Japan kehrt zurück zur Atomkraft

Der neue japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat im Parlament in Tokio jetzt auch offiziell seine Absicht bekräftigt, den von der Vorgängerregierung beschlossenen Atomausstieg bis 2040 rückgängig zu machen. Der Beschluss der alten Regierung sei trotz Fukushima grundlos.

© AP Vergrößern Japans neuer Ministerpräsident Shinzo Abe

Der Beschluss der Vorgängerregierung habe Sorgen in der Industrie und bei den Gemeinden hervorgerufen, in denen Atomreaktoren stehen, sagte Abe am Donnerstag in Tokio bei der Eröffnung der neuen Sitzungsperiode im Parlament. „Wir werden äußerste Anstrengungen unternehmen, dass es keinen Schaden für das öffentliche Leben und für wirtschaftliche Aktivitäten gibt“, erklärte der Premierminister.

Carsten Germis Folgen:  

Von den 50 japanischen Atomreaktoren sind derzeit lediglich 2 in Betrieb. Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk in Fukushima am 11. März 2011 waren die Reaktoren wegen Sicherheitsüberprüfungen und Wartungsarbeiten schrittweise abgeschaltet worden. Wegen der drastisch gestiegenen Ausgaben für Öl- und Gasimporte, mit denen die Energielücke geschlossen wird, und wegen schwächerer Exporte ist Japans Handelsbilanz tief im Defizit.

Bau neuer Atomkraftwerke möglich

Der Regierungschef schloss ausdrücklich nicht aus, dass Japan den Anteil der Atomkraft an seiner Energieversorgung möglicherweise sogar erhöhen wird. Der Bau neuer Atomkraftwerke sei eine Option. Die Entscheidung, wann die nach Fukushima abgeschalteten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen, will Abe auf der Grundlage wissenschaftlicher Sicherheitsprüfungen treffen.

23020084 © AFP Vergrößern Im Dezember besuchte Shinzo Abe (r) das verunglückte Atomkraftwerk Fukushima.

Vor Fukushima haben solche Untersuchungen japanischen Atomkraftwerken allerdings stets bescheinigt, die sichersten der Welt zu sein. Es wird erwartet, dass Abe das Ja zur Reaktivierung von Atomkraftwerken erst nach der Oberhauswahl im Juli gehen wird. Der heiße Sommer mit der Gefahr von Engpässen in der Energieversorgung würden ihm dann die Argumente liefern, seine Entscheidung auch der skeptischen japanischen Öffentlichkeit zu vermitteln. Abes LDP, die mit ihrem Koalitionspartner bei den Unterhauswahlen im Dezember eine Zweidrittelmehrheit der Mandate errang, verfügt im Oberhaus bislang nicht über eine eigene Mehrheit.

Abes Vorgänger Yoshihiko Noda von der eher links ausgerichteten Demokratischen Partei hatte wegen der öffentlichen Bedenken gegen die Nutzung der Atomkraft im September vergangenen Jahres den Ausstieg Japans aus der Atomkraft bis Ende der 2030er Jahre angekündigt. Abe und seine nationalkonservative Liberaldemokratische Partei (LDP) haben bereits im Wahlkampf im Dezember keinen Hehl daraus gemacht, dass sie trotz Fukushima an der Nutzung der Atomkraft in Japan festhalten werden. Vor der Teil-Kernschmelze in Fukushima trugen Japans Atomkraftwerke knapp ein Drittel zur Stromversorgung des Landes bei.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Japan Politik als Familiengeschäft

Dynastien dominieren die japanische Politik – sie machen unter sich aus, wer Regierungschef wird. Der wiedergewählte Ministerpräsident Abe ist da keine Ausnahme. Und seine nationalistische Agenda ist auch dem Großvater geschuldet. Mehr Von Carsten Germis, Tokio

14.12.2014, 23:00 Uhr | Politik
Japan Abe sichert sich Zweidrittelmehrheit

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich bei der Parlamentswahl am Sonntag mit seiner Regierungskoalition die Zweidrittelmehrheit im Abgeordnetenhaus gesichert. Getrübt wird der Erfolg aber durch eine historisch niedrige Wahlbeteiligung. Mehr

15.12.2014, 07:49 Uhr | Politik
Nach der Parlamentswahl Abe will Japans Verfassung ändern

Nach seinem Wahlsieg kündigt Japans Ministerpräsident Shinzo Abe an, das Pazifismusgebot aus der Verfassung zu streichen. Damit werden Befürchtungen bestärkt, dass er das Land auf einen nationalistischen Kurs bringen will. Mehr Von Carsten Germis, Tokio

15.12.2014, 17:14 Uhr | Politik
Japan Die Technik der Zukunft

Die Designer Messe in der japanischen Hauptstadt Tokio zeigt, was heute technisch möglich ist und wie wir vielleicht in 50 Jahren leben könnten. Mehr

28.10.2014, 11:30 Uhr | Wirtschaft
Weitere Maßnahmen Japan senkt die Unternehmenssteuern

Die bei der Parlamentswahl am Sonntag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Amt bestätigte japanische Regierung prüft jetzt, die Unternehmenssteuern bereits im kommenden Jahr um rund 2,5 Prozent zu senken. Mehr Von Carsten Germis, Tokio

16.12.2014, 07:15 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.01.2013, 16:18 Uhr

Gabriels falsches Signal

Von Heike Göbel

Sigmar Gabriel hat weiteren Sanktionen gegen Russland eine Absage erteilt. Das ist das falsche Signal. Mehr 4


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden