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Energie Strom ist nicht zu bunkern

10.07.2010 ·  Wenn es an einem Feiertag im Norden Deutschlands plötzlich kräftig zu blasen beginnt, wird Strom richtig teuer. Dann bringen Windräder derart viel Elektrizität, dass ein Strom-Überschuss entsteht. Das Problem: Elektrizität kann man nicht speichern, so große Akkus gibt es nicht.

Von Konrad Mrusek
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Erzeugung und Verbrauch müssen jederzeit gleich groß sein, weil sonst das Netz nicht stabil ist. Die einzige Möglichkeit, Strom zu speichern, sind Pumpspeicherwerke, in denen Wasser in die Höhe gepumpt und später - wenn der Bedarf größer ist - als Wasserkraft wieder genutzt wird.

Also muss der Strom am besten sofort verbraucht werden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn gerade am Feiertagmorgen ruht der Deutsche noch, stehen die Maschinen still, wird also viel weniger Elektrizität benötigt als mittags, wenn alle kochen.

Die Form der Speicherung in Pumpspeicherwerken häuft sich, weil Öko-Strom Vorrang im Netz hat, aber nicht so stetig fließt wie der Strom aus einem Kohle- oder Atomkraftwerk. Sonne und Wind folgen schwer prognostizierbaren Wetterkapriolen. Überschüssige Windkraft an der Leipziger Strombörse EEX loszuwerden ist auch nicht einfach. Es genügt nicht mal, sie den Pumpspeicherwerken gratis zu überlassen. Die wollen Geld, und so gibt es negative Preise: der Verkäufer zahlt drauf. Er tut es, weil das billiger ist als die Alternative, ein ganzes Kraftwerk kurzzeitig abzuschalten.

In diesem Jahr gab es bereits an vier Tagen solche negativen Preise. Es waren jeweils die Morgenstunden eines Sonntags, an denen der Stundenpreis einer Megawattstunde am Spotmarkt nicht, wie sonst üblich, zwischen 30 und 60 Euro lag, sondern der Lieferant bis zu zehn Euro drauflegen musste. Die Stromkonzerne bleiben auf dem Geld nicht sitzen, sie holen es sich vom Kunden zurück, indem sie den Betrag später auf die Umlage für erneuerbare Energie draufschlagen. Am teuersten war bisher für die Stromkunden der zweite Weihnachtstag 2009: Da mussten an Pumpspeicherwerke 35 Euro gezahlt werden. Wie die Grafik zeigt, gab es 2009 die größten Überschüsse morgens um 7 Uhr an Sonn- oder Feiertagen.

Wird es künftig häufiger negative Preise geben, weil Öko-Strom so volatil ist? Das hängt davon ab, ob man mit "intelligenten" Netzen den Verbrauch besser an das Angebot anpassen kann ("Lastmanagement") oder die Speicherkapazität vergrößert wird, entweder mit Pumpspeicherwerken oder chemischen Speichern, die durch Elektrolyse Strom in Wasserstoff umwandeln.

Der Energieexperte Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) ist sich sicher, dass es häufiger negative Strompreise geben wird. "Wenn Waschmaschinen oder Geschirrspüler nur nachts laufen, bringt das nicht viel", sagt er. Man brauche eine europäische Lösung. "Allerdings wird auch Norwegen nicht so altruistisch sein, überflüssigen Strom umsonst anzunehmen. Die werden sich das teuer bezahlen lassen und dann den Strom wieder an uns verkaufen."

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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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