Home
http://www.faz.net/-gqe-tlt8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie Kein Aufatmen für Heizölkäufer

02.11.2006 ·  Rohöl ist zwar billiger als im Sommer dieses Jahres, dennoch dürfte die Heizölrechnung für die Verbraucher deutlich höher ausfallen als im Vorjahr. Wer beim Heizölkauf sparen will, muß einiges beachten.

Von Kerstin Papon
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Rohöl ist zwar billiger als im Sommer dieses Jahres. Gleiches gilt für Ölprodukte wie Heizöl. Aber dennoch dürfte die Heizölrechnung in diesem Jahr für die Verbraucher deutlich höher ausfallen als im Vorjahr. Und selbst im vergangenen Jahr hatte sich das Heizen für sie schon spürbar verteuert.

Neben dem richtigen Zeitpunkt für das Befüllen der Tanks gilt es beim Heizölkauf einiges zu beachten. So sind die Heizölpreise zwar stark an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt, aber sie folgen auch eigenen Gegebenheiten. Nicht nur die regionalen Unterschiede können beträchtlich sein.

Leichtes Heizöl kostet 60 Eurocent je Liter

Der Preis für Rohöl liegt, gemessen an der Ölsorte West Texas Intermediate (WTI), derzeit rund ein Viertel unter dem im Juli erreichten Rekordhoch von 78,40 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Wirklich billig ist Öl dennoch nicht. Der Durchschnittspreis für WTI ist mit gut 67 Dollar seit Jahresbeginn fast 20 Prozent höher als im Vorjahr.

Ähnlich ist das Preismuster bei Heizöl. Leichtes Heizöl kostet im Bundesdurchschnitt bei einer Abnahme von 3000 Litern aktuell wieder weniger als 60 Eurocent je Liter. Im August waren es noch 62,6 Cent, das bisherige Jahrestief wurde, gemessen am Monatsdurchschnitt, im Januar bei 56,2 Cent je Liter erreicht.

Viele haben schon Heizöl gekauft

Im Vorjahr lagen die Preise deutlich tiefer, was nicht nur für direkte Bezieher von Heizöl, sondern auch für Mieter höhere Kosten zur Folge haben dürfte. Am billigsten war Heizöl im Januar 2005 mit durchschnittlich 42,6 Cent.

Saisonale Muster, wonach die Nachfrage nach Heizöl früher im Sommer besonders hoch war, spielten kaum noch eine Rolle, sagt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband. Viel wichtiger sei die allgemeine Lage am Ölmarkt. Die Konsumenten kauften Heizöl, wenn sie den Preis für günstig hielten.

Und viele hätten dies in diesem Jahr bereits getan, was nicht zuletzt an der Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel liege. Meyer-Bukow rechnet bis zum Jahresende mit weiteren vorgezogenen Käufen und verweist auf die Einführung der ersten Stufe der Ökosteuer 1999, die die Käufe erst sprunghaft steigen und dann einbrechen ließ.

Deutlich regionale Unterschiede

Der Heizölpreis selbst unterliegt vielen Einflüssen. Nach Angaben des Lüneburger Branchendienstes Esyoil wird der Endpreis zu knapp der Hälfte durch den Ölpreis und den Euro-Dollar-Kurs bestimmt. Denn Rohöl wird in Dollar gehandelt. Trete regionale Knappheit auf, so stiegen tendenziell Raffineriepreise und Margen. Dieser Effekt könne den Heizölpreis durchaus um 15 bis 20 Prozent in die Höhe treiben. Der Einfluß von Frachtkosten und Handelsmargen hingen sei unbedeutender. Hinzu komme die Steuer.

Die regionalen Besonderheiten können dazu führen, daß sich die Heizölpreise im einzelnen deutlich voneinander unterscheiden. So hat zum Beispiel der Energie-Informationsdienst (EID) in seiner wöchentlichen Umfrage unter zahlreichen Ölhändlern ermittelt, daß am vergangenen Donnerstag in den 14 beobachteten Städten Heizöl in Düsseldorf, gemessen am Durchschnittspreis, am günstigsten war, in der zu diesem Zeitpunkt teuersten Stadt, München, mußten 9 Prozent mehr für 100 Liter - bei einer Abnahme von 3000 Litern - bezahlt werden.

Dies könne sich jederzeit wieder ändern, sagt Imke Herzog vom EID. Die regionalen Unterschiede seien auf den Wettbewerb vor Ort, die jeweilige Versorgungslage und die Transportkosten von den Raffinerien und Importlagern zurückzuführen.

Experten raten zu Sammelbestellungen

Auf regionale Aspekte haben die Verbraucher wenig Einfluß. Sie können aber den Zeitpunkt für den Heizölkauf wählen und die Menge. Dabei gilt der Grundsatz: Je mehr Heizöl, desto billiger wird es. Ein Preisvergleich auf Grundlage von Händlerangaben ist im Internet auf der Seite Brennstoffhandel möglich.

Demnach kostet Heizöl bei einer Bestellmenge von 1000 Litern aktuell im Durchschnitt etwa 10 Prozent mehr als bei 3000 Litern. Experten raten daher zu Sammelbestellungen. Sollte dies nicht möglich sein, empfiehlt Esyoil, dem Händler freie Hand bei der Festlegung des Liefertermins zu lassen. Auch dies könne neben einem möglichen Preisnachlaß Geld sparen.

Nach Schätzungen des Branchenverbandes GDBM gibt es in Deutschland 4000 bis 5000 Händler. Der genaue Vergleich lohnt daher - und das jederzeit. Insgesamt sollte Esyoil zufolge die Einschätzung der Marktlage bei der Kaufentscheidung überwiegen.

Quelle: F.A.Z., 02.11.2006, Nr. 255 / Seite 25
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1967, Redakteurin in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2470 −0,15%
Rohöl Brent Crude 106,39 $ −0,43%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.