Home
http://www.faz.net/-gqe-qwm7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energie Händler setzen auf Ölpreis von 80 Dollar

04.07.2005 ·  Nicht mal eine Woche ist es her, da erreichte der Ölpreis das Rekordhoch von 60 Dollar je Barrel. Doch schon wird über einen Preis von 80 Dollar und mehr zum Jahresende spekuliert.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Ölpreis dürfte in diesem Jahr auf 80 Dollar je Barrel ansteigen. Das signalisieren die an der New York Mercantile Exchange gehandelten Optionskontrakte. Investoren spekulieren darauf, daß die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) nicht genügend Öl produzieren kann, um mögliche Lieferstörungen auszugleichen.

An der New York Mercantile Exchange stehen 6.900 Optionskontrakte aus, die den Käufern erlauben, Öl im Dezember zu 80 Dollar je Barrel zu kaufen. Im Januar lag der Durchschnittspreis noch bei 77 Dollar. Adam Sieminski und Michael Lewis, Strategen bei der Deutschen Bank, sehen eine Wahrscheinlichkeit von 21 Prozent, daß der Ölpreis 75 Dollar übersteigt, wenn der Kontrakt fällig wird.

Labiles Gleichgewicht des Marktes

Teilweise ist der Ölpreisanstieg auf die Sorge zurückzuführen, Irans Atompolitik könnte zu einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten und zu Lieferunterbrechungen im Mittleren Osten führen. „Der Markt schätzt die Gefahr steigender Ölpreise jetzt höher ein als zu Jahresbeginn“, erläutert Sieminski. „Das Gleichgewicht am Markt ist so labil, daß Themen wie eine nukleare Konfrontation mit dem Iran die Befürchtungen erheblich verstärken, daß es zu Lieferengpässen kommt.“ Die Organisation Erdöl exportierender Staaten, auf die etwa 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion entfällt, pumpt bereits fast an ihrer Kapazitätsgrenze.

Am 27. Juni kletterte der Ölpreis auf ein Rekordhoch von 60,95 Dollar je Barrel. Das schwarze Gold hat sich in den letzten zwölf Monaten bereits 53 Prozent verteuert. Angeheizt wurde der Preisanstieg von der Sorge, daß Produzenten und Raffinerien nicht mit der Nachfrage Schritt halten können. Am Montag ermäßigte sich Rohöl der Sorte Brent für den Liefertermin August an der International Petroleum Exchange in London 9 Cent auf 57,45 Dollar je Barrel.

100 Dollar je Barrel „nicht weit hergeholt“

Scheich Ahmad Zaki Yamani, saudischer Ölminister während der Ölkrise 1973, erklärte, ein Ölpreis von 100 Dollar Barrel „sei nicht weit hergeholt“. So weit könne es kommen, wenn „ein politisches Ereignis oder ein militärisches Abenteuer, wie ein Angriff auf den Iran“, hinzukämen, sagte Yamani am 28. Juni auf einer Konferenz des Centre for Global Energy Studies. „Das wäre verheerend.“

Der Iran pumpte im Mai etwa 3,9 Millionen Barrel Öl pro Tag, so Schätzungen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Land ist der zweitgrößte Ölproduzent der Opec nach Saudi-Arabien, das auf eine Tagesproduktion von 9,5 Millionen Barrel kam. Ein Lieferausfall von „mehreren Millionen“ Barrel pro Tag könnte den Ölpreis auf 105 Dollar je Barrel treiben, erwartet William Dudley, Chef-Ökonom bei Goldman, Sachs & Co. in New York. Im vierten Quartal wird die weltweite Nachfrage ein Rekordvolumen von 86,4 Millionen Barrel pro Tag erreichen, prognostiziert die Internationale Energieagentur in Paris.

Rückgang der Fördermenge in Rußland

„Wir hatten Investoren, die nach Kontrakten bei 100 Dollar gefragt haben“, berichtet Orrin Middleton, der bei Barclays Capital in London Optionen und andere Terminkontrakte vermarktet. „Vor zwölf Monaten hat das noch niemand erwartet. Jetzt halten sie es für möglich. Aber wenn so etwas eintreten soll, muß es schon eine Lieferunterbrechung geben.„ Als die Vereinigten Staaten im März 2003 den Irak angriffen, sank die Tagesproduktion von 2,48 Millionen Barrel im Februar auf 140.000 Barrel im April, zeigen Bloomberg-Daten.

Außerhalb des Ölkartells ist Rußland der größte Ölproduzent. Im Mai verzeichnete das Land den geringsten Anstieg der Ölproduktion, nachdem die Investitionen sich nach der Zerschlagung des größten Ölexporteurs OAO Yukos Oil abgeschwächt haben. Das langsamere Wachstum in diesem Jahr werde 2006 zu einem Rückgang der Fördermenge führen, prognostizierten Paul Horsnell und Kevin Norrish, Analysten bei Barclays Capital letzten Monat.

Spekulieren auf eine Lieferstörung

Die steigende Volatilität am Ölmarkt heizt den Optionshandel an. An der Nymex ist in den fünf Monaten bis Mai das durchschnittliche Handelsvolumen für Rohöloptionen auf 55.036 Kontrakte gestiegen, gegenüber 46.237 Kontrakten im letzten Jahr. „Sie spekulieren auf die Möglichkeit einer Lieferstörung“, berichtet Garret Smith, der dieses Jahr seinen eigenen Hedgefonds startete.

Hingegen gab es vor zwei Jahren am Optionsmarkt kaum Interesse an Kontrakten, die auf einen Anstieg des Ölpreises setzen. Im September 2003, als das Barrel Öl im Schnitt 28 Dollar kostete, wurden nur an zwei Tagen Optionen gehandelt, die im Dezember zum Kauf von Rohöl zu 50 Dollar je Barrel berechtigen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2468 −0,16%
Rohöl Brent Crude 106,50 $ −0,33%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.