Energiekonzerne weltweit profitierten im ersten Quartal von den kräftig gestiegenen Öl- und Erdgaspreisen. Nach Exxon Mobil haben nun auch Royal Dutch/Shell und Chevron-Texaco für das erste Quartal 2003 hervorragende Ergebnisse gemeldet.
Der britisch-niederländische Energiekonzern Royal Dutch/Shell erzielte im ersten Quartal 2003 einen Rekordgewinn. Shell ist nach Exxon weltweit der zweitgrößte Ölkonzern. Der Gewinn übertraf zudem die Prognosen von Analysten.
Chevron-Texaco hat das Nettoergebnis im ersten Quartals 2003 mehr als verdoppelt. Mit einem operativen Ergebnis von 1,99 Dollar je Aktie hat der Konzern zudem die Konsensprognose von 1,81 Dollar übertroffen. Profitiert habe der Konzern von festen Rohöl- und Erdgaspreisen sowie von weltweit verbesserten Raffinierie- und Marketingmargen, hieß es bei Vorlage der Zahlen für das erste Quartal am Freitag. Die Zusammenführung der beiden Unternehmen nach der Fusion im Jahr 2001 sei abgeschlossen, hieß es. In der Berichtszeit seien dank der Fusion hohe Einsparungen möglich gewesen.
Shell unter Erwartungsdruck der Analysten
In den drei Monaten sei der Netto-Gewinn bereinigt um laufende Beschaffungskosten und andere Einmalaufwendungen um 96 Prozent auf 3,914 Milliarden Dollar in die Höhe geschnellt, teilte Shell am Freitag in London mit. Darin nicht berücksichtigt ist nach Angaben von Shell der Einfluß des Gewinns von 1,7 Milliarden Dollar aus dem Verkauf des 14,75-Prozent-Anteils an der deutschen Ruhrgas an den Versorger Eon.
Die Investoren hatten allerdings bereits mit einem deutlich über den Voraussagen liegenden Gewinn gerechnet, nachdem große Konkurrenten in dieser Woche ebenfalls Rekordgewinne ausgewiesen hatten. Exxon Mobil hatte seinen Gewinn im ersten Quartal mehr als verdreifacht. BP hatte einen Gewinnanstieg von 132 Prozent vermeldet. „Wenn sie (Shell) nicht an der Spitze der Erwartungen gelegen hätten, wäre Enttäuschung die Folge gewesen", sagte Peter Hitchens vom französischen Brokerhaus Cheuvreux.
Chevron-Texaco Zusammenschluß erfolgreich
Im Nettogewinn von 1,92 Mrd Dollar bei Chevron-Texaco sei ein Verlust von 196 Mio Dollar enthalten, erläuterte der Konzern. Ohne diesen Posten hätte sich ein Ergebnis von 2,1 Milliarden Dollar ergeben. Die höheren Rohöl- und Erdgaspreise steigerten das Ergebnis. Dies sei durch einen Rückgang der Produktion um fünf Prozent (in Öläquivalent) zum Teil aufgezehrt worden, teilte ChevronTexaco weiter mit. In den Vereinigten Staaten habe das Ergebnis in dem Bereich auf 666 Millionen Dollar zugenommen, inklusive eines Fehlbetrags von 350 Millionen Dollar auf Grund von Änderungen in der Bilanzierung. Im internationalen Bereich erhöhte sich das Ergebnis auf 1,1 Milliarden Dollar.
Ölpreis während Irakkrieg gestiegen
Der Ölpreis war während des ersten Quartals wegen des Krieges im Irak und der Unruhen in Venezuela und Nigeria sowie geringer amerikanischer Vorräte auf das höchste Niveau seit zwölf Jahren geklettert. Für ein Barrel (knapp 159 Liter) der führenden Nordsee-Sorte Brent wurden zeitweise rund 33 Dollar bezahlt. Inzwischen ist der Preis wieder deutlich gefallen. Am Freitag kostete Brent-Öl zur Lieferung im Juni beispielsweise 24,30 Dollar. Zu der kräftigen Gewinnsteigerung des Konzerns trugen zudem hohe amerikanischen Erdgaspreise bei und eine Steigerung der Öl- und Gasförderung gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 4,2 Millionen Barrel täglich.
Die im Euro-Stoxx-50-Index gelisteten Shell-Aktien legten nach in London mit knapp einem Prozent auf 375,75 Pence etwas mehr als der Gesamtmarkt zu.
