03.04.2003 · Comeback im Energiegeschäft: Der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller soll neuer Vorstandsvorsitzender der RAG AG in Essen werden.
Der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller soll neuer Vorstandsvorsitzender der RAG AG in Essen werden. Der Aufsichtsrat wird Müller in einer Sitzung am 6. April bestellen. Außerdem soll dann auch der Degussa-Vorstandsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht in den RAG-Vorstand berufen werden.
Der RAG-Aufsichtsratsvorsitzende und Eon-Vorstandsvorsitzende Ulrich Hartmann hat außerordentlich zügig einen Nachfolger für RAG-Chef Karl Starzacher gefunden. Der ehemalige hessische Finanzminister, der seit 1999 den Konzern leitet, hat erst in dieser Woche den Aufsichtsrat gebeten, ihn Ende Mai von seinen Pflichten zu entbinden.
Favorit der Gewerkschaft IG BCE
Nach dieser Zeitung vorliegenden Informationen ist bereits einen Tag nach Veröffentlichung des Rücktrittsgesuches im RAG-Aufsichtrat ausgelotet worden, ob Müller in diesem montanmitbestimmten Unternehmen sowohl auf der Anteilseigner- als auch auf der Arbeitnehmerseite breite Zustimmung finden würde. Der Ende vergangenen Jahres aus der Bundesregierung ausgeschiedene Müller ist eindeutig ein Kandidat der IG Bergbau Chemie Energie. Deren Vize-Vorsitzender Klaus Dieter Südhofer ist auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der RAG.
Hartmann soll Felcht als Starzacher-Nachfolger präferiert haben. Aber der Degussa-Chef hat wohl selber abgewinkt, da von vornherein klar war, daß Südhofer ihn nicht akzeptieren würde. Dagegen hat die IG BCE Müller während seiner Dienstzeit in Berlin schätzen gelernt. Starzacher, der seinen Stern im Unternehmen offensichtlich sinken sah, hat einen guten Zeitpunkt für seinen Rückzug gewählt. Die Übernahme der Degussa in zwei Stufen ist eingespielt und der größte Schritt gerade vollzogen, der zur Finanzierung der insgesamt vier Milliarden Euro teuren Degussa-Beteiligung notwendige Verkauf der meisten RAG-Tochtergesellschaften angekündigt.
Für Müller beginnt die Detailarbeit
Für Müller beginnt nun die Detailarbeit. Es gilt, einen Konzern mit den Arbeitsgebieten heimischer und internationaler Bergbau, Chemie und Immobilien zu formen. An der „neuen" Degussa wird die RAG vom nächsten Frühsommer an mit etwas mehr als 50 Prozent beteiligt sein. Statt der heute mit 82 000 Mitarbeitern erwirtschafteten 15 Milliarden Euro Umsatz wird der RAG-Konzern nach dem Umbau mit seinen dann rund 100 000 Beschäftigten etwa 20 Milliarden Euro umsetzen. Das setzt voraus, daß die RAG tatsächlich einigermaßen zügig Unternehmen mit 6,3 Milliarden Euro Umsatz und fast 18 000 Arbeitsplätzen verkaufen kann. Der heimische Bergbau dürfte die größte Herausforderung für Müller werden. Bisher sind nur die Subventionen bis zum Jahr 2005 zugesichert; dann ist eine Anschlußregelung mit Brüssel auszuhandeln. Müller ist zwar parteilos, aber seine guten Verbindungen zum neuen Superminister Wolfgang Clement, der sich ebenfalls für die heimische Steinkohle einsetzt, dürften seine Arbeit in Essen erleichtern.
Müller hat zwar ein Bundesministerium, aber noch nie einen großen Konzern geleitet. Der Volkswirt, der in einem sprachwissenschaftlichen Thema promoviert wurde, hat von 1973 bis 1998 zunächst im RWE-Konzern, später bei der Eon-Vorgängergesellschaft Veba gearbeitet. Zuletzt war er im Vorstand der Veba Kraftwerke Ruhr AG tätig, die vor allem Steinkohle verstromte und heute ein Teil von Eon Kraftwerke ist.
Das Problem Steinkohlesubvention
Noch bevor Müller als RAG-Chef bestellt worden ist, eilt ihm die Frage voraus, wie er mit dem Problem der Steinkohlensubventionen umgehen wird. Die politischen Vorgaben sind aus den Beihilfen abzuleiten, die von 5,0 Milliarden Euro im Jahr 1998 auf 2,7 Milliarden im Jahr 2005 sinken werden. Das macht die Drosselung der Förderung von anfangs 42 Millionen Tonnen auf höchsten 26 Millionen Tonnen und der Kohlenbelegschaft von 72 000 auf 36 000 Mitarbeitern erforderlich. Aber selbst im Revier erwarten immer mehr Menschen, daß der Förderrückgang selbst bei 20 Millionen Tonnen nicht halt machen wird und folglich auch die Beschäftigtenzahl weiter kräftig schrumpfen muß.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2468 | −0,16% |
| Rohöl Brent Crude | 106,50 $ | −0,33% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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