Home
http://www.faz.net/-gqe-7gxhd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Energetische Gebäudesanierung Wohnen im Einfamilienhaus wird bis zu 260 Euro teurer

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Wohngebäude bis zum Jahr 2050 80 Prozent weniger Energie verbrauchen. Damit das klappt, müssen sie schneller saniert werden - Wohnen wird dadurch teurer.

© dapd Vergrößern Das muss noch schneller gehen: Dämmung eines Altbau-Dachstuhls

Bis zum Jahr 2050 sollen Wohngebäude in Deutschland rund 80 Prozent weniger Energie verbrauchen als im Jahr 2008. So will es die Bundesregierung. Die Autoren einer zweiteiligen Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik und der TU Darmstadt im Auftrag des Instituts für Wärme und Öltechnik (IWO) der deutschen Mineralölwirtschaft sind nun zu dem Schluss gekommen, dass die energetische Sanierung von Gebäuden in Zukunft wesentlich schneller betrieben werden muss, um dieses Ziel zu erreichen. Das dürfte die Wohnkosten für Mieter und Hauseigentümer erhöhen und die Renditen der Immobilieninvestoren schmälern.

Lena Schipper Folgen:  

Sollte die energetische Sanierung in Zukunft ähnlich langsam betrieben werden wie im Moment, wird das Ziel der Regierung, den Energieverbrauch von Wohngebäuden bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zu senken, nach Ansicht der Autoren verfehlt. Daher entwerfen sie in der Studie sogenannte „Sanierungsfahrpläne“, mit deren Hilfe das Sparziel erreicht werden könnte.

Im ersten Fahrplan macht die Regierung den Hauseigentümern genaue Vorgaben, mit welchen Technologien und zu welchem Zeitpunkt bestimmte Sanierungsschritte unternommen werden sollen. Im zweiten Fahrplan ist es weitgehend den Eigentümern überlassen, wie das Ziel erreicht wird.

Kritik an Kostenabgrenzung

Diese beiden Szenarien dienen im zweiten Teil der Studie, der an der TU Darmstadt entstand, als Grundlage für Hochrechnungen, denen zufolge die energetische Gebäudesanierung bis zum Jahr 2050 zwischen 1,7 und 2,1 Billionen Euro kosten könnte - je nachdem, ob die technologischen Mittel zur Sanierung gesetzlich vorgeschrieben werden oder nicht. Die Kosten für die Bewohner eines durchschnittlichen Einfamilienhauses würden sich nach diesen Rechnungen um 140 bis 260 Euro pro Monat erhöhen; Wohnungen in Mehrfamilienhäusern würden im Monat zwischen 100 und 140 Euro mehr kosten: Das entspricht einer Steigerung der Wohnkosten zwischen 1,10 Euro und 2,60 Euro pro Quadratmeter.

Die Kosten der technologieoffenen Variante, in denen der Gesetzgeber den Eigentümern überlässt, wie sie die vorgegebenen Ziele erreichen, wären demnach weitaus niedriger als in einem technologiegebundenen Szenario. Falls es Eigentümern nicht gelingt, diese Kosten auf die Mieter umzulegen, könnten auch die Renditen für Investitionen in Wohngebäude sinken.

Die Berechnungen im zweiten Teil der Studie sind allerdings schon auf Kritik gestoßen. Denn nur ein Teil der Kosten, die die Autoren dort als Mehrkosten der energetischen Sanierung anführen, lässt sich dieser tatsächlich zuordnen. „Da wird nicht sauber getrennt zwischen den Kosten, die für die energetische Sanierung zusätzlich anfallen, und Kosten für Modernisierungs- und Instandhaltungsarbeiten, die ein Hauseigentümer ohnehin von Zeit zu Zeit durchführen muss“, kritisiert Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur DENA. Tatsächlich legen die Autoren ihrer Studie die Kosten einer vollständigen Sanierung zugrunde, in deren Rahmen energiesparende Maßnahmen in der Regel durchgeführt werden. Die Energiesparziele sind also nicht alleine für die steigenden Wohnkosten verantwortlich.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Nachrichten EZB dementiert breit angelegte Staatsanleihekäufe

Twitter will Wandelanleihen für 1,3 Milliarden Dollar begeben. Westliche Ölkonzerne sollen Russland meiden. Merkel stärkt die Braunkohle . Mehr

11.09.2014, 06:36 Uhr | Wirtschaft
Brasiliens Präsidentin verteidigt Kosten

Die WM in Brasilien ist die teuerste in der Geschichte des Wettkampfes. Die FIFA wies Kritik zurück, wonach die Kosten vor allem von den Bürgern getragen werden. Mehr

11.06.2014, 11:31 Uhr | Sport
Professionelle Zucht Marihuana-Plantage in Einfamilienhaus

Auf drei Stockwerke verteilt und mit professioneller und ausgeklügelter Lüftungs- und Bewässerungstechnik ausgestattet war eine Cannabiszucht in Darmstadt - bis die Polizei kam. Sie nahm zwei Verdächtige fest. Mehr

10.09.2014, 10:45 Uhr | Rhein-Main
Mehr als eine Pusteblume

Wer denkt, Löwenzahn sei ein Unkraut, das es auszurotten gilt, hat die Rechnung ohne die Forscher vom Fraunhofer Institut gemacht. Ihnen ist ein Coup gelungen, der die Reifenindustrie völlig unabhängig von tropischen Rohstoffen machen könnte. Mehr

21.08.2014, 16:09 Uhr | Wirtschaft
Angeschlagene Warenhauskette Karstadt-Umbau soll 200 Millionen Euro kosten

Der Aufsichtsrat von Karstadt strebt eine tiefgreifende Sanierung der Warenhauskette an. Sie soll laut einem Medienbericht 200 Millionen Euro kosten. Das zugrundeliegende Konzept enthält auch eine Abrechunung mit der Ära Berggruen. Mehr

13.09.2014, 23:03 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.08.2013, 14:11 Uhr

Riskante Vermietung

Von Michael Psotta

Mit Wohnungen Geld zu verdienen, ist nicht so leicht wie es derzeit oft klingt - trotz des Immobilienaufschwungs. Dafür gibt es mehrere Gründe. Mehr 5 13


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Amazon vor Otto vor Zalando

Der Platzhirsch im deutschen Online-Handel heißt Amazon. Er setzt mehr um als seine unmittelbaren Verfolger zusammen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden