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EM 2012 : Das Millionenspiel mit dem Fußball

Mit jedem Länderspiel spielt der Deutsche Fußballbund bis zu 9 Millionen Euro ein Bild: imago sportfotodienst

Die Uefa ist der wirtschaftliche Gewinner des Spektakels EM. Die Risiken tragen Polen und die Ukraine. Den Wert des Fußballs zeigt aber auch ein Blick auf unsere Nationalmannschaft.

          Pawel Adamowicz ist derzeit schwer auf Achse. Ein repräsentativer Termin jagt den nächsten, Anfang der Woche begrüßte der Bürgermeister Danzigs die Deutschen als erste hochkarätige Fußballgäste aus dem Ausland in seiner Stadt. Der Tross der Nationalmannschaft logiert während dieser Europameisterschaft in einem Hotelkomplex etwas außerhalb und will sich an der Ostsee die Kraft holen für den Titelkampf. Am Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) lässt sich der Wert des Fußballs gut beziffern: Es sorgt für 70 Prozent des DFB-Umsatzes, der Verband steigerte seine Sponsoringeinnahmen in den vergangenen Jahren um 330 Prozent, pro Länderspiel spielt der DFB bis zu 9 Millionen Euro ein. Es gibt 300 Fanartikel zur Nationalmannschaft, mit denen die Lizenznehmer im Jahr 250 Millionen Euro umsetzen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch die Iren haben sich nahe Danzig einquartiert, und das aktuell weltbeste Team aus Spanien bestreitet gleich alle drei Vorrundenspiele im nagelneuen Stadion der Stadt. Für Bürgermeister Adamowicz ist der Fußball-Hype ein Segen, hat das global beachtete Turnier doch in Danzig einen immensen Investitionsschub ausgelöst. Der großgewachsene Jurist, der sich in jungen Jahren auch als Studentenanführer am Aufstand gegen das kommunistische Regime beteiligte, sieht die durch das dreiwöchige Fußballturnier ausgelösten tiefgreifenden Veränderungen als eine Art zweite Revolution. „Zu meiner Freude muss ich diesmal keinen Streik organisieren oder gegen die Regierung protestieren“, sagt Adamowicz mit einem Lächeln. Während an historischer Stelle am Hafen, wo die Danziger Werftarbeiter 1980 aufbegehrten, die Solidarność-Fahnen weiter im frischen Wind wehen, hat sich die Stadt mit ihren 450.000 Einwohnern in den vergangenen Jahren runderneuert. Noch ist nicht alles fertig, überall wird weiter gebaut. Eine Milliarde Euro, rechnet Adamowicz vor, werden bis 2014 in verschiedenste Bauprojekte geflossen sein - für Flughafenterminal, Straßen, Brücken, Tunnel, Hafenumwandlung, Stadion. Die Hälfte kommt aus den Kassen der EU. Die Stadt will weiter wachsen - mit Werften, Raffinerien, erdölverarbeitender Industrie sowie einem dynamischen Dienstleistungssektor.

          Beschleunigende Wirkung für die Ökonomie

          Ganz Polen geht davon aus, dass die am Freitag in Warschau mit dem ersten Spiel der Heimelf „Bialo-Czerwoni“ (die Weiß-Roten) eröffnete Großveranstaltung für die Ökonomie beschleunigende Wirkung hat. Das Wirtschaftswunderland setzt auf weitere Modernisierungskraft, nachdem die Polen als einzige Nation in Europa die Rezession von 2008 mit einem Wirtschaftswachstum (1,7 Prozent) überstanden haben. Die liberal-konservative Regierung Donald Tusks hat die Schuldenbremse eingeführt und den europäischen Fiskalpakt unterschrieben. So ist die Konsumstimmung unter den 38 Millionen Polen weiterhin stabil, das EM-Jahr soll der Volkswirtschaft ein Plus von mindestens 2,5 Prozent bringen. Die Handelshochschule in Warschau prognostiziert wegen des Fußballs ein zusätzliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 von 7 Milliarden Euro. Investiert hat das Land im Zuge der Europameisterschaft rund 22 Milliarden Euro, wovon der überwiegende Teil aus den Töpfen der EU-Regionalförderung stammt. Die Hälfte der Summe floss dabei in Straßenprojekte. Seit Tusk 2007 fast parallel zur EM-Vergabe als Regierungschef antrat, sind 1200 Autobahn- und Schnellstraßenkilometer gebaut worden.

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