http://www.faz.net/-gqe-7t7et
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 28.08.2014, 12:59 Uhr

Ella Balkow 102-Jährige macht Crowdfunding

Ella Balkow ist 102 Jahre alt - und hat das Crowdfunding für sich entdeckt, um einen Kalender mit ihrer Lebensgeschichte zu drucken. Genügend Geld ist nun da.

von Jennifer Garic
© Natalie Balkow Ein Teil ihrer Lebensgeschichte soll auf einen Kalender gedruckt werden.

„Erst einmal machte ich eine Pause – es war ein sehr heißer Tag, wir waren erschöpft und ziemlich verdreckt. Ich fand ein mit Gras bewachsenes Plätzchen an der Straßenböschung. Von dort aus konnte ich in der Ferne einen Hof ausmachen und überlegte, ob ich den Bauern um etwas Essbares bitten sollte...“

Der „Russische Offizier“ nennt sich diese Geschichte. Geschrieben hat sie Ella Balkow. Sie ist 102 Jahre alt und lebt in Mönchengladbach. Ihre Enkelin Natalie möchte die Geschichten bewahren. Am liebsten in einem Kalender. Vorne Bilder, hinten die Geschichte zum jeweiligen Monat. Ein professioneller Druck ist aber sehr teuer. Also entschieden sie sich für ein Crowdfunding-Projekt.

30747465 © Natalie Balkow Vergrößern Ella Balkow ist 1912 geboren, als Deutschland noch einen Kaiser hatte.

Geboren ist Ella Balkow in Königsberg, ehemals Ostpreußen. Heute ist das Kaliningrad, eine russische Exklave. Eingeschult wurde sie kurz nach dem ersten Weltkrieg. Ihre Schule befand sich in einem Lazarett. Verwundete Soldaten haben den Erstklässlern während ihrer Einschulung gewunken. Auch das ist eine der Geschichten, die in den Kalender kommen.

Ihre Enkelin Natalie hat dafür auf Startnext eine Kampagne gestartet. „Meine Enkelin hat mir das erklärt. Ich finde dieses Crowdfunding sehr gut“, meint Mutsch, wie Oma Balkow von ihrer Familie genannt wird. Skeptisch gegenüber Crowdfunding sei sie nicht gewesen. „Man macht heute doch alles im Internet.“ Die veranschlagten 2000 Euro haben sie längst erreicht. Knapp zwei Wochen lang kann man sich aber noch an dem Kalender beteiligen.

Mehr zum Thema

Ihre Geschichten schreibt sie erst seit den Neunzigern auf. „Vorher bin ich ja nicht dazu gekommen“, meint Mutsch. Erst tippte sie noch auf der Schreibmaschine. Doch das wurde mit der Zeit zu anstrengend. Jetzt schreibt sie von Hand in einer Mischung aus Sütterlin und Schreibschrift. Ella Balkow ist sehr bodenständig und praktisch veranlagt: „Sie kauft nie Müllbeutel. Da nimmt sie lieber die Tüte vom Brot oder dem Einkauf“, erzählt Enkelin Natalie. Sie hat schon als Kind den Eltern in der Landwirtschaft geholfen. Die Familie mit den neun Kindern hatte nicht viel.

„Wir haben das Geld ziemlich knapp kalkuliert“, erzählt Natalie. „Mutsch wollte lieber noch selbst Geld beisteuern, als zu viel zu verlangen. Zum Glück machen die Grafiker uns das Layout umsonst. Aber auch so wird es knapp.“ Sollte am Ende doch noch Geld übrig bleiben, wird es gespendet.

Etwa 100 Leute haben sich mit ihrer Beteiligung schon einen Kalender gesichert. Zwölf Monate, zwölf Geschichten. „Ich habe sehr viel erlebt. Zwei Weltkriege. Die meisten anderen Zeitzeugen sind ja schon gestorben.“ Ihre Geschichten schreibt sie schon seit längerer Zeit auf. Einige davon kommen in den Kalender, ein paar andere werden noch extra dafür geschrieben. Ob sie einen Computer hat? „Nein, das wäre doch viel zu umständlich. Dann müsste man den ja hierher bringen und so. Da habe ich es doch schneller von Hand geschrieben.“

Ein neuer Flugplan

Von Carsten Knop

Auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt ändert sich (fast) alles. Darüber freut sich die Lufthansa, aber es kommen noch andere zur Party hinzu. Den Kunden wird die Insolvenz kaum schaden. Mehr 8 18

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage