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Veröffentlicht: 12.10.2011, 17:42 Uhr

Elektronisches Buch Zahlen aus Amerika schocken die Buchbranche


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Viele Bücher werden illegal heruntergeladen

Große Sorge bereite der Urheberrechtsschutz im Internet. 60 Prozent aller in Deutschland aus dem Netz heruntergeladenen Bücher seien illegal heruntergeladen worden. „Die illegale Entwicklung im Netz ist weiter als die legale“, beklagt Honnefelder. Dass dies ein internationales Problem ist, belegt Boos mit den Worten, in einigen Ländern übersteige die Zahl der elektronischen Lesegeräte (E-Reader) die der legal heruntergeladenen elektronischen Bücher um das 100fache. Eine Lösung für das Urheberrechtsproblem ist nicht in Sicht. Auch der Bitcom, der erstmals auf der Buchmesse ausstellende Branchenverband der Informationstechnik, der Telekommunikation und der Neuen Medien, hat bisher keine Vorstellung, wie man in der elektronischen Welt das Urheberrecht schützen kann.

Honnefelder forderte auf der Messe die Politik auf, die Internetanbieter zu verpflichten, Warnhinweise anzubringen, die den Nutzern sagen, was legal und was illegal ist. In Umfragen hätten 81 Prozent derjenigen, die illegal Inhalte herunterladen, die Meinung vertreten, dass Warnhinweise das illegale sogenannte Filesharing eindämmen würden.

Nach Ansicht von Boos ist die Elektronik aber mehr als nur ein neues Medium für alte Inhalte. Durch die Elektronik werde der gesamte Produktionsprozess der Branche in Frage gestellt. Bisher sei er rein linear organisiert gewesen: Der Autor schreibt ein Buch, der Verleger verlegt es, der Händler verkauft die Rechte, der Leser liest, dann interessierte sich ein Filmemacher dafür. Alles passiert zeitlich nacheinander. „Diese Verwertungskette hat sich atomisiert. An jeder Schnittstelle gibt es heute viele Abzweige“, sagt Boos. „Statt Verwertungsketten gibt es heute dreidimensionale Verwertungsräume.“ Amazon bietet Autoren an, ihre Bücher direkt (ohne Umweg über den Verlag) elektronisch im Kindle-E-book-store zur Verfügung zu stellen - gegen 70 Prozent des Verkaufspreises.

Inhalte würden künftig gleichzeitig für gedruckte und elektronische Bücher sowie für Spiele und Filme geschrieben, glaubt die Buchmessegesellschaft. In Internetspielen werden sogar Inhalte von Millionen von Mitspielern weiterentwickelt, von denen Teile später als Buch erscheinen oder im Film umgesetzt werden. Auf dieser Buchmesse sind daher erstmals auch Anbieter von Internetspielen vertreten. Insgesamt bietet fast jeder zweite Aussteller elektronische Produkte an. Der Rechtehandel, der früher nur über Länder- und Sprachgrenzen ging, gehe heute auch über technische Grenzen. Die Messegesellschaft erwartet 15000 Rechtekäufer auf der Messe. Wie sich das Buch in Zukunft entwickelt, weiß derzeit niemand. Diese Ungewissheit drückt sich auch in den 3000 Kongressen, Foren und Diskussionsveranstaltungen aus, wobei es in 500 Fällen um die neue digitale Welt geht, um die Überlappung von Buch, Film, Spiel und elektronischer Welt. „Es gibt eine Messe der Experimente“, kündigte Boos vor der Veranstaltung an, die am Wochenende auch für das allgemeine Publikum geöffnet sein wird. Auf ihr präsentieren 7400 Aussteller aus 110 Ländern ihre Produkte, darunter 3300 Aussteller aus Deutschland.

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