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Elektronikmesse in Las Vegas Zwei Gewinner auf Kosten vieler Verlierer

Zum Start der Elektronikmesse CES liefert die Branche ein gespaltenes Bild. Die großen Wachstumsmotoren sind Smartphones und Tabletcomputer. Alle anderen Segmente schrumpfen.

© REUTERS 55 Prozent aller amerikanischen Haushalte besitzen ein Smartphone

Tabletcomputer und internetfähige Handys (Smartphones) dominieren mehr und mehr das Geschehen in der Konsumelektronik. Jenseits dieser beiden Wachstumssegmente hat die Branche aber ein enttäuschendes Jahr erlebt. Das geht aus einer Studie hervor, die der Branchenverband Consumer Electronics Association zusammen mit dem Marktforschungsinstitut GfK vor der Messe CES in Las Vegas vorgelegt hat. 2013 soll besser werden, große Wachstumssprünge werden aber nicht erwartet.

Roland Lindner Folgen:

Insgesamt fiel der Umsatz der Branche mit Elektronikgeräten auf der ganzen Welt im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen um 1 Prozent auf 1,06 Billionen Dollar. Das war deutlich schlechter als erwartet; der Verband hatte vor einem Jahr ein Wachstum von 5 Prozent vorhergesagt. Für 2013 stellte Steve Bambridge von der GfK nun eine „bescheidene Erholung“ mit einem Umsatzplus von 4 Prozent auf 1,11 Billionen Dollar in Aussicht.

In besonders schwacher Verfassung präsentiert sich der westeuropäische Markt. Dies ist die einzige Region, in der auch für 2013 ein Umsatzrückgang (minus 1 Prozent) erwartet wird. „Selbst in Deutschland wird es - wenn überhaupt - nur ein Wachstum im sehr niedrigen einstelligen Bereich geben. Die Stimmung der Verbraucher wird schlechter“, sagte Bambridge. Das Geschäft in Nordamerika ist stabiler: Hier gab es 2012 ein leichtes Umsatzplus von 1 Prozent, für das laufende Jahr wird ein Wachstum von 3 Prozent erwartet. Die aufstrebenden asiatischen Märkte wie China stehen mit am besten da, bringen aber auch nicht mehr dasselbe rasche Wachstum wie noch vor wenigen Jahren. Für 2013 rechnen die Studienautoren hier mit einem Umsatzplus von 9 Prozent.

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Gewinner des vergangenen Jahres waren die Tabletcomputer, die in rasantem Tempo zur Standardausrüstung von Verbrauchern werden. Allein in den Vereinigten Staaten haben heute 44 Prozent aller Haushalte ein Tablet. Vor einem Jahr waren es erst 22 Prozent. Damit kommen die Tablets schon recht nahe an die Verbreitung von Smartphones heran, die in 55 Prozent aller amerikanischen Haushalte verbreitet sind. Auf der ganzen Welt sprang der Umsatz mit den Geräten 2012 um 60 Prozent. Für dieses Jahr wird ein weiteres Wachstum um 25 Prozent erwartet. „Eine derart schnelle Verbreitung haben wir noch bei keinem anderen Elektronikprodukt gesehen“, sagte Steve Koenig, ein Analyst des Branchenverbands. Der Tabletmarkt kam mit dem Erfolg des 2010 eingeführten iPad von Apple ins Rollen. Apple ist bis heute klarer Marktführer, hat aber mittlerweile einige ernstzunehmende Wettbewerber wie Amazon, Google und Samsung.

Weiterhin auf Wachstumskurs ist das Geschäft mit Smartphones: Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz um 38 Prozent, 2013 soll es ein Plus von 22 Prozent geben. Das größte Potential für die Branche liegt hier in aufstrebenden Märkten der Welt, wo nach Angaben in der Studie heute erst 40 Prozent aller verkauften Mobiltelefone Smartphones sind. In den reifen Industrieländern sind es dagegen schon 80 Prozent.

Smartphones und Tablets können immer mehr

Die Dynamik bei den Tabletcomputern und den Smartphones geht zu Lasten der klassischen Personalcomputer wie Laptops und Desktops, deren Umsätze im vergangenen Jahr schrumpften. Weniger Umsätze machte die Branche auch mit Druckern, Fernsehern, DVD- und Bluray-Spielern, Videospielen und vielen anderen Produkten.

Smartphones und Tablets bringen andere Produktkategorien in Bedrängnis, weil sie vielseitig einsetzbar sind und ihren Aktionsradius mit neuen Anwendungen weiter vergrößern. Das bekommen Segmente wie digitale Musikspieler, Videospielkonsolen und Navigationsgeräte zu spüren. Analyst Koenig sieht einen „Kollaps von Produkten“, der im Laufe der Zeit dazu führen könnte, dass die Verbraucher weniger verschiedene Geräte haben werden. „Viele Produktkategorien verwandeln sich in Applikationen.“ Verbandsökonom Shawn Dubravac spricht von einer „Post-Smartphone-Ära“, in der diese Geräte immer weniger zum Telefonieren, Versenden von E-Mails und andere Arten der Kommunikation eingesetzt werden und dafür zunehmend zur Steuerungszentrale für verschiedene Alltagsaufgaben werden: Sie sperren Türen auf, helfen beim Messen des Blutdrucks oder geben Bescheid, wenn Pflanzen Wasser brauchen.

Die Grenzen zwischen Smartphones, Tablets und auch Laptops werden nach Meinung des Verbands weiter verschwimmen. So gab es bei den Smartphones zuletzt einen Trend zu größeren Geräten, im Gegenzug kamen viele kleinere Tablets auf den Markt, Apple war mit seinem iPad mini das jüngste Beispiel. Ein Thema auf der CES dürften wie schon im vergangenen Jahr Tablet-Hybridgeräte sein, die über eine Tastatur verfügen und somit wie ein Laptop genutzt werden können.

Consumer Electronics Show im Überblick

Die Consumer Electronics Show - offiziell „International CES“ - findet vom 8. bis zum 11. Januar in der Spielerstadt Las Vegas statt. Sie verteilt sich auf mehrere Hotels und Ausstellungshallen rund um die Amüsiermeile „Strip“, wo die berühmtesten Casinos der Stadt stehen. Es ist die größte Messe der Elektronikindustrie in Amerika. Sie konkurriert mit der Cebit in Hannover und der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Anders als die beiden deutschen Wettbewerber lässt die CES aber nur Fachbesucher zu. In diesem Jahr erwarten die Veranstalter rund 150000 Besucher. Die 2700 Aussteller wollen 20000 neue Produkte vorstellen. Die 1967 erstmals veranstaltete Messe war traditionell vor allem eine Bühne für klassische Unterhaltungselektronik wie Fernseher und Kameras. Im Lauf der Zeit zog sie immer mehr Unternehmen aus der Informationstechnologie an, der Softwarekonzern Microsoft war viele Jahre Aushängeschild der Messe. Umso mehr ist die diesjährige CES eine Zäsur, weil Microsoft nicht mehr als Aussteller vertreten ist und auch die lange von ihm bestrittene Eröffnungsrede abgegeben hat. Dieser prominente Rednerplatz fällt nun an das kalifornische Unternehmen Qualcomm, einen Anbieter von Mikrochips für Handys. Den bisher von Microsoft geräumten Platz füllt in diesem Jahr das chinesische Elektronikunternehmen Hisense. Den Veranstaltern zufolge war die Ausstellungsfläche insgesamt nie so groß wie in diesem Jahr. Freilich fehlen neben Microsoft auch andere bekannte Branchenunternehmen wie Apple, Amazon und Google. In der Geschichte der CES haben einige prominente Produkte ihre Premiere gefeiert. Hier wurde 1970 der erste Videorekorder der Welt vorgestellt, 1981 der Camcorder, 2001 die Spielkonsole Xbox von Microsoft. Zuletzt mangelte es aber an spektakulären Neuheiten. So sind die dünnen „Ultrabook“-Laptops, 2012 ein beherrschendes Thema der CES, bislang kein Verkaufsschlager geworden.

Quelle: F.A.Z.

 
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