Der Siemens-Konzern hat im abgelaufenen Quartal das operative Ergebnis gegenüber dem Vorquartal fast verdoppelt und die Erwartungen der Analysten übertroffen.
Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) betrug 919 Millionen Euro nach 487 Millionen Euro im Vorquartal und 922 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ebit von nur 341 Millionen Euro gerechnet.
Ausblick wenig erhellend
Das Ergebnis nach Steuern kletterte verglichen mit dem Vorjahr von 578 Millionen Euro auf rund 1,3 Milliarden Euro. Der Verkauf von Infineon-Anteilen steuerte zu dem Ergebnis per Saldo 561 Millionen Euro bei. Vor allem die Bereiche Energieerzeugung, Medizintechnik und Osram zeigten eine erfreuliche Ergebnisentwicklung. „Die Zahlen sind fast alle besser als erwartet", sagte WestLB-Analyst Adrian Hopkinson. „Von den Bereichen, die schwach befürchtet worden waren, bestätigte eigentlich nur einer diese Erwartung. Die Zahlen sind also sehr gut.“ Den zusätzlichen Stellenabbau in der Netzwerksparte, über den Medien in den vergangenen Tagen schon spekuliert hatten, bezeichneten die Analysten als keine Überraschung.
Enttäuscht zeigten sich die Marktbeobachter aber über den weiter unkonkreten Ausblick, den von Vorstandschef Heinrich von Pierer für das Geschäftsjahr gab. „Auf Grund der gesamtwirtschaftlichen Lage werden wir weiterhin keine genauere Prognose für das Gesamtjahr abgeben", erklärte von Pierer. In einem Fernsehinterview sagte er lediglich, das laufende Geschäftsjahr werde wesentlich erfolgreicher verlaufen als das Jahr zuvor. „Ich glaube an all die positiven Prognosen, die wir in den Zeitungen über eine Verbesserung (der Konjunktur) im zweiten Halbjahr lesen. In unseren Zahlen reflektiert sich das jedoch noch nicht, und so bleiben wir vorsichtig", gab sich von Pierer zurückhaltend. „Die Hälfte des Geschäftsjahres ist vorbei, da sollten sie eigentlich in der Lage sein, einen Ausblick für das Gesamtjahr zu geben", sagte Theo Kitz, Analyst bei Merck & Finck.
Entlassungen in Netzwerksparte
Das Netzwerkgeschäft litt allerdings weiter unter der Nachfrageschwäche der Telekomindustrie und verbuchte einen operativen Verlust von 158 Millionen Euro. Hier kündigte Siemens den Abbau von weiteren 6.500 Arbeitsplätzen an.
Dieser Geschäftsbereich rechne für das zweite Halbjahr mit „zusätzlichen Belastungen von rund 300 Millionen Euro“, erklärte der Siemens-Chef. Die Jobs sollen „in den kommenden Quartalen“ wegfallen. Laut Presseberichten treffen die Stellenstreichungen vor allem Mitarbeiter im Ausland. Bereits zuvor hatte Siemens angekündigt, in dieser Sparte 10.000 Stellen abbauen zu wollen. Mit dem erneuten Stellenabbau reagiert Siemens auf die anhaltende Nachfrageschwäche der Telekombetreiber für Festnetzinfrastruktur, unter der auch Konkurrenten wie Nortel und Lucent leiden. So hatte der schwedische Ericsson-Konzern erst am Montag den Abbau von weiteren 20.000 Arbeitsplätzen angekündigt und die Marktlage auf absehbare Zeit als schwierig bezeichnet.
Zuwachs beim Handygeschäft
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 verkaufte die Mobilfunksparte ICM 8,3 Millionen Handys. Im Vorjahreszeitraum waren es 6,9 Millionen, im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft 9,0 Millionen. Der Siemens-Konzern steht im Wettbewerb mit Samsung um den dritten Platz unter den weltweiten Handyherstellern. An der Spitze steht Nokia, gefolgt von Motorola.
Spitzenreiter Energieerzeugung
Spitzenreiter bei der Ergebnisentwicklung war erneut die Sparte Energieerzeugung, die ihr Ebit gegenüber dem schon guten Vorquartal noch einmal um die Hälfte auf 450 Millionen Euro steigern konnte. Die Medizintechnik steigerte ihr Ebit um 24 Prozent auf 262 Millionen Euro. Dabei übertrafen diese Bereiche bereits ihre für 2003 angepeilte Ebit-Zielmargen.