14.09.2009 · Shai Agassi ist ein Revolutionär. Mit seinem Konzern Better Place will der Ex-SAP-Manager weltweit die Infrastruktur für Elektroautos aufbauen, zuerst in Israel. Die Fahrzeuge kommen von Renault. In Deutschland sieht er keinen namhaften Förderer.
Der kalifornische Elektroauto-Infrastrukturkonzern Better Place will im kommenden Jahr bis zu 35.000 Elektrofahrzeuge bei dem französischen Hersteller Renault bestellen. „Better Place hat Zusagen von 50 israelischen Unternehmen, die planen, einen Teil ihrer Firmenfahrzeuge ab dem Jahr 2011 auf Elektrofahrzeuge umzustellen“, sagte Better-Place-Unternehmensgründer und Haupteigentümer Shai Agassi im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Herr Agassi, warum haben Sie Ihr größtes Pilotprojekt mit 100.000 Ladestationen für Elektroautos ausgerechnet im kleinen Land Israel begonnen?
Ich bin 1968 in Israel geboren und habe dort bis 1995 gelebt. Aber das ist nicht der eigentliche Grund. Israels Präsident Shimon Peres hat 2008 erklärt, dass das Land bis 2020 im Verkehrssektor ohne Öl auskommt. Peres hat das zu seinem persönlichen Projekt gemacht. Er hat mich darauf verpflichtet, mein Projekt als erstes in Israel umzusetzen. Auch in Dänemark, Hawaii, Australien und Kalifornien, wo wir als Nächstes Ladestationen aufbauen, spielen einzelne Förderer eine wichtige Rolle. In Kalifornien ist es der Bürgermeister von San Francisco, Gavin Newsom.
Gibt es eine solche Person auch in Deutschland?
Noch nicht, aber Bundeskanzlerin Angela Merkel ist immerhin Physikerin. Ich denke, angesichts der großen Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland sollte Frau Merkel die Elektromobilität zu ihrem persönlichen Anliegen machen. Ich habe sie auch persönlich gesprochen.
Wann starten Sie in Deutschland?
Ich denke, die Haltung der Deutschen hat sich sehr verändert. Wir hatten lange Diskussionen mit der Bundesregierung über die Zukunft des Autos und die Sicht, dass die Elektrifizierung unvermeidbar ist – auch mit Blick auf die staatlichen Hilfen für Elektroautos in Frankreich, England, Dänemark und Holland. Ich begrüße die jüngsten Signale aus Berlin, dass auch dort Elektroautos gefördert werden. Es kam aber immer wieder die Frage: Kommt das über Nacht? Wir haben stets betont: Es geht schneller, als alle dachten.
Wie helfen Regierungen Ihrer Idee?
Das kann ein Zuschuss zum Preis für ein Elektroauto sein. In Frankreich sind es 5000 Euro, in China 9000 Dollar. Oder es kann ein Steuernachlass sein wie in Dänemark. Dort verzichtet der Staat auf die Kaufsteuer von 105 Prozent. Solche Anreize richten sich nur an die ersten Käufer. Zudem helfen Regierungen den Autoherstellern bei der Forschung. Amerika gibt dafür viele Milliarden Dollar. Üblich sind auch Kredite für den Aufbau der Ladestationen. Frankreich will die ersten 2 Millionen davon im ganzen Land finanzieren.
Von wem werden Sie die Elektroautos für Israel kaufen – und wie viele sind das im ersten Schritt?
Von Renault. Wir haben Zusagen von 50 israelischen Unternehmen, die planen, einen Teil ihrer Firmenfahrzeuge ab dem Jahr 2011 durch 35000 Elektroautos zu ersetzen. Diese Fahrzeuge bestellen wir und reichen sie dann an unsere Kunden weiter. Wir erwarten, dass das Elektroauto von Renault, das auf der IAA in Frankfurt gezeigt wird, bald eines der am meisten verkauften Autos in Israel sein wird. Zu unseren Firmenkunden zählen Siemens, Intel, Glaxosmithkline, Cisco. Sie planen, ihren ganzen Fuhrpark binnen drei Jahren umzustellen – wenn die Autos so gut funktionieren wie wir versprechen.
Wird Better Place selbst die Autos von Renault kaufen und bezahlen?
In Israel ja, aber in Dänemark werden die normalen Autohändler die Elektroautos kaufen, und wir stellen die Infrastruktur. Wir verkaufen dann ein Mobilitätspaket, das die Nutzung der Ladestationen, der Batterien und den zum Fahren benötigten Strom umfasst. Dadurch, dass wir die teuren Batterien vermieten, ist auch der Kaufpreis des Autos niedriger. Die Verbaucher zahlen bei uns für die Batterie nur 3 Cent pro gefahrenem Kilometer.
Was ist das Besondere an dem Elektroauto von Renault?
Es wird wird erschwinglicher sein als ein durchschnittliches Benzinauto – billiger als der VW-Polo. Das gilt für den Kaufpreis wie für die Betriebskosten. Am Anfang brauchen wir dafür Staatshilfe. Das ist aber nur die Brücke bis zu der Zeit, wenn Elektroautos in so hohen Stückzahlen wie Benzinfahrzeuge hergestellt werden. Auf der IAA wird es eine Zäsur geben, wenn Renault sein Elektroauto, das in Serienproduktion geht, dem Publikum präsentiert – und wir unser komplettes System zeigen, an dem wir seit zwei Jahren arbeiten. Dazu gehören die Batterien, die Ladestationen und eine Software für die Steuerung des Autos. Die Testflotten werden in Israel Ende 2010 fahren, der Massenmarkt startet 2011.
Bevor Sie Better Place gründeten, waren Sie Vorstandsmitglied beim Softwarekonzern SAP. Wer sorgt für die Software der Elektroautos von Renault?
Das Herzstück der Software kommt von Better Place, der Rest von Intel und Microsoft. Das Armaturenbrett liefert künftig Informationen über den Batteriestand, die nächste Lade- oder Wechselstation und die Bezahlung des Stroms.
Wie weit fahren Ihre Elektroautos?
Wie weit kann denn Ihr Auto fahren?
Ungefähr 600 Kilometer.
Und dann halten Sie an und gehen zu Fuß weiter?
Nein, ich tanke.
Genauso ist es mit den Elektroautos. Sie können so weit fahren wie Sie wollen. Mit einer Ladung kommen Sie zwar nur 160 Kilometer weit. Aber wir errichten für Langstrecken 120 Batteriewechselstationen in ganz Israel. Für den Wechsel brauchen Sie weniger Zeit als zum Tanken. Das dauert 1 oder 2 Minuten. Beim Laden gilt: Für 1 Minute Fahrzeit müssen Sie 1 Minute laden. Wenn Sie eine Stunde zur Arbeit fahren, genügt es für den Rückweg, dort eine Stunde zu laden. Für jedes Auto wird es jeweils eine Ladestation zu Hause und am Arbeitsort geben sowie Tausende Ladestationen an öffentlichen Orten.
Wie wichtig ist die Standardisierung der Batterien für das Funktionieren der Wechselstationen?
Es wäre natürlich viel einfacher für uns, wenn jeder Autohersteller dieselbe Batterie einsetzt. Aber wir haben die Wechselstationen so gebaut, dass sie mit diversen Batterien funktionieren, und wir werden verschiedene vorrätig haben.
Stimmt es, dass Israels größte Ölraffinerie Ihr wichtigster Geldgeber ist?
Es ist eine Holding, die sich Israel Corporation nennt und unter anderem eine Ölraffinerie besitzt.
Ist das nicht kurios? Die machen sich ja selbst überflüssig ...
Letztlich wollen Autofahrer immer Kilometer einkaufen. Ob sie die Kilometer mit Benzin oder Strom hinter sich bringen, ist ihnen völlig egal. Man kann mit beidem Geld verdienen.
Wie viel Kapital steckt in Better Place?
Im Mutterkonzern in Kalifornien stecken 20 Millionen Dollar. Aber wir haben Tochtergesellschaften in mehreren Ländern. In Dänemark kommen 100 Millionen Dollar zum Einsatz und in Israel 200 Millionen Dollar. Wir haben weltweit 150 fest Angestellte und 400 Selbständige.
Werden Sie an die Börse gehen?
Sicher werden wir im Zuge des Wachstums in einigen Jahren an die Börse gehen. Irgendwann reicht das Geld einzelner privater Investoren nicht mehr aus. Wer jetzt bei Better Place einsteigen will, kann Aktien von Israel Corp. kaufen.
Wann wird Better Place profitabel?
Wir brauchen Elektroautos auf der Straße, um Geld zu verdienen. Das ist 2011 der Fall. Wenn unser System ans Laufen kommt, ist es extrem profitabel. Es ist sehr einträglich, Kilometer zu verkaufen, wenn man kein Benzin braucht.
Glauben Sie, die deutschen Autohersteller haben Angst vor Better Place?
Uns fehlt eine Kooperation mit den Deutschen. Aber es wäre doch merkwürdig, vor Better Place Angst zu haben. Schließlich produzieren wir selbst keine Autos und werden das wohl niemals tun. Also kann ich ihnen das Geschäft gar nicht streitig machen. Im Gegenteil: Wir ermöglichen eine neue Produktgattung.
Was kann Sie noch aufhalten?
Nichts. Sobald Leute überzeugt sind, dass Elektroautos gut funktionieren - und das sind sie nach drei Minuten Fahrt -, ist der Wechsel unaufhaltsam. Anfangs sind es Taxis, dann folgen Langstreckenfahrer und Firmenwagen. Es ist ein Irrtum, dass das Elektroauto nur von reichen Ökos gekauft wird, die kurze Wege in der Stadt zurücklegen. Der Hauptmarkt liegt bei Leuten, die aufs Geld achten müssen.
Wir brauchen ...
Frank Geiser (geiser123)
- 14.09.2009, 14:23 Uhr
@Konzept ohne Zukunft
Michael Adam (MACHE174)
- 14.09.2009, 20:36 Uhr
@ simon schneider
Frank Geiser (geiser123)
- 15.09.2009, 01:10 Uhr
Auch Continental ist mit an Bord
Tobias Stegner (tobias33)
- 16.09.2009, 13:56 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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