http://www.faz.net/-gqe-37jq

Einzelhandel : Kmart droht die Pleite

  • Aktualisiert am

Zuwenig los bei Kmart Bild: AP

Kmart ist der drittgrößte amerikanische Einzelhändler - und Kmart ist insolvent. Daran ist nicht zuletzt die Enron-Pleite schuld.

          Wal-Mart, die Einzelhandelskette, die sich mit einer aggressiven Preispolitik auf dem deutschen Markt etabliert hat, ist hierzulande bekannt. Weniger bekannt ist Kmart, bis vor kurzem zweitgrößter Einzelhändler der USA, nun auf Platz drei der Rangliste, hinter Wal-Mart und Target. Die Verdrängung von Platz zwei ist für Kmart halb so schlimm - dramatischer ist die finanzielle Situation des Unternehmens. Am Dienstag stellte Kmart Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts.

          Das ist der größte Bankrott im Einzelhandel in der Geschichte der USA. Unabwendbar wurde die Pleite, als am Montag der einzige Lebensmittellieferant von Kmart, Fleming, seine Lieferungen einstellte. Grund: Die Handelskette hatte ihre regelmäßige wöchentliche Zahlung von 78 Millionen Dollar an Fleming nicht geleistet. Zwölf Prozent seines Umsatzes macht Kmart mit Lebensmitteln, nun bleiben die Regale leer.

          Enron-Pleite führt zur Zahlungsunfähigkeit

          Der Lieferstopp war jedoch nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit gut zehn Jahren schon wackelt Kmart, teilweise wegen eigener Fehler wie dem drögen Modeangebot oder dem Versäumnis, rechtzeitig PCs und Zubehör in das Sortiment aufzunehmen. Wild entschlossene Konkurrenten wie Wal-Mart und Target mit ihrer größeren Effizienz taten das ihre. Der Preiskampf, den Kmart-Manager Mark S. Schwartz im vergangenen Jahr mit Wal-Mart anzettelte, ging auf Kosten von Kmart. Während der Verlierer im Weihnachtsgeschäft Umsatz einbüßte, steigerte Wal-Mart seinen Umsatz um acht Prozent.

          Die Enron-Pleite vergrößerte noch die Schwierigkeiten von Kmart. Wie Enron hatte sich auch Kmart mit Bürgschaftsscheinen gegen Zahlungsausfälle in die betriebliche Rentenversicherung und Folgekosten aus der Haftung für Waffen- und Alkoholverkauf abgesichert. Die Versicherungsbranche, die diese Bürgschaftsscheine anbietet, erhöhte kräftig die Preise, nachdem sie für Enron hatte zahlen müssen. „Das Finanzierungsmodell von Kmart für die Zeit nach Weihnachten hätte funktioniert - wenn nicht Enron die gesamte Finanzbranche das Fürchten gelehrt hätte“, sagte ein Marktbeobachter gegenüber der New York Times. Kmart wurde zahlungsunfähig.

          Kmart am Pranger

          Nun begibt sich Kmart unter Gläubigerschutz. Das ist zwar ein schwerer Schritt, denn das Unternehmen stellt sich selbst an den Pranger und bekennt: „Schaut her, wir können nicht mehr.“ Gleichzeitig ist es aber eine einzigartige Chance für einen Neubeginn. Das Unternehmen begibt sich nicht in ein Konkursverfahren, das würde das endgültige Aus bedeuten. Stattdessen wird ein Reorganisationsverfahren eingeleitet, das der Unternehmensführung die Möglichkeit gibt, die Geschäfte weiterzuführen. In den nächsten 180 Tagen muss sie alle Gläubiger an einen Tisch bringen und mit ihnen gemeinsam einen überzeugenden Restrukturierungsplan entwickeln. Kmart wird bei dieser Gelegenheit mehr als 250 seiner 2.100 Läden schließen, erwarten Analysten des amerikanischen Einzelhandels. Gelingt es den Managern, das Einverständnis der entscheidenden Gläubiger zu gewinnen, legen sie den Plan dem Konkursgericht vor. Wenn das Gericht ihn ebenfalls akzeptiert, ist Kmart schuldenfrei und kann neu anfangen.

          Besser als Konkurs

          „Dieses Verfahren hat für alle Vorteile, für die Gläubiger genauso wie für die Schuldner“, sagt Professor Hanno Merkt, Experte für internationales Wirtschaftsrecht an der Bucerius Law School in Hamburg. Ein Dominoeffekt von Firmenzusammenbrüchen, vor allem der Zulieferer, werde vermieden.

          Der Lebensmittelgrossist Fleming wäre von einem Konkurs seines Großkunden stark betroffen gewesen: 27 Prozent seines Umsatzes macht Fleming mit Kmart. Drei Lagerhäuser wurden zusätzlich errichtet, um Kmart zu bedienen. Ein Teilverzicht auf die angelaufenen Schulden ist für den Gläubiger Fleming immer noch leichter, als Kmart ganz zu verlieren.

          Kmart bekommt also noch einmal eine Chance. Eine schlankere und effizientere Struktur sollte das Ergebnis des Restrukturierungsplans sein. Vielleicht muss dann auch die Konkurrenz wieder mit Kmart rechnen. Wal-Mart allerdings ist inzwischen fünfmal so groß wie Kmart und in sicherem Abstand zu allen Mitbewerbern. Und die Aufgabe, das Restukturierungsverfahren zum Erfolg zu führen, steht Kmart noch bevor. Gelingt das nicht, kommt eben doch der Konkurs.

          Quelle: @juma

          Weitere Themen

          Innovations-Hotspot Taiwan Video-Seite öffnen

          Technik der Zukunft : Innovations-Hotspot Taiwan

          High-Tech-Produkte haben Taiwan reich gemacht. Hier gebaute Computer, Laptops und Smartphones werden auf der ganzen Welt genutzt. Die neue Generation von Startups entwickelt nun die Technik von morgen: Software-Produkte, Apps, künstliche Intelligenz.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz im Bundestag

          Umfrage : Große Koalition gewinnt an Zustimmung

          Eine große Koalition aus Union und SPD findet Umfragen zufolge deutlich mehr Zustimmung bei den Deutschen als noch vor einer Woche. Am Freitag entscheidet die SPD-Führung, ob sie Sondierungen aufnehmen möchte.

          Brexit-Veto : Ein erster Sieg im Rückzugsgefecht

          Nach Mays Niederlage im Parlament keimt nun bei vielen die Hoffnung auf, dass die Regierung gezwungen sein könnte, in Brüssel einen „weicheren“ Brexit zu verhandeln. Ein Rennen gegen die Zeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.