Home
http://www.faz.net/-gqe-37jq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Einzelhandel Kmart droht die Pleite

Kmart ist der drittgrößte amerikanische Einzelhändler - und Kmart ist insolvent. Daran ist nicht zuletzt die Enron-Pleite schuld.

© AP Zuwenig los bei Kmart

Wal-Mart, die Einzelhandelskette, die sich mit einer aggressiven Preispolitik auf dem deutschen Markt etabliert hat, ist hierzulande bekannt. Weniger bekannt ist Kmart, bis vor kurzem zweitgrößter Einzelhändler der USA, nun auf Platz drei der Rangliste, hinter Wal-Mart und Target. Die Verdrängung von Platz zwei ist für Kmart halb so schlimm - dramatischer ist die finanzielle Situation des Unternehmens. Am Dienstag stellte Kmart Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts.

Das ist der größte Bankrott im Einzelhandel in der Geschichte der USA. Unabwendbar wurde die Pleite, als am Montag der einzige Lebensmittellieferant von Kmart, Fleming, seine Lieferungen einstellte. Grund: Die Handelskette hatte ihre regelmäßige wöchentliche Zahlung von 78 Millionen Dollar an Fleming nicht geleistet. Zwölf Prozent seines Umsatzes macht Kmart mit Lebensmitteln, nun bleiben die Regale leer.

Enron-Pleite führt zur Zahlungsunfähigkeit

Der Lieferstopp war jedoch nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit gut zehn Jahren schon wackelt Kmart, teilweise wegen eigener Fehler wie dem drögen Modeangebot oder dem Versäumnis, rechtzeitig PCs und Zubehör in das Sortiment aufzunehmen. Wild entschlossene Konkurrenten wie Wal-Mart und Target mit ihrer größeren Effizienz taten das ihre. Der Preiskampf, den Kmart-Manager Mark S. Schwartz im vergangenen Jahr mit Wal-Mart anzettelte, ging auf Kosten von Kmart. Während der Verlierer im Weihnachtsgeschäft Umsatz einbüßte, steigerte Wal-Mart seinen Umsatz um acht Prozent.

Die Enron-Pleite vergrößerte noch die Schwierigkeiten von Kmart. Wie Enron hatte sich auch Kmart mit Bürgschaftsscheinen gegen Zahlungsausfälle in die betriebliche Rentenversicherung und Folgekosten aus der Haftung für Waffen- und Alkoholverkauf abgesichert. Die Versicherungsbranche, die diese Bürgschaftsscheine anbietet, erhöhte kräftig die Preise, nachdem sie für Enron hatte zahlen müssen. „Das Finanzierungsmodell von Kmart für die Zeit nach Weihnachten hätte funktioniert - wenn nicht Enron die gesamte Finanzbranche das Fürchten gelehrt hätte“, sagte ein Marktbeobachter gegenüber der New York Times. Kmart wurde zahlungsunfähig.

Kmart am Pranger

Nun begibt sich Kmart unter Gläubigerschutz. Das ist zwar ein schwerer Schritt, denn das Unternehmen stellt sich selbst an den Pranger und bekennt: „Schaut her, wir können nicht mehr.“ Gleichzeitig ist es aber eine einzigartige Chance für einen Neubeginn. Das Unternehmen begibt sich nicht in ein Konkursverfahren, das würde das endgültige Aus bedeuten. Stattdessen wird ein Reorganisationsverfahren eingeleitet, das der Unternehmensführung die Möglichkeit gibt, die Geschäfte weiterzuführen. In den nächsten 180 Tagen muss sie alle Gläubiger an einen Tisch bringen und mit ihnen gemeinsam einen überzeugenden Restrukturierungsplan entwickeln. Kmart wird bei dieser Gelegenheit mehr als 250 seiner 2.100 Läden schließen, erwarten Analysten des amerikanischen Einzelhandels. Gelingt es den Managern, das Einverständnis der entscheidenden Gläubiger zu gewinnen, legen sie den Plan dem Konkursgericht vor. Wenn das Gericht ihn ebenfalls akzeptiert, ist Kmart schuldenfrei und kann neu anfangen.

Besser als Konkurs

„Dieses Verfahren hat für alle Vorteile, für die Gläubiger genauso wie für die Schuldner“, sagt Professor Hanno Merkt, Experte für internationales Wirtschaftsrecht an der Bucerius Law School in Hamburg. Ein Dominoeffekt von Firmenzusammenbrüchen, vor allem der Zulieferer, werde vermieden.

Der Lebensmittelgrossist Fleming wäre von einem Konkurs seines Großkunden stark betroffen gewesen: 27 Prozent seines Umsatzes macht Fleming mit Kmart. Drei Lagerhäuser wurden zusätzlich errichtet, um Kmart zu bedienen. Ein Teilverzicht auf die angelaufenen Schulden ist für den Gläubiger Fleming immer noch leichter, als Kmart ganz zu verlieren.

Kmart bekommt also noch einmal eine Chance. Eine schlankere und effizientere Struktur sollte das Ergebnis des Restrukturierungsplans sein. Vielleicht muss dann auch die Konkurrenz wieder mit Kmart rechnen. Wal-Mart allerdings ist inzwischen fünfmal so groß wie Kmart und in sicherem Abstand zu allen Mitbewerbern. Und die Aufgabe, das Restukturierungsverfahren zum Erfolg zu führen, steht Kmart noch bevor. Gelingt das nicht, kommt eben doch der Konkurs.

Quelle: @juma

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wie geht es der Weltwirtschaft, Herr Mayer? Missbrauch des IWF

Die Euroländer möchten, dass sich der Internationale Währungsfonds weiter an der Griechenland-Rettung beteiligt. Das ist ein starkes Stück! Mehr Von Thomas Mayer

22.08.2015, 16:24 Uhr | Wirtschaft
Schuldenstreit Merkel: Griechenland sollte Angebot der drei Institutionen annehmen

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das Angebot der Gläubiger an die griechische Regierung für eine Einigung im Schuldenstreit außerordentlich großzügig". Mehr

26.06.2015, 16:46 Uhr | Wirtschaft
Einzelhandelsumsatz Die Deutschen kaufen mehr ein

Deutschlands Einzelhändler haben im Juli einen kräftigen Umsatzzuwachs geschafft. Die Deutschen sind in Kauflaune. Mehr

31.08.2015, 08:43 Uhr | Wirtschaft
Schuldenkrise Varoufakis will bei "Ja" in griechischem Referendum zurücktreten

Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis hat seinen Rücktritt angekündigt, falls die Bürger am Sonntag in dem Referendum für die Vorschläge der internationalen Gläubiger stimmen. Mehr

02.07.2015, 14:28 Uhr | Politik
Mode-Messe Bread & Butter macht Flüchtlingen Platz

Die Modemesse Bread & Butter räumt (fast) freiwillig den Berliner Tempelhof für Flüchtlinge. Die Mode-Ausstellung steht schon seit langem unter keinem guten Stern. Mehr Von Jennifer Wiebking

04.09.2015, 17:26 Uhr | Stil

Veröffentlicht: 22.01.2002, 16:27 Uhr

Co wie?

Von Gerald Braunberger

Bayer will seine Kunststoffsparte noch in diesem Jahr unter dem Namen „Covestro“ an die Börse bringen. Was hat das Unternehmen für Anleger zu bieten? Mehr 2 0

Umfrage

Wolfgang Schäuble will das Betreuungsgeld nicht in die Kitas stecken. Was meinen Sie?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Im Winter wird weniger mit dem LKW transportiert

Immer mehr Lastwagen fahren auf deutschen Straßen. Aber der Güterverkehr unterliegt einer jahreszeitlichen Schwankung. Mehr 0