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Einzelhandel : Kmart droht die Pleite

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Zuwenig los bei Kmart Bild: AP

Kmart ist der drittgrößte amerikanische Einzelhändler - und Kmart ist insolvent. Daran ist nicht zuletzt die Enron-Pleite schuld.

          Wal-Mart, die Einzelhandelskette, die sich mit einer aggressiven Preispolitik auf dem deutschen Markt etabliert hat, ist hierzulande bekannt. Weniger bekannt ist Kmart, bis vor kurzem zweitgrößter Einzelhändler der USA, nun auf Platz drei der Rangliste, hinter Wal-Mart und Target. Die Verdrängung von Platz zwei ist für Kmart halb so schlimm - dramatischer ist die finanzielle Situation des Unternehmens. Am Dienstag stellte Kmart Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts.

          Das ist der größte Bankrott im Einzelhandel in der Geschichte der USA. Unabwendbar wurde die Pleite, als am Montag der einzige Lebensmittellieferant von Kmart, Fleming, seine Lieferungen einstellte. Grund: Die Handelskette hatte ihre regelmäßige wöchentliche Zahlung von 78 Millionen Dollar an Fleming nicht geleistet. Zwölf Prozent seines Umsatzes macht Kmart mit Lebensmitteln, nun bleiben die Regale leer.

          Enron-Pleite führt zur Zahlungsunfähigkeit

          Der Lieferstopp war jedoch nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Seit gut zehn Jahren schon wackelt Kmart, teilweise wegen eigener Fehler wie dem drögen Modeangebot oder dem Versäumnis, rechtzeitig PCs und Zubehör in das Sortiment aufzunehmen. Wild entschlossene Konkurrenten wie Wal-Mart und Target mit ihrer größeren Effizienz taten das ihre. Der Preiskampf, den Kmart-Manager Mark S. Schwartz im vergangenen Jahr mit Wal-Mart anzettelte, ging auf Kosten von Kmart. Während der Verlierer im Weihnachtsgeschäft Umsatz einbüßte, steigerte Wal-Mart seinen Umsatz um acht Prozent.

          Die Enron-Pleite vergrößerte noch die Schwierigkeiten von Kmart. Wie Enron hatte sich auch Kmart mit Bürgschaftsscheinen gegen Zahlungsausfälle in die betriebliche Rentenversicherung und Folgekosten aus der Haftung für Waffen- und Alkoholverkauf abgesichert. Die Versicherungsbranche, die diese Bürgschaftsscheine anbietet, erhöhte kräftig die Preise, nachdem sie für Enron hatte zahlen müssen. „Das Finanzierungsmodell von Kmart für die Zeit nach Weihnachten hätte funktioniert - wenn nicht Enron die gesamte Finanzbranche das Fürchten gelehrt hätte“, sagte ein Marktbeobachter gegenüber der New York Times. Kmart wurde zahlungsunfähig.

          Kmart am Pranger

          Nun begibt sich Kmart unter Gläubigerschutz. Das ist zwar ein schwerer Schritt, denn das Unternehmen stellt sich selbst an den Pranger und bekennt: „Schaut her, wir können nicht mehr.“ Gleichzeitig ist es aber eine einzigartige Chance für einen Neubeginn. Das Unternehmen begibt sich nicht in ein Konkursverfahren, das würde das endgültige Aus bedeuten. Stattdessen wird ein Reorganisationsverfahren eingeleitet, das der Unternehmensführung die Möglichkeit gibt, die Geschäfte weiterzuführen. In den nächsten 180 Tagen muss sie alle Gläubiger an einen Tisch bringen und mit ihnen gemeinsam einen überzeugenden Restrukturierungsplan entwickeln. Kmart wird bei dieser Gelegenheit mehr als 250 seiner 2.100 Läden schließen, erwarten Analysten des amerikanischen Einzelhandels. Gelingt es den Managern, das Einverständnis der entscheidenden Gläubiger zu gewinnen, legen sie den Plan dem Konkursgericht vor. Wenn das Gericht ihn ebenfalls akzeptiert, ist Kmart schuldenfrei und kann neu anfangen.

          Besser als Konkurs

          „Dieses Verfahren hat für alle Vorteile, für die Gläubiger genauso wie für die Schuldner“, sagt Professor Hanno Merkt, Experte für internationales Wirtschaftsrecht an der Bucerius Law School in Hamburg. Ein Dominoeffekt von Firmenzusammenbrüchen, vor allem der Zulieferer, werde vermieden.

          Der Lebensmittelgrossist Fleming wäre von einem Konkurs seines Großkunden stark betroffen gewesen: 27 Prozent seines Umsatzes macht Fleming mit Kmart. Drei Lagerhäuser wurden zusätzlich errichtet, um Kmart zu bedienen. Ein Teilverzicht auf die angelaufenen Schulden ist für den Gläubiger Fleming immer noch leichter, als Kmart ganz zu verlieren.

          Kmart bekommt also noch einmal eine Chance. Eine schlankere und effizientere Struktur sollte das Ergebnis des Restrukturierungsplans sein. Vielleicht muss dann auch die Konkurrenz wieder mit Kmart rechnen. Wal-Mart allerdings ist inzwischen fünfmal so groß wie Kmart und in sicherem Abstand zu allen Mitbewerbern. Und die Aufgabe, das Restukturierungsverfahren zum Erfolg zu führen, steht Kmart noch bevor. Gelingt das nicht, kommt eben doch der Konkurs.

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