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Einzelhandel Hoffen auf die Spätentschlossenen

21.12.2011 ·  Es wäre schmerzlich für den Einzelhandel, wenn ihm ausgerechnet in der Weihnachtssaison die Luft ausginge. Deren Bilanz wird ein Indiz dafür sein, was die Branche im nächsten Jahr erwartet.

Von Brigitte Koch
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In den nächsten Tagen entscheidet sich die Qualität des diesjährigen Jahrganges: Im Einzelhandel hat der Schlussspurt begonnen. Einen Einkaufstag mehr als im Vorjahr hat die heiße Phase der diesjährigen Weihnachtssaison zu bieten. Das lässt noch Raum zum Aufholen. Denn nach der Erfahrung der vergangenen Jahre brechen die Menschen immer später zum Geschenke kaufen auf, verschieben sich die Umsatzspitzen immer mehr in Richtung der Festtage. Von Last-Minute-Weihnachten ist inzwischen schon die Rede.

Nach den vier Adventswochen sieht es ganz so aus, als müssten die Einzelhändler noch eine ordentliche Schippe drauflegen, wollten sie die gesteckten Umsatzziele für dieses Jahr tatsächlich erreichen. Denn der Auftakt fiel arg verhalten aus, die Zwischenbilanz war gemischt, und in der Woche vor dem vierten Advent war lediglich von einer leichten Steigerung gegenüber den beiden vorausgegangenen Wochen die Rede. Kurz: Was in den zurückliegenden Wochen aus der Branche zu hören ist, klingt schon ein wenig nach Geschenkverdruss. Wir schenken uns nichts, wir gehen lieber schön essen, bei uns werden nur die Kinder bedacht. Auch solche Aussprüche sind in diesen Tagen vielfach, vielleicht sogar vermehrt im Freundes- und Bekanntenkreis zu hören.

Jedes vierte Geschenk besteht aus Bargeld oder Gutscheinen

Der Spitzenverband der Branche HDE hatte für das Weihnachtsgeschäft einen Mehrumsatz von rund 1,5 Prozent vorhergesagt. Dazu müssten in den Monaten November und Dezember insgesamt rund 78 Milliarden Euro in die Kassen der Handelsunternehmen fließen. Die Geschäftsleute können bei ihrem Kassensturz allerdings nicht nur auf die Spätentschlossenen hoffen, die sich bis wenige Stunden vor der Bescherung Zeit lassen. Auch die Tage zwischen Weihnachten und Silvester, die in diesem Jahr fast ein Optimum an Ladenöffnungszeit bieten, sind üblicherweise von drangvoller Enge in den Innenstädten und lebhaften Umsätzen geprägt. Zumal dann noch mehr Schnäppchenpreise winken, als dies jetzt schon - zum Leidwesen der Geschäftsleute und zur Freude der Kunden - speziell im Bekleidungshandel der Fall ist.

Wer seinen Resturlaub daheim verbringt, hat nach dem Fest nicht nur mehr Muße zum Einkaufsbummel als vor dem Fest. Er hat womöglich auch wieder den einen oder anderen frischen Geldschein im Portemonnaie: Rund ein Viertel der unter dem Weihnachtsbaum liegenden Geschenke entfällt inzwischen auf Bargeld und Gutscheine.

Douglas sieht sich auf Kurs

Ob das diesjährige Weihnachtsgeschäft als Erfolg oder Flop verbucht werden kann, ist realistisch also erst im Januar zu beurteilen. Der stark auf gängige Geschenke wie Düfte, Bücher oder Schmuck konzentrierte Douglas-Konzern präsentiert in wenigen Wochen parallel zu seiner Bilanz auch einen ersten Überblick auf das Jahresschlussquartal, das für das Hagener Unternehmen zugleich der Auftakt des neuen bis Ende September laufenden Geschäftsjahres ist. Bisher sieht sich das Unternehmen gut auf Kurs. Böse Überraschungen zeichnen sich offenbar nicht ab.

Gespannt sein darf man indes auf den für Mitte Januar angekündigten ersten Umsatzrückblick des Handelsriesen Metro. Der Konzern hatte das diesjährige Weihnachtsgeschäft überraschend früh abgeschrieben und sogar Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr gekappt, allerdings mehr wegen der schleppenden Geschäfte in anderen von der Finanzkrise gebeutelten Ländern Europas.

Das Online-Geschäft blüht.

Vergleichsweise am besten dürfte die Weihnachtsbilanz bei den Unternehmen ausfallen, die es beizeiten geschafft haben, ihr Geschäft intelligent mit dem Online-Handel zu verzahnen. Das Online-Geschäft blüht. Auch im diesjährigen Weihnachtsgeschäft ist es der Wachstumsmotor schlechthin, wenngleich der Anteil am Gesamtumsatz noch immer recht gering ist.

Es wäre für den drittgrößten Wirtschaftszweig schmerzlich, wenn ausgerechnet auf der Zielgeraden die Luft ausginge. Denn bis einschließlich Oktober hat der gesamte Einzelhandel ein Umsatzwachstum von 2,5 Prozent verzeichnet. Das mag für Außenstehende wenig beeindruckend klingen. Für den Einzelhandel ist das ein sehr ansehnlicher Erfolg. So war die Stimmung im Kreise der rund 400.000 deutschen Einzelhändler zumindest bis zum Herbst so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Denn die Deutschen haben noch nie so viel Geld im Einzelhandel gelassen wie im bisherigen Jahresverlauf. Rückenwind für die gute Kauflaune gab es dabei von der vergleichsweise entspannten Lage am Arbeitsmarkt und höheren Abschlüssen in den Tarifrunden.

Die Branche darf hoffen

Die Bilanz des Weihnachtsgeschäftes wird ein Indiz dafür sein, ob der Schwung auch ins kommende Jahr hinein trägt. Die Statistiker des HDE wagen noch keine Prognosen für 2012. Denn es ist nicht abzusehen, ob die Schuldenkrise auch hierzulande das Verbrauchervertrauen trüben und die Anschaffungsfreude verderben wird. Bleibt der Arbeitsmarkt robust? Kann die exportorientierte deutsche Wirtschaft weiterhin neue Arbeitsplätze schaffen und mehr Menschen in Lohn und Arbeit bringen, oder muss sie wieder auf die Bremse treten? An der Antwort hängen Wohl oder Wehe des Handels. Noch scheint das Konsumklima bis ins neue Jahr hinein stabil zu bleiben. Die Branche darf hoffen.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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