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Einzelhandel Einigung bei Karstadt-Quelle: In „Sieben-Meilen-Schritten“ voran

14.10.2004 ·  Die Gewerkschaft Verdi und der Vorstand von Karstadt-Quelle haben sich auf harte Einschnitte und Einsparungen in Höhe von 760 Millionen Euro geeinigt. Betriebsbedingte Kündigungen werden wohl vermieden.

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Die wochenlange Zitterpartie für die 100.000 Arbeitnehmer von Karstadt-Quelle ist mit einem Beschäftigungspakt beendet worden: Zwar müssen sie sich in den nächsten drei Jahren mit empfindlichen Lohneinbußen abfinden; außerdem werden im Konzern 5500 Stellen gestrichen. Die Gefahr betriebsbedingter Kündigungen ist aber weitgehend gebannt.

Die Gewerkschaft Verdi, der Betriebsrat sowie der Konzernvorstand einigten sich am Donnerstag nach einem rund 29stündigen Verhandlungsmarathon in Essen auf ein Sanierungspaket, das sowohl weitgehende Sicherheit für die Beschäftigten als auch das von Konzernchef Christoph Achenbach angestrebte Einsparvolumen von 760 Millionen Euro bringt.

Kapitalerhöhung gesichert

Damit wurde zugleich die wichtigste Voraussetzung für die anderen Bausteine in Achenbachs Sanierungsplan geschaffen. Der Aufsichtsrat der Karstadt-Quelle AG stellte unmittelbar nach der Einigung mit der Arbeitnehmerseite die Weichen für die Kapitalerhöhung in Höhe von 500 Millionen Euro, die am 22. November von einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen werden soll. Auch die dringend benötigte Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von insgesamt 1,75 Milliarden Euro dürfte damit gesichert sein. Zwar stellen sich nach Informationen aus Bankenkreisen mit der Nord/LB und der AK-Bank noch zwei Institute quer; sie stehen nach diesen Informationen aber nur für einen sehr kleinen Anteil an dem gesamten Volumen.

Die Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmerseite und Vorstand sehen im einzelnen folgende Eckpunkte vor: Betriebsbedingte Kündigungen sollen nach Zusage des Managements vermieden werden. Der Abbau der 5500 Stellen - 4000 in der Warenhaussparte sowie 1500 im Versandhandel zumeist in der Verwaltung - soll auf dem Weg der Fluktuation erreicht werden. Die Zahl der Verkäufer soll eher noch erhöht werden. Für zumindest 67 der 77 zur Disposition stehenden kleineren Warenhäuser sei zudem eine Standortsicherung erreicht worden, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Franziska Wiethold. Nach Achenbachs Planung sollen die 77 Häuser in Kürze in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert und in drei Jahren verkauft werden.

Einkommenseinschnitte - „die bitterste Pille“

Auf der Einkommensseite kommen auf die Beschäftigten allerdings mindestens drei harte Jahre zu: So lange sollen Tariferhöhungen nicht ausgezahlt, sondern gestundet werden. Eine mögliche Nachzahlung soll an eine eventuelle Dividende der Karstadt-Quelle AG gekoppelt werden. Dieser Punkt war für die Arbeitnehmerseite nach Wietholds Worten „die bitterste Pille“. Außerdem sollen übertarifliche Zulagen abgebaut werden.

Die „schmerzhaften Einschnitte“ haben sich nach Einschätzung Wietholds aber gelohnt: „Ich glaube, daß heute über 100.000 Menschen, Beschäftigte bei Karstadt, Quelle, Neckermann und ihre Familien sehr erleichtert sein werden, wenn sie erfahren werden, daß es gelungen ist, diesen Beschäftigungspakt zu schließen.“

Nach Einschätzung Achenbachs ist mit dem Beschäftigungspakt „jetzt ein Sieben-Meilen-Schritt im Sanierungsprogramm geschafft“ worden. Für die Umsetzung des vor knapp drei Wochen präsentierten Sanierungsprogramms stünden „die Ampeln jetzt auf Grün“.

Achenbach hatte mit seinen ursprünglichen Plänen für heftige Proteste in der Belegschaft und massiven Widerstand seitens Verdi gesorgt. Der zentrale Vorwurf: Der Karstadt-Quelle-Chef habe auf Druck der Banken und Aktionäre ein Sanierungsprogramm präsentiert, das einseitig zu Lasten der Arbeitnehmer gegangen wäre. Die ursprünglichen Forderungen der Arbeitgeberseite hätten beispielsweise zu Tarifeinschnitten in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent geführt. Außerdem wollte das Management auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen.

Verhandlungen „in einem fortgeschrittenen Stadium“

Bei der Kapitalerhöhung sollen gut 93 Millionen Aktien ausgegeben werden. Für acht alte können sieben neue Aktien bezogen werden. Bislang haben nach Angaben von KarstadtQuelle nur die Großaktionäre Allianz/Dresdner (10,5 Prozent) sowie die Schickedanz-Gruppe (rund 41,5 Prozent) zugesagt, die Kapitalerhöhung mitzumachen. Nach Informationen aus Bankenkreisen soll die Kapitalerhöhung im Notfall aber auch dann gesichert sein, wenn sich die anderen Aktionäre nicht beteiligen. Voraussetzung ist allerdings, daß die erwartete Kreditzusage über 1,75 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren tatsächlich zustande kommt. „Die Verhandlungen zwischen der Gesellschaft und den kreditgebenden Banken sind konstruktiv und befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium“, teilte Karstadt-Quelle mit.

Der erstrebte Emissionserlös von mindestens 500 Millionen Euro kommt dann zustande, wenn der endgültige Bezugspreis mindestens bei 5,38 Euro je Aktie liegt. Am Donnerstag notierte die Karstadt-Quelle- Aktie zum Handelsschluß nach einer Berg- und Talfahrt bei 11,68 Euro.

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Von Heike Göbel

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