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Veröffentlicht: 23.12.2012, 11:14 Uhr

Einkaufen im Advent Weihnachtsmahl ohne Qual der Wahl

Das Fest kann kommen: Nach dem Einkauf im Kochhaus werden auch talentfreie Gelegenheitsköche im Handumdrehen zu Helden am Herd. Zeit und Nerven sparen sie obendrein.

von , Hamburg
© Mutter, Anna Ramin Goo

Was koch’ ich nur zu Weihnachten? Je näher das Fest der Liebe rückt, desto dringlicher wird die Frage. Zwischen Geschenkeinkauf, Weihnachtsbaumsuche und besinnlichen Stunden in den Warteschlangen der Post fehlt allerdings oft die Muße, sich ein besonderes Mahl für die Feiertage auszudenken. Der schnelle Blick ins Rezeptbuch macht die Sache nicht einfacher: Schier endlos scheint die Auswahl. Ringt man sich schließlich eine Entscheidung ab, folgt der schlimmste Teil: der Einkauf. Der Andrang in den Supermärkten ist fast so groß wie an den Glühweinständen. Und die Suche nach den Zutaten wird nicht selten zu einer nervtötenden Odyssee - insbesondere dann, wenn auch noch mehr oder minder exotische Ingredienzien auf dem Einkaufszettel stehen. Gibt es Safranfäden überhaupt bei Edeka? Und wenn ja, wie viele braucht man für das Rezept?

Johannes Ritter Folgen:

Wer das Kochhaus im Hamburger Stadtteil Ottensen betritt, muss sich um derlei Fragen nicht kümmern. Der grau gestrichene Laden in der Bahrenfelder Straße sieht auf den ersten Blick aus wie ein Feinkostgeschäft - und ist es auch. Aber zugleich viel mehr als das: Die Lebensmittel sind hier nach Rezepten sortiert. Der Kunde wandelt gewissermaßen durch ein Kochbuch mit 18 Gerichten. Jede einzelne Mahlzeit wird auf einem separaten Tisch präsentiert. Darauf steht ein Schild, das die Speise in ihrer appetitlichen Zielform zeigt. Darunter und in den daneben stehenden kleinen Kühlschränken finden sich alle benötigten Zutaten. Auf Flyern ist in Text und Bild ausführlich und verständlich beschrieben, wie sie sich zu einem wohlschmeckenden Ganzen zusammenfügen lässt. Wer möchte, kann sogar der jeweiligen Weinempfehlung folgen.

„Da bekomme ich richtig Lust zum Kochen“

Es ist Mittwochnachmittag, der von Lounge-Musik angenehm leise beschallte Laden ist gut gefüllt. Eine junge Frau steht an einem Tisch und beginnt, Paprikaschoten, Pilze, Frühlingszwiebeln und allerlei anderes Gewächs in ihren Einkaufskorb zu packen. Das Ganze soll später zu einem Nudelgericht verschmelzen: schwarze Tagliolini in Paprikaschaumsoße mit gebratenen Kräutersaitlingen (5,70 Euro je Person). Die Frau entpuppt sich als begeisterte Stammkundin. „Die Gerichte hier haben Pfiff. Sie lassen sich schnell kochen und sind doch raffiniert, weil oft ungewöhnliche Zutaten dabei sind“, sagt sie. Dazu zeigt sie auf die Nachbartische, wo Schweinefilet mit Pak Choi und Steinpilz-Risotto mit Berberitzen kombiniert werden. „Dafür müsste ich sonst in drei verschiedene Läden laufen“, sagt sie. Eine andere Kundin hebt die anregende Wirkung der präsentierten Rezepte hervor: „Da bekomme ich richtig Lust zum Kochen. Und am Ende bleiben keine Zutaten übrig und verschimmeln im Schrank, weil ich eben portionsgerecht einkaufen kann.“

 Ramin Goo - der Geschäftsführer und Gründer der Kochhaus GmbH in Hamburg führt Johannes Ritter durch das Kochhaus in Ottensen, das passgenau die Zutaten für Menüs zum Selberkochen bereithält. © Mutter, Anna Vergrößern Kundin im Kochhaus

Der Erfinder dieses Konzepts ist Ramin Goo. Der 31 Jahre alte Betriebswirt, dessen Vater chinesischer Abstammung ist, gab seine Stelle bei der Unternehmensberatung McKinsey auf und gründete vor zwei Jahren gemeinsam mit zwei Partnern die Kochhaus GmbH in Berlin. Der Anfang war schwer. Es dauerte ein Jahr, bis die drei das nötige Startkapital beisammen hatten. Privatinvestoren halfen aus, nachdem alle Banken abgewinkt hatten. 2010 eröffneten sie den ersten Laden in Berlin-Schöneberg. Goo stand selbst hinter dem Tresen - und war sehr nervös, wie er berichtet. „Die drei Nächte vor der Eröffnung habe ich kaum geschlafen.“ Doch die Kunden kamen und kauften mehr als erwartet. „Bisher haben wir all unsere Geschäftspläne übertroffen.“ Inzwischen gibt es sechs Kochhäuser, zwei in Berlin und vier in Hamburg. Die Läden seien für sich betrachtet allesamt profitabel, sagt Goo. Aber wegen der Investitions- und Vorlaufkosten mache das Unternehmen in diesem Jahr bei einem Umsatz von rund 3 Millionen Euro noch Verlust. Das soll sich aber bald ändern. Goo will Größenvorteile nutzen und die Zahl der Filialen binnen zwei Jahren verdoppeln: München, Frankfurt, Düsseldorf hat er im Visier, aber auch kleinere Städte wie Wiesbaden, Freiburg und Bonn. Der limitierende Faktor sei vor allem die Verfügbarkeit geeigneter Standorte. Den Kapitalbedarf will Goo durch die Hereinnahme von Franchisepartnern im Zaum halten.

Ideen von sieben Profiköchen

Aber muss er nicht befürchten, dass ein kapitalkräftigerer Nachahmer auf den Zug aufspringt und Kochhaus das Wasser abgräbt? Im Internet gibt es schon Wettbewerber wie die von den Samwer-Brüdern ins Leben gerufene Firma Hello Fresh, die rezeptgetreu Lebensmittel ausliefert. Goo sieht das gelassen. „Hello Fresh fehlen die Läden“, sagt er und hebt die hohe Kundenbindung hervor, die der physische Einkauf im Geschäft schaffe. Außerdem könnten Kochhaus-Kunden auch im Internet bestellen und sich die Zutaten nach Hause bringen lassen.

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Am Ende steht und fällt das Konzept freilich mit der Attraktivität der angebotenen Gerichte. Kochhaus greift dabei auf die Ideen von sieben Profiköchen zurück, die jede Woche drei neue Rezepte liefern. Zu Weihnachten haben sie sich natürlich etwas Besonders einfallen lassen, geschmorte Entenkeule auf Ofenfenchel mit getrockneten Tomaten und Orangen-Safran-Jus. Der Hauptgang dürfte bis Heiligabend insgesamt tausend Mal verkauft werden, schätzt Goo. Im Selbstversuch gelingt das Entchen fast wie von allein. So wird ein talentfreier Gelegenheitskoch zum gefeierten Küchenheld. Und was gibt es zu Silvester? Ricotta-Pecorino-Flan mit Balsamico-Tomaten, gebratenen Lachs in Passionsfrucht-Tomaten-Fond mit Olivenstampf, karamellisiertes Quarkgratin mit Granatapfelkernen. Guten Appetit!

Quelle: F.A.Z.

 

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