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Ein kleines Vermögen „Bargeld sofort“ für Omas Goldschmuck

19.01.2010 ·  Viele Kleinanleger nutzen den hohen Goldpreis, um ihre privaten Vorräte zu verkaufen. Vom Barren bis zum Zahn wird alles eingetauscht. Dabei unterscheiden sich die Preise je nach Käufer stark. Und oft fehlt es an Transparenz.

Von Friederike Haupt
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Selten waren sich ein Multimilliardär und ein junges Mädchen so einig: "Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles", sprach schon Gretchen in Goethes "Faust" - und später auch Dagobert Duck. Der hortet zwar wenig weise sein ganzes Vermögen im Geldspeicher, hat aber immerhin auch einen beträchtlichen Vorrat von Goldbarren im Tresor. Kleinere Mengen finden sich auch in vielen deutschen Haushalten - ob in Form von altem Schmuck, als Barren oder Münzen wie dem südafrikanischen Krügerrand. Dass der Goldpreis an der Börse seit Monaten steigt, bringt Bewegung in den Markt: Einerseits kaufen viele aus Angst vor Inflation und Bankeninsolvenzen Gold, um einen sicheren Wert zu besitzen. Vor allem Kleinanleger versuchen aber derzeit, das Preishoch zu nutzen und ihr Gold gewinnbringend loszuwerden. Das Interesse daran sei sprunghaft angestiegen, teilte der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) bereits im November mit. "Die Juweliere verzeichnen vor allem in den letzten Wochen einen spürbaren Anstieg der Kundenanfragen."

Das bestätigt der "Goldankauf Zeil", der nach eigenem Bekunden "größte und älteste Goldankauf in Frankfurt". Die Geschäfte laufen gut: "Es kommen mehr Leute als noch vor einem Jahr", sagt Mitarbeiterin Sabrina Kirchgessner. "Die Menschen haben das mit dem Goldpreis mitgekriegt und bringen uns alles, was sie zu Hause finden." Schmuck ("vor allem aus den sechziger und siebziger Jahren, den heute niemand mehr tragen will"), Goldmünzen und -barren, aber auch Besteck und Zahngold legen ihr die Kunden vor. Dabei lockt viele das "Bargeld sofort"-Schild vor dem Eingang.

Gerade blättert Kirchgessner einem älteren Mann in dunklem Mantel 650 Euro hin. Einen 500-Euro-Schein will er nicht: "Den wird man ja nie wieder los." Stattdessen eilt er mit Hundertern aus der Tür - zwei Goldmünzen hat er eingetauscht. Wie viel die Ware wert ist, schätzen die Mitarbeiter des Goldankaufs sofort vor Ort und machen dem Anbieter ein Angebot. "Manchmal sind es nur zehn oder zwanzig Euro, manchmal aber auch fünftausend", sagt Kirchgessner. Nimmt der Kunde das Angebot an, erhält er sofort Bargeld. Das erworbene Gold verkauft der Goldankauf dann an eine Scheideanstalt, also einen Edelmetallgroßhändler. So machen es auch viele Juweliere, die neben Neuware die Möglichkeit bieten, altes Gold in Zahlung zu geben.

Die Preise macht der Käufer

Dabei unterscheiden sich die Preise, die dem Kunden pro Gramm oder Unze Feingold gezahlt werden, je nach Käufer stark. Der BVJ mahnt zu "gesunder Skepsis", vor allem im Zusammenhang mit mobilen Ankaufstellen. Auch im Internet versuchen viele, vom Goldrausch zu profitieren. Bei Ebay etwa findet, wer nach dem Krügerrand sucht, mehr als 1000 Angebote. Die Münze, die eine sogenannte Anlagemünze ist und somit nicht wesentlich mehr kostet als das Gold, aus dem sie besteht, enthält genau eine Feinunze Gold (das entspricht 31,1 Gramm). Während an der Börse Mitte Januar eine Feinunze etwa 1130 Dollar (785 Euro) kostete, verlangen viele Händler bei Ebay festgelegte Preise von 900 Euro und mehr. Die Scheideanstalten zahlen im Ankauf nur durchschnittlich 770 Euro.

Auch haben sich schon seit mehreren Jahren mehrere Dutzend Online-Shops auf den An- und Verkauf von Gold spezialisiert. Mit markigen Sprüchen wird um Kunden geworben: "Machen Sie Ihr Gold zu Geld", heißt es etwa beim Anbieter briefgold.de, der noch hinzufügt: "In Zeiten der Wirtschaftskrise ist jeder über zusätzliches Geld dankbar." In einem Werbefilm, der derzeit auch häufig im Fernsehen zu sehen ist, erklärt ein Mann, wie der Kunde an das Geld kommt: Er soll ein "Gold-Kit" bestellen, es mit seinen Goldvorräten füllen und zurückschicken. Daraufhin überweise ihm Briefgold eine Summe; ist er mit dieser zufrieden, sei das Geschäft abgeschlossen. Sei ihm das Geld zu wenig, müsse er eine Rücktrittserklärung abgeben, die Überweisung rückgängig machen und erhalte dann sein eingesandtes Gold zurück. "Briefgold hat mir 473 Euro gezahlt, und ich war überrascht, wie schnell das ging", sagt im Werbefilm eine Frau. Wie viel Gold sie dafür eingeschickt hat, verrät sie allerdings nicht.

Am liebsten Goldbarren

Transparenter wird es für den Kunden, wenn der Anbieter auf seiner Seite angibt, wie viel er pro Gramm Gold zahlen wird. So macht es etwa der Edelmetallhändler Pro Aurum, der auch den aktuellen Goldkurs an der Börse nicht verschweigt. Das Unternehmen, das 2003 mit drei Mitarbeitern startete, hat heute 80 Beschäftigte - und profitiert ebenfalls vom Goldboom. "Wir spüren die Verunsicherung", sagt Karlheinz Jockel, Geschäftsführer der Niederlassung in Bad Homburg. Banken hätten wenig Interesse an dem Geschäft mit Gold, da sie bei der Empfehlung anderer Anlageformen mehr verdienten. Vom bekannten Vorstandsvorsitzenden bis zur Hausfrau reiche das Kundenspektrum, sagt Jockel, und zwischen 400 Euro und einer halben Million werde investiert. Am liebsten kaufen seine Kunden Goldbarren. Ein Krügerrand kostete bei Jockel am Freitag 839 Euro; wer einen verkaufen wollte, bekam 784 Euro dafür - die Preise variieren nach Tageskurs.

Normalerweise verkauft Pro Aurum deutlich mehr Gold, als es ankauft. In den ersten zwei Dezemberwochen des letzten Jahres sei das Verhältnis aber ausgeglichen gewesen, berichtet Jockel. Und zwar nicht, weil die Menschen Geld für Weihnachtsgeschenke verprassen wollten: "Viele hatten die Goldvorräte schon sehr lange und wollten nun Kasse machen." Allerdings lege kaum einer das Geld auf sein Konto; es würden etwa Kredite abgelöst oder Großanschaffungen getätigt. Und viele hätten nicht ihr ganzes Gold verkauft: "Die Kunden wollten zwar vom hohen Goldpreis profitieren, aber auch weiterhin Vorräte haben." Denn auch wenn der Goldpreis wieder fällt, werde das Vertrauen in die Banken nicht wachsen.

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