Home
http://www.faz.net/-gqe-70udz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Ehemaliger-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer „Der ESM soll sich das Geld bei der Zentralbank holen“

Der frühere Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer plädiert dafür, dem Rettungsfonds eine Banklizenz zu verleihen. Der Vorschlag kommt einem Tabubruch gleich: Die meisten deutschen Ökonomen und die Bundesbank lehnen eine solche Rettungsform radikal ab.

© Helmut Fricke Vergrößern Thomas Mayer

Der renommierte ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank und jetzige Berater Thomas Mayer hat in der Diskussion um den Euro-Rettungsfonds einen höchst umstrittenen Vorschlag gemacht. Er plädierte in seiner Kolumne für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Ausgabe vom 24. Juni) dafür, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) Zugang zu Krediten der EZB haben soll. Deutsche Kommentatoren, Politiker und die Bundesbank sind vehement dagegen. Damit, so das Argument, würde der monetären Staatsfinanzierung Tür und Tor geöffnet.

Sie blendeten dabei aber aus, dass die EZB schon lange Staaten in finanzieller Not stützt, schreibt Mayer: „Würden die Finanzhilfen der EZB durch den ESM laufen, wäre wenigstens eine politische Kontrolle möglich“.

Mehr zum Thema

Um die EZB vor dem Verdacht zu bewahren, dass sie Geldpolitik für bestimmte und gegen andere Mitglieder der Währungsunion betreibt, sei es angebracht, politisch sensitive Entscheidungen wie etwa die Käufe von Staatsanleihen gänzlich von der EZB zum ESM zu verlagern, wo sie „im Einvernehmen“ getroffen werden. Das heißt, Deutschland hätte faktisch ein Vetorecht, während die Entscheidungen im EZB-Rat mit Mehrheit fallen, Deutschland kann hier überstimmt werden.

Da Liquiditäts- und Solvenzkrisen im Finanzsektor nahe beieinanderliegen, sollte der ESM nach Meinung von Mayer auf Antrag eines Staates auch Liquiditätshilfe für vom Markt abgeschnittene Banken übernehmen, die keine hochwertigen Sicherheiten stellen können. „Dazu müsste der ESM im Einvernehmen mit der EZB Zugang zu Zentralbankkrediten bekommen, was er als internationale Organisation prinzipiell ja auch hätte“, schreibt Mayer in der F.A.S. weiter.

Die deutsche Seite solle dem unter der Voraussetzung zustimmen, dass die EZB ihr Kaufprogramm für Staatsanleihen und spezielle Liquiditätshilfen für Banken (ELA) einstellt. „Zögert sie zu lange, könnte der EZB-Rat mit einfacher Mehrheit beschließen, den ESM in die Liste der Kreditnehmer aufzunehmen, ohne die anderen Programme zu beenden“, warnt Mayer in der Sonntagszeitung.

Quelle: FA.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach ABS und Covered Bonds Kauft die EZB bald Unternehmensanleihen?

Die Europäische Zentralbank will mit Macht mehr Geld in die Märkte pumpen. Als nächste Stufe könnte nun ein Kauf von Unternehmensanleihen anstehen. Mehr Von Philip Plickert

21.10.2014, 17:23 Uhr | Wirtschaft
Streit um Geldpolitik Draghi gegen Weidmann

Die negativen Stimmen zu EZB-Chef Mario Draghi werden immer lauter. Auch der Chef der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann übt Kritik. Mehr

24.10.2014, 12:53 Uhr | Wirtschaft
Eurokrise EZB erleichtert griechischen Banken Zugang zu Geld

Anleger machen sich wieder mehr Sorgen um Griechenland. Angeblich stellt die Europäische Zentralbank den Banken des Landes einfacher Geld zur Verfügung. Der IWF sorgt sich um Europas Banken insgesamt. Mehr

16.10.2014, 14:21 Uhr | Wirtschaft
Wut auf die Regierung

In Brasilien haben Demonstranten erneut die Verteilungspolitik der Regierung angeprangert. Es wurden Polizeiautos zerstört und Banken angegriffen. Mehr

13.06.2014, 09:46 Uhr | Sport
Zypern-Krise Geheime EZB-Protokolle veröffentlicht

Eigentlich will die Europäische Zentralbank ihre Beratungsprotokolle aus der Eurokrise noch lange nicht öffentlich machen. Doch jetzt sind einige nach außen gedrungen. Sie zeigen, wie zweifelhaft die Rettung zyprischer Banken war. Mehr

17.10.2014, 20:26 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.06.2012, 13:52 Uhr

Indonesiens unerfahrener Hoffnungsträger

Von Christoph Hein, Singapur

Gerade wurde Indonesiens neuer Präsident Joko Widodo eingeschworen. Die Erwartungen an ihn sind riesig. Aber ist er seinem Amt gewachsen? Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Das verdienen Einwanderer hierzulande mehr

Viele Menschen ziehen nach Deutschland, weil sie hier mehr Geld verdienen können. Wie groß die Verdienststeigerungen sind und wie sie sich je nach Herkunftsland unterscheiden – unsere Grafik des Tages. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden