10.02.2001 · Corporate Universities werden vor allem bei Konzernen immer beliebter. Michael Müller von der DaimlerChrysler University erklärt, wie die Weiterbildung via E-Learning funktioniert.
Von Cordelia ChatonMichael Müller geht auf keinen Campus und in keine Mensa. Trotzdem arbeitet er für eine Universität. Müller ist Leiter des Bereichs Wissensmanagement an der DaimlerChrysler Corporate University (DCU).
Hinter dem etwas hochtrabendem Schlagwort „unternehmensinterne Universitäten“ verstecken sich Programme zur Weiterbildung von Führungskräften in Konzernen, die sich hauptsächlich auf das Intranet stützen. Nur ein geringer Teil des Stoffes wird in Präsenzveranstaltungen vermittelt. Bertelsmann, die Lufthansa, die Deutsche Bank oder SAP arbeiten alle an oder mit solchen E-Learning-Ansätzen. Im weitesten Sinne sind sie die Weiterführung der Wissensmanagement-Ideen, die vor einigen Jahren sehr in Mode waren.
Eine Form passend zur Globalisierung
Für Konzerne von der Größe des Autoriesen hat das den Vorteil, viele Lernende gleichzeitig zu erreichen. "Bei uns umfasst die Zielgruppe 7.000 leitende Führungskräfte vom Abteilungsleiter bis hin zum Direktor", erklärt der 42-jährige Müller. Außerdem ist die Methode schneller und kostengünstiger, als Seminare für alle Mitarbeiter zu veranstalten. Und in ihrer Form scheint sie in die Zeit der Globalisierung zu passen.
Dementsprechend finden fast alle Lerninhalte auf Englisch statt. "Hauptprogramme sind derzeit "Managing Global Opportunities" mit der Harvard Business School aus Boston sowie "Managing Business" mit INSEAD in Fontainebleau. Dazu kommen noch "Leadership in a Cross Cultural Environment" und "Driving Success in a Global Company" mit der IMD in Lausanne", umreißt Müller Themen und Partner.
Der Ingenieur kommt selbst aus dem Konzern und gehört zu einem Team von 22 Mitarbeitern, die für die DCU in Stuttgart-Möhringen, Auburn Hills und Asien tätig sind. Sie alle arbeiten an dem Ziel, Führungskräfte weltweit im Management zu qualifizieren und gleichzeitig die Einführung wichtiger Strategien zu unterstützen. 90 Prozent des Inhaltes müssen sich die Teilnehmer online selbst beibringen, den Rest erlernen sie in Präsenzveranstaltungen irgendwo auf der Welt. Diese dauern zweimal eine Woche pro Jahr. Die Leitung der DCU liegt bei einer Amerikanerin in den USA.
Für Schüler gibt's Konzern-Prominenz live
Bei den Führungskräften kommt die 1998 gegründete Einrichtung gut an. Nicht zuletzt, weil sie auch Prominente des Konzerns sehen. So tritt Jürgen Schrempp rund einmal monatlich als Sprecher auf. Er selbst und die Vorstände nehmen allerdings nicht mehr an den Programmen teil; für sie gibt es maßgeschneiderte Fortbildung. Doch sie geben Geld. Dank eines "zweistelligen Eurobetrages im Millionenbereich", wie Müller verrät, hat die Corporate University keine Geldsorgen.
Vorbild für die DCU waren amerikanische Einrichtungen. "Die machen das schon seit Jahren und gehen den Bildungsmarkt viel professioneller an", beobachtet Müller. Er würde sich wünschen, dass auch deutsche Universitäten sich so um den Postgraduiertenbereich kümmern wie um die Forschung. Seine eigene Bildungseinrichtung versucht er durch Diskussionsplattformen, Benchmark-Fälle und maßgeschneiderte Programme angesehener Bildungseinrichtungen wie IMD und INSEAD der Praxis anzupassen.
Broschüren, Business TV und CD-Roms ergänzen das Angebot. Mitarbeiter können außerdem in sogenannten "Techclubs" miteinander diskutieren. So schließen sich alle Motorexperten einmal monatlich online kurz. Dadurch soll Wissen fachübergreifend aufgebaut und gepflegt werden.
„Knowledge nuggets“ brauchen Zeit
Müller selbst ist Organisator. Er sucht nach neuen Trends oder guten Beratern, kümmert sich um Foren oder um Planspiele. Alles ist unter einer weltweiten Intranet-Adresse für die Teilnehmer zugänglich. "Die Kontaktquote zwischen den Führungskräften wird noch um den Faktor 50 steigen!" freut Müller sich über den Erfolg. Er weiß selbst, dass ein großes Problem das einsame Lernen vor dem Bildschirm am Arbeitsplatz ist. Kontrolliert wird allerdings keiner der Mitarbeiter. Auch schöne Titel wie "Bester Lerner der Woche" gibt es nicht.
Dafür bietet die DCU maßgeschneiderte Programm, die bis hin zu Persönlichkeitsentwicklung online reichen. Die Ziele dafür werden im Gespräch mit dem Vorgesetzten einmal jährlich festgelegt. Müller schätzt, dass sich rund 60 bis 100 Mitarbeiter täglich einloggen. Auf den Seminaren vor Ort sind rund 200 Führungskräfte anwesend. "Online müssen alle eine halbe Stunde wöchentlich schon investieren", schätzt Müller. Seine knowledge nuggets brauchen ihre Zeit.
Müller ist von der DCU überzeugt und hält die Corporate Universities auch in kleinen und mittleren Unternehmen für sinnvoll: "So können sie schneller auf Anforderungen des Marktes reagieren." Konzerne nehmen in seinen Augen eine Vorreiter-Rolle bei der neuen Form der Weiterbildung ein. "Schließlich sind sie ein tolles Instrument, um unsere Zukunft als Unternehmen zu sichern."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2470 | −0,15% |
| Rohöl Brent Crude | 106,43 $ | −0,39% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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