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Dubai und Abu Dhabi : Die Energieverschwender entdecken das Grüne

Skifahren in der Wüste: Indoor Skipiste in Dubai Bild: dpa

In Dubai kann man in der Wüste Skifahren - in einem klimatisierten Einkaufszentrum. Für ihre Energieverschwendung sind die Golfmetropolen bekannt. Nun bemühen sich Dubai und Abu Dhabi um ein Umdenken. Zu sehr kratzt der erste Platz auf der Liste der Energieverschwender am guten Ruf des Landes.

          Eine Skipiste in der Wüste, künstliche Inselgruppen in der Form von Palmen im Meer und eines der höchsten, prächtigsten und stromintensivsten Gebäude der Welt: Energiesparen stand in Dubai bislang nicht ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda. Während in Europa Energiepolitik und Umweltschutz großgeschrieben wurden und auch Amerika auf diesen Weg einschwenkte, waren in Dubai lange Zeit der rasche Aufbau einer modernen Infrastruktur sowie Prestige und Prunk der Einwohner wichtiger als die effiziente Nutzung der Ressourcen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Doch die jüngsten Steigerungen des Ölpreises und die internationale Klimadiskussion haben anscheinend auch am Persischen Golf ein Umdenken ausgelöst. Denn einerseits hat das Emirat fast kein eigenes Öl mehr und muss als Teil der Vereinigten Arabischen Emirate fast alle Energieträger importieren. Andererseits hatte der World Wide Fund For Nature (WWF) 2007 die Liste der größten Energieverschwender veröffentlicht und so das Emirat geschockt - fand es sich doch an der Spitze dieser Liste wieder. Die Umweltschützer hatten den "ökologischen Fingerabdruck" gemessen; konkret: die Fläche an Land und die Menge an Wasser, die ein Einwohner benötigt, um zu wohnen, zu arbeiten oder einfach nur um seinen Abfall zu entsorgen.

          Bau eines ökologischen Pionierprojekts in

          Demnach braucht in den Vereinigten Arabischen Emiraten, deren größte Stadt Dubai ist, ein Einwohner 11,9 Hektar und in den Vereinigten Staaten 9,6 Hektar, der internationale Durchschnitt liegt nahe 2,2 Hektar. Auch der "Kohlendioxid-Fingerabdruck" ist nirgends breiter als am Golf. Demnach sind in der Föderation 9,1 Hektar nötig, um die Kohlendioxidemission eines Einwohners zu absorbieren. In den Vereinigten Staaten beträgt die Fläche 5,7 Hektar, im internationalen Durchschnitt sind es 1,7 Hektar. Den Verantwortlichen, denen ein guter Ruf in der Welt viel wert ist, gefiel ihre führende Position auf der unbeliebten WWF-Liste gar nicht. Erst attackierten sie die Statistik mit dem Vorwurf einer falschen Datenbasis. Dann aber handelten sie.

          Draußen: 36 Grad, flimmernde Hitze. Drinnen: minus zwei Grad, klirrende Kälte

          Dubai führte Anfang dieses Jahres neue Vorschriften für den Bau neuer Gebäude ein. Nun bereitet das nahe gelegene Abu Dhabi ähnliche Bauvorschriften vor. Es treibt mit dem Bau der Masdar City ein ökologisches Pionierprojekt voran, das dem Emirat 22 Milliarden Dollar wert ist. In dieser Stadt für 50.000 Einwohner soll es keine Kohlendioxidemissionen geben und keinen Festmüll. Ihren gesamten Energiebedarf wird sie vollständig aus Solarzellen gewinnen. Automobile werden in dieser Stadt, deren Bau spätestens 2013 abgeschlossen sein soll, nicht fahren.

          Die Klimaanlagen brummen

          Das Potential des Energiesparens stößt aber bei vielen Einwohnern der Region und ihrem Wunsch nach einem luxuriösen Leben an Grenzen. Die mondänen Einkaufszentren sind oft auf 20 Grad herabgekühlt, das Wasser in vielen Swimmingpools ist für die Region unnatürlich kühl, und in wenigen Städten der Welt fahren mehr vierradgetriebene Automobile des Typs Hummer auf den Straßen als in Dubai. "In allen sechs Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) besteht ein riesiges Potential für mehr Energieeffizienz", sagt Eckart Woertz, Fachmann für Wirtschaftsfragen beim Gulf Research Center in Dubai. Die Bandbreite reiche von besseren Isolierungen der Häuser bis zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

          Energieeinsparung sei eine der wichtigsten Energiequellen in der gesamten Region, betont Woertz weiter. In den Emiraten werde sich mit dem aktuellen Bauboom in sieben Jahren allein jener Bedarf an Elektrizität verdoppeln, der nur für die Hochhäuser notwendig ist. Zudem wird Dubai die Zahl seiner Einwohner auf 4 Millionen fast verdoppeln. Das wird den Energieverbrauch in die Höhe treiben. Während bereits geplante Bauvorhaben noch nach alten Umweltschutz- und Effizienzregeln errichtet werden, gelten für neuere Projekte Normen, die die Regierenden von Dubai aus dem amerikanischen Energie- und Umweltstandard ableiten ließen. Eine besondere Last sind die Klimaanlagen. Sie lassen den Stromverbrauch in den heißen Sommermonaten um 40 Prozent steigen. Das kostet Ressourcen.

          Langfristig setzt das Emirat auf Atomstrom

          So konzentriert sich die Energiedebatte im Emirat auf die Sicherung der Öl- und Gaslieferungen. Den Energiedurst sollen kurzfristig Gas aus Qatar und Gas aus Iran stillen. Allerdings gibt es zwischen Dubai und Iran unterschiedliche Preisvorstellungen für die Lieferungen. Trotz der fast fertigen Gasleitung wird iranisches Gas daher vorerst nicht nach Dubai geleitet. Langfristig peilt das Emirat an, auf Atomstrom zu setzen. Einen Teil der sich öffnenden Versorgungslücke sollen darüber hinaus erneuerbare Energieträger wie Sonne und Wind füllen. So bereitet Dubai die Vergabe einer Studie über die Chancen und Grenzen eines Solarkraftwerks vor. Bis zu dessen Einsatz wird es allerdings noch etwas dauern. Inzwischen plant der Vergnügungspark Dubailand eine neue Skipiste, sie soll um einiges größer werden als die alte.

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