03.12.2009 · Sultan Bin Sulayem führt den arabischen Staatsfonds Dubai World. Er hat im Meer die Palmeninseln bauen lassen, die selbst aus dem Weltall noch zu sehen sind. Sein Wagemut hatte den Konzern groß gemacht, sein Übermut droht das Werk nun zu zerstören. Ein Porträt.
Von Rainer HermannSein Wagemut hatte Dubai World groß gemacht, sein Übermut droht das Werk nun zu zerstören. Sultan Bin Sulayem hatte aus einer Gesellschaft für den Hafen und die Freizone Jebel Ali in weniger als einem Jahrzehnt einen milliardenschweren und diversifizierten Konzern mit Interessen rund um den Globus geschmiedet. Nun suchen die Gläubiger einen Weg, den wegen seiner Investitionen in unrentable Immobilien hochverschuldeten Konzern zu entschulden.
In einem Gespräch mit der F.A.Z. hatte er das Erfolgsrezept Dubais und sich selbst einmal so zusammengefasst: "Wir entscheiden schnell, und wir gehen die Risiken ein, die wir kennen." Offenbar hatte Bin Sulayem das Risiko unterschätzt, das er mit dem Bau der Inseln in Formen von Palmen und der Weltkarte im Meer eingegangen war.
Ohne sie hätte Dubai World nicht um Zahlungsaufschub bitten müssen, und ohne sie bliebe dem Emirat Dubai die jüngste Krise erspart. So aber hatte Nakheel, eine Tochtergesellschaft von Dubai World, Milliarden Dollar in die Aufschüttung der zweiten Palmeninsel und der "Welt" gesteckt, ohne Aussicht, in den kommenden Jahren auf ihnen Villen bauen und sie verkaufen zu können. Dabei hatte er gehofft, die Palmeninseln könnten demonstrieren, dass es für Dubai keine Grenzen gebe. Immerhin rief Dubai die einzige bisher fertig gebaute Palmeninsel zum "achten Weltwunder" aus.
Er hat in Amerika Wirtschaft studiert
Bin Sulayem, geboren im Jahr 1955, gehört der Generation an, die Dubai in die Wachstumsphase der letzten Jahrzehnte geführt hat. Sein Großvater und Vater tauchten draußen im Meer noch nach Perlen.
Der Sohn aber studierte in den Vereinigten Staaten Wirtschaftswissenschaften und sollte später dort draußen im Meer die Palmeninseln bauen, die selbst aus dem Weltall noch zu sehen sind. Sein schneller Stakkato-Ton verrät, wie kostbar dem Manager jede Minute ist. "Wir schreiben das Wachstum in Großbuchstaben", sagt er, und lange glaubte man ihm es auch.
Denn energisch hatte er das Wachstum seines Heimatemirats vorangetrieben, um, wie er sagt, "das Beste der Welt an einem Ort zusammenzuführen". Nach seiner Rückkehr aus Philadelphia und einer Lehrzeit wurde der schnelle Denker und Handelnde Gründungsvorsitzender der Freizone Jebel Ali. In ihr haben sich seither 6000 Unternehmen aus mehr als 100 Ländern niedergelassen. Jebel Ali ist damit einer der führenden Wirtschafts- und Industriestandorte im Nahen und Mittleren Osten.
Der drittgrößte Hafenbetreiber der Welt
Im Jahr 2001 führte er die Freizone, die beiden Seehäfen Dubais und die Zollverwaltung zu einem Unternehmen zusammen. Das Kerngeschäft sollte rasch wachsen. Denn DP World, wie sich das Unternehmen bald nannte, kaufte auf der ganzen Welt Seehäfen auf.
Am besten in Erinnerung ist der Erwerb der britischen Hafengesellschaft P&O, die Bin Sulayem im März 2006 für 6,8 Milliarden Dollar akquirierte. Aus dessen Netz musste er die Häfen in den Vereinigten Staaten an amerikanische Käufer weitergeben. Auch ohne sie ist DP World heute der drittgrößte Hafenbetreiber.
Dieser Erfolg beflügelt ihn weiter. Der Herrscher Dubais, Scheich Muhammad Bin Rashid Al Maktoum, übertrug dem erfolgreichen Untertan die Aufgabe, die Palmeninseln zu bauen und dazu die neue Immobiliengesellschaft Nakheel zu führen. Fast en passant gründete er eine erfolgreiche Warenbörse, die Dubai Commodity Centre, an der Gold, Edelsteine und das Erdöl als das schwarze Gold gehandelt werden.
Ein weltumspannender Konzern
Hinzu kamen der Investmentarm Istithmar, der lukrative Immobilien und Beteiligungen an Banken wie Standard Chartered erwarb, sowie der internationale Immobilienentwickler Limitless. Was als lokales Hafenunternehmen begann, war nun ein weltumspannender Konzern, und an seiner Spitze trieb Bin Sulayem das Wachstum weiter energisch voran. Bis die Krise, die im September 2008 ausbrach, seiner Kalkulation für den Bedarf an Luxusvillen und Palmeninseln einen bösen Strich durch die Rechnung machte.
Seinen Sitz im eigentlichen Staatsfonds, dem der Investment Corporation of Dubai, hat er vergangene Woche verloren. Noch gehört er der Regierung des Emirats an, dem Executive Council. Auch ist er ein "Global Leader for Tomorow" des World Economic Forum.
Als solcher setzte er sich stets für die Interessen seiner Heimat ein. Als europäische Staaten den Staatsfonds Arabiens Grenzen setzen wollten, hatte er gedroht, dass sie dann ihre Gelder abziehen könnten. Dazu kam es nicht.
Eintreffen wird wohl seine Prognose, dass das Leben seiner Kinder und Enkel sehr interessant und herausfordernd werde. "Um das zu erhalten und weiterzuentwickeln, werden sie hart arbeiten müssen." Um sein Werk zu erhalten, muss das nun aber auch noch einmal Bin Sulayem.
Rainer Hermann Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.
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