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Drohnen Dem Unternehmen Euro Hawk droht das Aus

Eigentlich sollte die Drohne Euro Hawk zum Jahresende übergeben werden - doch daraus wird nichts. Mit der fehlenden Zulassung der Drohne erledigt sich auch der Geschäftszweck des deutsch-amerikanischen Herstellers Euro Hawk GmbH.

© dpa Vergrößern Schutz vor Kollisionen: Die Aufklärungsdrohne Euro-Hawk erhält für den deutschen Luftraum keine Zulassung

Was hat der Hersteller Cassidian von den Problemen um Euro Hawk gewusst: jene Drohne, die für die Bundeswehr in den nächsten Jahren Aufklärungsflüge übernehmen sollte, aber nicht die Zulassung zum Flug erhalten dürfte? Glaubt man den Aussagen der Verteidigungssparte des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, habe sie keine Kenntnisse davon gehabt. Es gebe Zertifizierungs- und Prüfregeln, die für die Zulassung erforderlich seien, hieß es in der Zentrale in Unterschleißheim. Dafür sei aber nicht die Industrie, sondern das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung zuständig. Der Hersteller habe dann das in Auftrag gegebene Projekt zu diesen Bedingungen zu liefern.

Rüdiger Köhn Folgen:      

Doch darauf wird die Bundeswehr lange warten. Das Aufklärungsflugzeug Euro Hawk, das vom Gemeinschaftsunternehmen Euro Hawk GmbH des amerikanischen Rüstungskonzerns Northrop Grumman und von Cassidian geliefert werden soll, erhält keine Zulassung, da es nicht mit einem Kollisionswarnsystem (On-Board-Sense-And-Avoid) ausgestattet ist, wie es in der Luftfahrt erforderlich ist (F.A.Z. vom 14. Mai). Hieraus ist ein politischer Skandal entwachsen. Obwohl das Verteidigungsministerium seit Jahren das gewusst haben soll, führte es das 660 Millionen Euro teure Projekt fort.

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Dem eigens für dieses Projekt 2007 gegründeten Pari-Gemeinschaftsunternehmen droht damit das Aus. Die Geschäftsgrundlage wäre entzogen. Es sollte nicht nur die Drohne entwickeln, sondern auch für die gesamte Nutzungszeit als Generalunternehmer des Verteidigungsministeriums agieren. Die im Januar begonnene, bislang erfolgreich gelaufene Testphase wird im September abgeschlossen sein. Bis Jahresende, so der ursprüngliche Plan, sollte die Drohne übergeben werden, dann weitere vier Stück im Wert von rund 520 Millionen Euro bestellt werden. Doch daraus wird nichts mehr.

Von Cassidian gibt es Stellungnahmen, die Raum für Spekulationen über die Ahnungslosigkeit lassen. „Die Erfahrung zeigt, wie wichtig es ist, vollen Zugang zu allen Technologien und Informationen eines Systems zu haben“, sagt Bernhard Gerwert, Vorstandsvorsitzender von Cassidian. Er scheint darauf anzuspielen, dass der amerikanische Partner angeblich Technologien über bestimmte Teile ihrer bereitgestellten Drohne Global Hawk nicht weitergegeben hat. Die Forderung nach einem vorbehaltlosen Zugangs müsse auch für zukünftige Vorhaben gelten: „Nur wenn Zertifizierungsstandards bereits bei der Entwicklung eines Flugsystems berücksichtigt werden, lassen sich langwierige und kostspielige Nachzertifizierungen vermeiden.“

Cassidian: System könnte in andere Drohnen oder Flugzeuge eingesetzt werden

Gerwert weicht der Frage aus, ob Cassidian Bescheid wusste. Zumindest mussten die Industriepartner sensibilisiert gewesen sein. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtete, hatte die EADS bereits 2004 in einer Studie darauf hingewiesen, dass während der Startphase auf die Einsatzflughöhe - beim Euro Hawk 18300 Meter, also weit oberhalb der zivilen Flugzonen - eine Kollisionsgefahr bestehe. Gleiches gelte für die Landephase. EADS sei überzeugt gewesen, die Sicherheitsanforderungen mit einem „Sense-And-Avoid“-System erfüllen zu können. Damit dürfte auch Cassidian die Problematik bewusst gewesen sein. Northrop Grumman sei bislang nicht offiziell unterrichtet worden, sagte Tom Vice, Präsident der Sparte Aero Systemss Mitte vergangener Woche. Er hoffe auf einen Dialog, um die Probleme zu lösen.

Keine der gegenwärtig im Einsatz befindlichen Drohnen verfügt über ein Kollisionsschutz-System. Weil es sich um Millitärflugzeuge handelt, herrschen andere Regeln als in der Zivilluftfahrt. Die Global Hawk von Northrop Grumman - auf der die Euro Hawk basiert - wurde in Amerika ohne Kollisionsschutz-System zugelassen. Startet die Drohne und schraubt sie sich in einer engen Spirale in die Höhe, wird der Luftraum für den zivilen Luftverkehr einfach gesperrt. Für die Beteiligten schien es kein Problem zu geben. Das „Musterprüfrahmenprogramm“, wie das im Jargon des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung heißt, sah Kollisionsschutz nicht vor. Die zuständigen Behörden wie Deutsche Flugsicherung und Eurocontrol wiesen indes seit 2009 auf das heikle Thema hin.

Die Aufgabenteilung im Gemeinschaftsunternehmen war klar geregelt. Die Amerikaner hatten die Zuständigkeit für den Euro Hawk als abgewandelte Version ihres Global Hawk. Am Militärflughafen Manching haben sie die Testflüge bestritten. Cassidian war im Projekt mit der Entwicklung des elektronischen Aufklärungssystems mit dem Namen „Sigint“ beauftragt, das Radarstrahlen zur Flugabwehr entdecken soll. Der Rüstungsbereich von EADS erhielt für die Aufgabe vom Bund 250 Millionen Euro.

Das Geld sei ja nicht verschwendet worden, heißt es bei Cassidian. Denn das System könne in andere Drohnen oder Flugzeugen eingesetzt werden. „Die Entwicklung und damit auch die von Cassidian getätigten Investitionen können somit weiterverwendet werden“, sagt Vorstandschef Gerwert. Beispielsweise arbeitet der Hersteller auch an der Entwicklung der Drohne Talarion. Das Projekt steht jedoch nur auf dem Papier und wartet auf einen Auftrag. Beruhigend für alle Beteiligten: Talarion, die auf mittleren Höhen im zivilen Luftraum fliegen soll, verfügt bereits über ein Kollisionschutz-System.

Quelle: F.A.Z.

 
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