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Drogeriekette schließt jede zweite Filiale Schlecker entlässt die Hälfte der Mitarbeiter

 ·  Die Drogeriekette Schlecker steht vor herben Einschnitten: 2500 Filialen werden geschlossen, fast 12.000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Die übrigen soll ein aggressives Marketingkonzept retten.

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Der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kommt schnell zur Sache: „Wir sind gezwungen, schnell Fakten zu schaffen. In vier Wochen muss die Drogeriemarktkette Schlecker verlustfrei arbeiten, sonst ist das gesamte Unternehmen gefährdet“, sagt er auf einer Pressekonferenz in Frankfurt. Damit er das Ziel erreicht, werden von den jetzt noch betriebenen 5410 Filialen der Marken Schlecker und XL-Schlecker fast 2500 bis Ende Mai geschlossen. Damit werden 11 750 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über Sozialpläne haben begonnen. „Für eine Auffanggesellschaft fehlt uns das Geld“, sagt Geiwitz, kündigte aber an, dass man sich um öffentliche Hilfe für eine solche Gesellschaft bemühen werde.

Der verbleibende Rest – „immer noch mehr als 50 Prozent des Unternehmens“ – sei überlebensfähig, allein oder – „das wäre mein Wunsch“ – mit neuem Investor. Alle Bemühungen zielten jetzt darauf ab, „mit mindestens 3000 Filialen und 13 500 Mitarbeitern in Deutschland weiter zu arbeiten. „Mindestens“ deshalb, weil eventuell noch die eine oder andere Filiale erhalten bleibt, wenn sich der entsprechende Vermieter zu Zugeständnissen bei der teilweise exorbitant hohen Miete bereiterklärt. Die Mieten seien eine Ursache der Schleckermisere.

Die Fehler wurden nach Geiwitz’ Einschätzung schon vor zehn Jahren gemacht, als das Unternehmen eine fast blinde Expansion beschloss, die ausschließlich auf die Erhöhung der Filialzahl und auf gute Einkaufskonditionen setzte. Vernachlässigt worden sei die Kundensicht. Schlecker habe Verlustbringer im Sortiment, sei in einigen Bereichen deutlich teurer als die Konkurrenz und habe ein Imageproblem wegen seiner vielen arbeitsrechtlichen Verfahren. Das schlechtes Image, hohe Preise, ein falsches Sortiment und unattraktive Geschäfte hätten zu geringen Umsätzen geführt. Wegen der auf den Inhaber Anton Schlecker ausgerichteten „hierarchistischen Führungsstruktur“ und der damit verbundenen mangelhaften Transparenz habe man zu spät gegengesteuert. Da Schlecker seit 2006 Verluste schreibe, habe man es sich zuletzt nicht einmal mehr leisten können, zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten.

Der Kassensturz des Insolvenzverwalters hat ergeben, dass Schlecker im abgelaufenen Jahr 2011 knapp 4 Milliarden Euro umgesetzt hat (ohne Mehrwertsteuer und abzüglich der Warenkostenzuschüsse der Lieferanten). Unter dem Strich stand für 2011 ein Verlust von gut 200 Millionen Euro. In den Vorjahren sei seit 2006 jeweils ein zweistelliger Millionenverlust angefallen, sagte Geiwitz. Derzeit mache Schlecker monatlich gut 20 Millionen Euro Verlust.

Dieser Verlust fällt offenbar zur Gänze im Inland an. Die Auslandsgesellschaften seien daher von den Sanierungsmaßnahmen auch nicht betroffen. Das Auslandsgeschäft sei stabilisiert worden. Kleinere Auslandsgesellschaften würden womöglich schon bald verkauft, um Geld für Investitionen in das Zukunftskonzept zu generieren. Die großen Auslandsgesellschaften in Spanien und Österreich sollten aber ebenso bei Schlecker bleiben wie die Online-Tochtergesellschaft „Schlecker Onlineshop“. Beides erhöhe die Attraktivität für einen Investor.

Zwar sei das neue Konzept darauf ausgerichtet, Schlecker allein weiterzuführen. Aber Geiwitz machte keinen Hehl daraus, dass es sein Wunsch ist, einen Partner mit ins Boot zu holen. Man verhandele dabei mit Interessenten aus aller Welt und sowohl mit strategischen Investoren als auch mit Finanzinvestoren. Dafür werde das Unternehmen, das bisher von dem Gründer Anton Schlecker in der Form eines eingetragenen Kaufmanns geführt wurde, eine andere Rechtsform bekommen. Die endgültige Rechtsform stehe ebenso wenig fest wie die Beteiligung der Familie daran. Geiwitz bestätigte noch einmal, dass Anton Schlecker keine weiteren Vermögensgegenstände besitze als das Unternehmen. Die Kinder Lars und Meike Schlecker hätten weitere Beteiligungen. Es sei noch offen, ob die zur Sanierung eingebracht würden.

Das Konzept für die neue Schleckerkette stehe, unabhängig davon, ob man allein weiter arbeite oder mit einem Investor. Schlecker versteht sich auch künftig als Nahversorger. Das Unternehmen bleibe eine Drogeriemarktkette, die sich allerdings von verlustbringenden Randsortimenten trennen werde. Um Marktanteile zu festigen, werde man ein preisaggressives Marketing betreiben. Es soll auch wieder mehr Sonderaktionen geben, die man sich zuletzt wegen der Verluste nicht habe leisten können. Überlegt wurde, den angeschlagenen Namen abzulegen. „Wir sind aber zu der Erkenntnis gekommen, dass es billiger ist, einen schlechten Ruf einer sehr bekannten Kette (86 Prozent Bekanntheit) zu verbessern als einen neuen Namen im Markt einzuführen“, sagte Geiwitz. 80 Prozent der Lieferanten seien bereit, bei dem Konzept mitzumachen. Von den 50 größten Lieferanten hätten 42 eine weitere Belieferung zugesagt und von den anderen 8 erwarte man entsprechende Zusagen in den kommenden Tagen. Das ist wichtig, weil die Lieferanten die größten Gläubiger eines Handelsunternehmens sind. Danach kommen die Bundesagentur für Arbeit, die zur Zeit die Löhne bezuschusst, und dann die Arbeitnehmer selbst.

Von dem Sanierungskonzept nicht erfasst ist die Tochtergesellschaft „Ihr Platz“, die von Osnabrück aus 664 Drogerien betreibt. Sie unterliegt einem eigenen Insolvenzverfahren. Über konkrete Maßnahmen bei Ihr Platz will Insolvenzverwalter Werner Schneider gegen Ende dieser oder Anfang nächster Woche öffentlich Auskunft geben.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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