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Drogeriekette : Schlecker ist insolvent

Leere Körbe, leere Kassen: Schlecker ist insolvent Bild: dpa

Deutschlands größte Drogeriekette Schlecker will Insolvenz anmelden. Das Unternehmen steckt in den roten Zahlen und schließt derzeit bundesweit Hunderte von Filialen.

          Der Drogeriekonzern Schlecker geht in die Insolvenz, hofft aber zugleich auf eine Sanierung. Der entsprechende Antrag auf eine Planinsolvenz werde kurzfristig gestellt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Dabei wird gleichzeitig mit dem Insolvenzantrag ein Sanierungsvorschlag eingereicht. Sofern die Gläubiger dem Plan folgen, bleibe die alte Geschäftsführung im Amt und der bestellte Insolvenzverwalter werde begleitend tätig, heißt es in der Mitteilung. „Ziel ist der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter. Auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter sei durch das Insolvenz-Ausfallgeld gesichert. Dies gilt allerdings nur für drei Monate. Nun komme es darauf an, einen gangbaren Weg zu finden, um die mehr als 30.000 Arbeitsplätze bei Schlecker zu retten, sagte Stefanie Nutzenberger, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi, und fügte hinzu: „Anton Schlecker trägt als Eigentümer persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten. Besonders in einem solchen Falle gilt: Eigentum verpflichtet.“

          Trotz vieler Filialen sank der Umsatz von Schlecker
          Trotz vieler Filialen sank der Umsatz von Schlecker : Bild: F.A.Z.

          Notwendig wurde der Insolvenzantrag, weil Schlecker offenbar nicht mehr zahlungsfähig war. Eine aktuell geplante Zwischenfinanzierung habe nicht realisiert werden können, heißt es bei Schlecker, ohne dass Details genannt werden. Nach Informationen dieser Zeitung konnte Schlecker am Freitag einen fälligen Betrag zwischen 20 und 30 Millionen Euro nicht mehr bezahlen. Weil die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Branchenkreisen bekannt waren, war die Zahlung in bar oder als Bundesbankscheck eingefordert worden. Man hatte Zweifel, ob Schlecker diese Zahlungen überhaupt noch aus dem operativen Geschäft begleichen konnte. Angeblich soll Schlecker schon seit einigen Tagen mit der Zahlung in Verzug geraten sein. Der nächste Termin für eine ähnliche Zahlung an die Einkaufsgemeinschaft Markant aus Offenburg soll dem Vernehmen nach schon in der nächsten Woche anstehen. Offenbar war Schlecker auch nicht mehr in der Lage, kurzfristig Geldgeber zu finden.

          „Familie und Management sind diesen schweren, aber notwendigen Schritt gegangen, um den eingeschlagenen Weg der Restrukturierung fortzusetzen und erfolgreich umsetzen zu können“, heißt es in der Mitteilung von Schlecker. Das Unternehmen befinde sich seit Mitte 2010 in einer umfassenden Restrukturierung und habe bereits eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Tatsächlich hat Schlecker schon rund 350 Filialen modernisiert und konnte von deutlich gestiegenen Umsätzen in diesen Geschäften berichten. Außerdem wurde mit der Neuordnung der Logistik begonnen.

          Seit sieben Jahren werden Schleckerfilialen abgebaut
          Seit sieben Jahren werden Schleckerfilialen abgebaut : Bild: F.A.Z.

          Allerdings waren die Maßnahmen offenbar nicht ausreichend. Dies wiederum dürfte damit zusammenhängen, dass Schlecker zunächst versuchte, die Restrukturierung selbst zu finanzieren, die nötige Substanz aber schon nicht mehr da war. Dem Vernehmen nach war Firmenpatriarch Anton Schlecker selbst Banken gegenüber nicht bereit, seine Bücher zu öffnen. In jüngerer Zeit wurden Mittel mobilisiert, indem Schlecker Immobilien verkaufte. So stand offenbar der Kaufvertrag über das „Schleckerland“ am Stammsitz des Unternehmens in Ehingen (Schwäbische Alb) unmittelbar vor dem Abschluss. Das Einkaufszentrum sollte nach Informationen dieser Zeitung von einem Investor aus Hamburg übernommen werden. Für Schlecker kann die Planinsolvenz eine Chance sein, Altlasten loszuwerden. Durch das Insolvenzverfahren eröffnet sich die Möglichkeit, Verträge mit Vermietern, Lieferanten und Dienstleistern außerordentlich zu kündigen. Bisher musste Schlecker trotz geschlossener Filialen oft noch lang laufende Mietverträge erfüllen. Mit der Insolvenz hat Schlecker nun eine bessere Verhandlungsposition.

          Drogeriekette : Schlecker vor der Pleite

          Schlecker erzielte 2010 in Europa einen Umsatz von 6,55 Milliarden Euro. Seither waren die Erlöse nach Zahlen von Marktforschern stetig gesunken. Schlecker machte dazu keine Angaben. Nach dem Start der Restrukturierung war noch in Aussicht gestellt worden, dass 2012 wieder ein Gewinn erzielt wird.

          Die drei deutschen Drogeriemarktketten

          Die Drogeriebranche in Deutschland ist seit Jahren umkämpft. Besonders die Probleme des jahrzehntelang unbestrittenen Marktführers Schlecker lassen die Konkurrenten dm und Rossmann immer stärker aufholen.

          SCHLECKER: Schlecker war bis vor kurzem die Nummer eins. Mit Geschäftszahlen hält sich der Familienkonzern zurück. 2010 setzte die Kette aus Ehingen bei Ulm noch 6,55 Milliarden Euro um. 2011 sollen der Erlöse „leicht“ gesunken sein. Nach mehreren Verlustjahren - zur Höhe ist nichts zu erfahren - sollte 2012 die Rückkehr in die Gewinnzone gelingen. Die Mitarbeiterzahl liegt bei über 30 000 in Deutschland und weiteren rund 17 000 im Ausland. Nach hunderten Schließungen liegt die Zahl der Läden in Deutschland wohl knapp unter 7000, hinzu kommt die Tochter IhrPlatz. 3000 weitere Schlecker-Filialen gibt es in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal.

          DM: Die Karlsruher Kette ist auf dem besten Weg an die Drogeriemarkt-Spitze. Auch hier gibt es keine Zahlen zum Ergebnis; das ebenfalls in Familieneigentum befindliche Unternehmen gibt sich aber nach eigenen Angaben mit einem Prozent Rendite zufrieden - und steckt das Geld ansonsten in soziale Projekte. Erlöst hat dm im Geschäftsjahr 2010/11 rund 6,17 Milliarden Euro; das war ein Plus von 9,3 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr. Von den 2536 Filialen liegen 1256 in Deutschland. Ihre Grundfläche ist grundsätzlich größer als die der Konkurrenz, insbesondere die der Schlecker-Läden. Von den rund 39 100 Beschäftigten arbeiten 25 450 in Deutschland.

          ROSSMANN: Die drittgrößte deutsche Drogeriekette hat 2011 erstmals in ihrer 40-jährigen Firmengeschichte die Fünf-Milliarden-Umsatzmarke geknackt. Das hat das Unternehmen vor zwei Wochen bekanntgegeben. Der Umsatz lag bei 5,12 Milliarden Euro, ein Plus von 10,5 Prozent. Zum Ergebnis macht das Unternehmen aus Burgwedel in Niedersachsen keine Angaben. Für das Jahr 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Milliarden Euro erwartet. Rossmann betreibt in sechs europäischen Ländern 2531 Märkte und beschäftigt rund 31 000 Mitarbeiter. In Deutschland will Rossmann in diesem Jahr 110 neue Verkaufsstellen eröffnen. Dabei sollen rund 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.

          Quelle: F.A.Z.

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