Auch der dritte Anlauf des Essener Chemiekonzerns Evonik an die Börse wird nicht zum Ziel führen. Den Konsortialbanken Deutsche Bank und Goldman Sachs ist es in der zurückliegenden Woche nicht gelungen, Investoren für einen Zeichnungspreis zu gewinnen, der den Vorstellungen der beiden Evonik-Eigentümer entspricht. Die RAG-Stiftung ist mit knapp 75 Prozent Hauptaktionär. Der britische Finanzinvestor CVC besitzt 25 Prozent und einen Aktie und hat für dieses Paket 2008 der RAG-Stiftung 2,4 Milliarden Euro bezahlt. Beide wollten zusammen bis zu 30Prozent des Evonik-Kapitals am Kapitalmarkt platzieren. Es sollte mit annähernd 5 Milliarden Euro Platzierungsvolumen der größte deutsche Börsengang seit langem werden.
Wegen der für die Eigentümer unbefriedigenden Resonanz unter Investoren ist jedoch gewiss, dass das Kuratorium am Montag die Börsenpläne stoppen wird. Nach Ansicht von Beobachtern dürfte das in der Satzung der RAG-Stiftung vorgeschriebene Projekt des Börsengangs für mindestens zwei Jahre auf Eis liegen. Der Rückzug kommt angesichts des seit Wochen schwierigen Kapitalmarktumfeldes nicht überraschend. Dabei steht der Spezialchemiekonzern Evonik wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor. Aber die von der Griechenland- und der Euro-Krise ausgehende Nervosität an den Kapitalmärkten macht dem Chemieunternehmen und seinen Aktionären wieder einen Strich durch die Rechnung. 2008 vereitelte die aufziehende Finanzmarktkrise den Börsengang. Im vergangenen Sommer waren in der Vorbereitungsphase die Aktienkurse abgestürzt, als die Überschuldung Griechenlands offenkundig wurde.
Evonik produziert hochwertiges Vormaterial für die Nahrungsmittel- und Tierfutterindustrie, für Pharma und Kosmetik, aber auch energiesparende Grundstoffe zum Beispiel für Reifenhersteller. Der Konzern, der zuletzt mit 33 000 Beschäftigten 14,5 Milliarden Euro umgesetzt hat, will sich bei vielen seiner Spezialitäten an die Weltmarktspitze vorarbeiten. Diese Expansion sollte durch den Börsengang beschleunigt werden. Die RAG-Stiftung wollte sich mit ihrem Erlös vom Börsengang an dem Evonik-Teilkonzern Immobilienwirtschaft beteiligen und so dem Chemieunternehmen Investitionsmittel zuleiten.
Die aus dem früheren Steinkohlekonzern RAG gebildete Stiftung soll von 2019 an, nach Stilllegung des letzten deutschen Steinkohlebergwerks, anstelle der öffentlichen Hand die dauerhaften Folgekosten der Zechen an Ruhr und Saar - die Grubenwasserhaltung und die Grundwasserreinigung - finanzieren. Fachleute schätzen den jährlichen Mittelbedarf dafür auf rund 200 Millionen Euro. Selbst wenn die Dividendeneinnahmen der Stiftung von zuletzt netto 300 Millionen Euro nicht auf alle kommenden Jahre fortgeschrieben werden können, ist diese Einnahmesäule groß genug, um den für den für den Auftrag erforderlichen Kapitalstock aufzubauen.
Öffentliche Unternehmen haben die Aktienkultur in Deutschland vernichtet.
Walther Schmidt (silitoe)
- 16.06.2012, 15:37 Uhr
Zweifel dass diese Aufgaben von RAG allein gemeistert werden bleiben!
Matthias Elger (melger)
- 16.06.2012, 09:05 Uhr