21.04.2009 · Der Streit zwischen der Dresdner Bank und ihren Investmentbankern über Millionen-Boni beschäftigt nun erstmals ein deutsches Gericht: Der ehemalige Manager Jens-Peter Neumann pocht auf Auszahlung weiterer 1,5 Millionen Euro.
Von Markus FrühaufDer Streit zwischen der Dresdner Bank und ihren Investmentbankern über Millionen-Boni beschäftigt nun erstmals ein deutsches Gericht. Vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt wurde der ehemalige Investmentbanker Jens-Peter Neumann von Tanja Karhausen von der Kanzlei Sachse vertreten. Neumann ist einer von rund 50 Investmentbankern, die auf den Bonipool von einst 400 Millionen Euro pochen. Diesen Pool hat der neue Dresdner-Bank-Eigentümer Commerzbank im Februar auf 130 Millionen Euro zusammengestrichen. Der Grund dafür ist, dass die Dresdner Bank im vergangenen Jahr 6,2 Milliarden Euro Verlust gemacht hat.
Ein Großteil der Verluste ist dabei in der Investmentbank Dresdner Kleinwort angefallen. Die in London tätigen Investmentbanker dürften deshalb hauptsächlich vor britische Gerichte ziehen. Bislang hat es jedoch nur Ankündigungen gegeben. Verfahren in London sind laut Dresdner Bank noch keine anhängig.
Neumann verdiente wohl 10 Millionen Euro
Damit stellte der Prozessauftakt in Frankfurt eine Premiere dar. Nach den Ausführungen von Matthias Woldter, einem Juristen der Dresdner Bank, schrieb die von Neumann geleitete Dresdner-Kleinwort-Sparte Capital Markets allein einen Fehlbetrag von 5,7 Milliarden Euro. Neumann, der im April 2006 die Leitung der Kapitalmarktsparte übernommen hatte, vereinbarte mit der Bank im Dezember 2008 und im Januar 2009 einen Aufhebungsvertrag. Dabei wurde eine Vergütung von 4,5 Millionen Euro festgelegt. Die erste Tranche über 3 Millionen Euro hat er schon im Januar erhalten. Dabei handelt es sich laut Woldter um Boni. Die restlichen 1,5 Millionen Euro, die als Abfindung gelten, stehen noch aus. Auf ihre Auszahlung klagt Neumann.
Der Manager gilt als langjähriger Weggefährte von Stefan Jentzsch, der bis Ende 2008 Chef von Dresdner Kleinwort war. Zwar hat Jentzsch auf seinen Bonus verzichtet, trotzdem soll er eine Abfindung von knapp 8 Millionen Euro kassiert haben. Die Vorstände der Dresdner Bank erhielten für das verlustreiche Jahr 2008 insgesamt 58 Millionen Euro. Aufgrund der scharfen öffentlichen Kritik verzichtete der frühere Vorstandsvorsitzende Herbert Walter auf seine Abfindung von 3,6 Millionen Euro. Im Umfeld der Dresdner Bank werden die Chancen im Prozess gegen Neumann als eher gering eingestuft. Offenbar wird die Verweigerung der Abfindungszahlung als Appell an den Investmentbanker gesehen, wegen der hohen Verluste auf seine Ansprüche zu verzichten. Finanzkreise schätzen, dass Neumann bei Dresdner Kleinwort zwischen April 2006 und Ende 2008 rund 10 Millionen Euro verdient hat.
In enger Abstimmung zwischen Allianz, Dresdner Bank und Commerzbank
Die Geschäftsgrundlage für die strittigen Boni ist nach Woldters Ansicht durch die hohen Verluste in Neumanns Sparte gestört worden. Die Forderung des Klägers auf die ausstehende Abfindung soll nun mit den schon geflossenen Boni verrechnet werden. Dem hielt Neumanns Anwältin Karhausen entgegen, dass die Vergütung für das Geschäftsjahr 2008 unabhängig vom Ergebnis geregelt worden sei.
Im Sommer 2008 hatte der damalige Dresdner-Bank-Eigentümer Allianz den Investmentbankern von Dresdner Kleinwort einen Bonuspool von 400 Millionen Euro zugesagt. Die britische Finanzaufsicht soll darauf gedrungen haben, weil sie aufgrund der damaligen Verkaufsgerüchte einen Exodus der Mitarbeiter und damit eine Destabilisierung der in London stark engagierten Dresdner Kleinwort befürchtet hatte. Dies erfolgte vor dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank, der am 31. August 2008 bekanntgegeben wurde.
Nach Aussage von Neumanns Anwältin sind die Vergütungen für führende Mitarbeiter von Dresdner Kleinwort in enger Abstimmung zwischen Allianz, Dresdner Bank und Commerzbank vereinbart worden. Darüber hinaus sei der Aufhebungsvertrag zu einem Zeitpunkt beschlossen worden, zu dem die Arbeiten am Jahresabschluss im vollen Gang gewesen seien. Anfang Januar musste die Commerzbank ihren zweiten Bittgang zum Staat antreten. Die Bank benötigte nach einer ersten Kapitalspritze über 8,2 Milliarden weitere 10 Milliarden Euro. Dies wurde vor allem auf die Probleme der Dresdner Bank zurückgeführt. Arbeitsrichter Klaus Köttinger legte den nächsten Verhandlungstermin für den 6. August fest.
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