28.02.2008 · Von ihrer Übernahme durch die Allianz hat sich die Dresdner Bank bis heute nicht erholt. Zwar trägt die enge Verbindung allmählich Früchte, doch im Unterschied zu anderen Großbanken hat es die Dresdner Bank versäumt, sich strategisch weiterzuentwickeln. Das kann auf Dauer nicht so bleiben.
Von Gerald BraunbergerDie Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Euro nach Steuern verdient. Die Commerzbank verdiente immerhin noch 1,9 Milliarden Euro - und die Dresdner Bank gerade einmal 410 Millionen Euro. Das ganze Elend der Dresdner Bank drückt sich in diesem Vergleich aus.
Die Geschichte eines Unternehmens mag den dort heute Beschäftigten nichts bedeuten, aber um zu erkennen, was mit der Dresdner Bank im Speziellen und dem deutschen Großbankensystem im Allgemeinen schiefgegangen ist, lohnt es sich doch, kurz die Vergangenheit zu bemühen.
Erzrivale Deutsche Bank
Die Dresdner Bank war bis vor einigen Jahren - man kann es sich heute kaum noch vorstellen - eine der großen und angesehenen Banken in Europa. Sie war in Deutschland lange die Nummer zwei, zwar kleiner als der Erzrivale Deutsche Bank, aber ein gutes Stück größer als die Commerzbank. Dabei war die Dresdner in einem gewissen Sinne moderner und dynamischer als ihre Konkurrenten.
Sie war es, die früh das Wertpapiergeschäft (das damals in Deutschland noch nicht Investmentbanking hieß) förderte. Und während in anderen Häusern üblicherweise distinguierte Kreditleute an die Spitze rückten, machte die Dresdner Bank Mitte der achtziger Jahre mit Wolfgang Röller einen hemdsärmeligen ehemaligen Wertpapierhändler zum Vorstandssprecher. Und sie besaß (und besitzt noch) viele große Unternehmenskunden, die zur Dresdner unter anderem deshalb gingen, weil ihre Konkurrenten bei der Deutschen Bank waren.
Geschäfte mit zu hohen Risiken
Dennoch wurde die Deutsche Bank zum Verhängnis der Dresdner Bank. Denn die Herren der Dresdner ließen sich von dem Gedanken fesseln, ihren wichtigsten Wettbewerber mindestens einzuholen. Zu diesem Zweck wagten sie Geschäfte mit zu hohen Risiken. Die Dresdner geriet Anfang dieses Jahrzehnts auf die schiefe Bahn und musste von ihrem Großaktionär, der Allianz, vollständig übernommen werden. Von diesem Schlag hat sich die Dresdner Bank bis heute nicht erholt, auch wenn sie mit 6,5 Millionen Kunden immer noch eine große Bank ist. Die Verantwortung für den unbefriedigenden Zustand der Dresdner Bank trägt die Allianz.
Seit vielen Jahren wurde bis zum Überdruss diskutiert, ob eine Versicherung und eine Bank unter einem gemeinsamen Dach glücklich werden können. Neben den Optimisten, die auf Verbundeffekte zwischen diesen beiden Typen von Finanzhäusern bauen, haben sich auch immer wieder Pessimisten zu Wort gemeldet, die unvereinbare Mentalitäten zu konstatieren meinten. Ein Blick auf die Verbindung zwischen der Allianz und der Dresdner Bank zeigt: Optimisten wie Pessimisten haben recht.
Allianz-Verbindung trägt Früchte
Es ist nicht so, dass die Dresdner Bank nichts taugte. Das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden läuft nicht schlecht. Auch die enge Verbindung mit der Allianz trägt Früchte: Immerhin eine Million Kunden haben die Berater des Versicherungsriesen der Dresdner Bank zugeführt.
Doch im Unterschied zur Deutschen und zur Commerzbank konnte sich die Dresdner Bank strategisch nicht weiterentwickeln. Josef Ackermann hat die Deutsche Bank zielstrebig zu einer der größten Investmentbanken der Welt ausgebaut. Ähnlich große Würfe hat die Commerzbank nicht vorzuweisen, aber mit dem Abbau des Investmentbanking und dem Kauf der Immobilienbank Eurohypo hat der scheidende Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller Zeichen gesetzt.
Passabler Jahresabschluss
Die Dresdner kann außer der allmählichen Integration in die Allianz nichts Vergleichbares anbieten. Vor allem hat die Allianz es nicht verstanden, eine Lösung für die größte Schwäche der Dresdner Bank zu finden: Die Investmentbank Dresdner Kleinwort ist zu groß, um mit Erfolg eine Nischenstrategie zu betreiben, wie es etwa Rothschild tut. Andererseits ist Dresdner Kleinwort viel zu klein, um mit Riesen wie Goldman Sachs oder der Deutschen Bank zu wetteifern. So hat denn auch die Investmentbank der Dresdner Bank einen ansonsten durchaus passablen Jahresabschluss 2007 verhagelt.
In der Allianz-Zentrale am Englischen Garten in München darf man sich daher nicht genervt darüber zeigen, dass in der Öffentlichkeit immer wieder Diskussionen über die Zukunft der Dresdner Bank entstehen, zumal die unbefriedigende Rentabilität der Bank den Aktienkurs des Versicherungskonzerns belastet. Die Bekenntnisse zur Dresdner klingen denn auch nicht mehr so eindeutig wie in der Vergangenheit.
Wilde Spekulationen
Über alternative Szenarien kursieren seit Monaten die wildesten Spekulationen, zu denen sich mit etwas Phantasie weitere Szenarien gesellen könnten. So wird über einen Verkauf nur von Dresdner Kleinwort gerätselt, wobei man sich fragt, wer Interesse an einer mittelgroßen und nicht sehr ertragsstarken Investmentbank besitzen sollte. Alternativ wird über einen Verkauf der gesamten Bank (zum Beispiel an die Deutsche) oder umgekehrt den Hinzukauf einer weiteren Bank (etwa der Postbank) spekuliert.
Was mit der Dresdner Bank geschehen wird, wissen die Macher in München möglicherweise selbst noch nicht so genau. Eines jedoch ist klar: Die Situation kann auf Dauer nicht so bleiben, wie sie ist.
Geschichte des Abstiegs
Elmar Emde (winterlich)
- 28.02.2008, 18:16 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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