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Drei Billionen Dollar Die Kosten des Irak-Krieges werden verschleiert

16.03.2008 ·  Seit fünf Jahren kämpfen amerikanische Truppen im Irak. Der Krieg ist der teuerste militärische Konflikt, den sich die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg leisten. Aber die Kosten werden verschleiert. Würden die Amerikaner die tatsächliche Belastung kennen, hätten sie womöglich den Krieg längst gestoppt.

Von Rainer Hank
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Seit dem 19. März 2003 kämpfen amerikanische Truppen im Irak. Höchste Zeit, zum fünften Jahrestag des Einmarsches einmal die Kosten des Krieges zu addieren. Allein die Frage mag Militaristen ungehörig erscheinen: Wer wird schon über Geld reden, wenn es um Tod oder Leben, um Freiheit oder Unterwerfung geht. Aber zumindest den Bürgern der Vereinigten Staaten wird niemand das Recht verwehren, den finanziellen Aufwand eines mehr als zweifelhaften militärischen Unterfangens nachzurechnen.

Auf drei Billionen Dollar beziffern Joseph Stiglitz und Linda Bilmes, zwei amerikanische Ökonomen, die Kosten des Krieges. Das klingt viel, aber vorstellen kann es sich niemand. Ursprünglich war die Bush-Regierung von 50 Milliarden Dollar ausgegangen. So viel geben die Amerikaner unterdessen alle drei Monate für ihren Krieg aus. Zum Vergleich: Drei Billionen oder 3000 Milliarden Dollar sind in etwa so viel wie das deutsche Bruttosozialprodukt des vergangenen Jahres: Die Summe aller hierzulande produzierten Waren und Dienstleistungen.

400.000 Dollar je Soldat im Jahr

Die Summe, die Amerika täglich für den Krieg ausgibt, würde reichen, um 160.000 Studenten ihr Studium zu finanzieren oder 14.000 zusätzliche Polizisten zu beschäftigen. Wie kommen die Autoren auf ihre Zahlen? Es ist die Addition aller Kosten für Waffen, Sold, Medizin, zuzüglich der Versicherungsleistungen für Veteranen oder Hinterbliebene und einer Vielzahl weiterer Posten.

Kein Wunder, dass die Rechnung der beiden Ökonomen (deren Buch "Der-Drei-Billionen-Dollar Krieg" im Mai auf Deutsch erscheint) äußerst umstritten ist. Die Kritik kann berechtigt sein, ändert freilich nichts an der Tatsache: Der Krieg im Irak ist der teuerste militärische Konflikt, den sich die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg leisten. Einen Soldaten ein Jahr im Zweistromland zu halten, kostet heute 400.000 Dollar, verglichen mit 50.000 Dollar im Zweiten Weltkrieg. Das mag man schlechten Gewissens sogar Fortschritt nennen, spiegelt sich darin doch vor allem die teurere und also bessere medizinische Versorgung der Verwundeten. Auch Rekrutierungskosten richten sich nach Angebot und Nachfrage: Je unappetitlicher der Krieg, umso höher wurde der Aufwand. Und Söldner aus aller Welt, welche von privaten Sicherheitsunternehmen gestellt werden, fallen mit 1000 Dollar pro Tag auch nicht gerade unter den Mindestlohn üblicher Zeitarbeitsfirmen.

Belastung für künftige Generationen

Ist der Krieg seinen Preis wert? Das mag man, je nach politischer Einstellung, unterschiedlich beantworten. Gewiss, Sadam Hussein ist tot und kann künftig keine Massenvernichtungswaffen bauen (früher hat er es bekanntlich auch nicht getan). Aber vom Anspruch des „Nation Building“ ist bislang nicht allzu viel zu sehen.

Was in jedem Fall bedenklich stimmt, ist die Tatsache, dass die Bush-Regierung es ihren Bürgern ersparen wollte, den Preis des Krieges zu zahlen. Statt die Amerikaner zur Kasse zu bitten, wurden ihnen Steuern erlassen und die Kriegskosten mit billigen Zinsen über hohe Schulden finanziert: Aufgebracht von zumeist ausländischen Gläubigern, rückzahlbar von amerikanischen Schuldnern künftiger Generationen. Noch nicht einmal an der Zapfsäule sollen Kriegslasten anfallen: Subventionen von zehn Dollar je Fass Öl verhindern, dass die Irak-Nachfrage sich stärker im Spritpreis spiegelt.

Der Grund der Verschleierung

So etwas wird man staatlich verordnete Verdrängung nennen müssen. Alles soll so aussehen, als ob das Abenteuer im Orient umsonst zu haben sei. Der Grund für solche Verschleierung ist unschwer zu erkennen: Müssten die Amerikaner die finanzielle Verantwortung heute schon übernehmen, hätten sie womöglich den Krieg längst gestoppt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008, Nr. 11 / Seite 38
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