„Es gibt kein fertiges Konzept oder einen Masterplan für einen Rückzug von der Börse.“ Jörn Kreke, Mitaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender des Hagener Douglas-Konzerns, gab den Aktionären auf der mit Spannung erwartenden Hauptversammlung schon nach wenigen Minuten erste Hinweise darauf, dass es zu ihren Fragen allzu viele Antworten nicht geben werde.
Vor dem spärlich besetzten Saal der Essener Grugahalle erläuterten er und sein Sohn, der Vorstandsvorsitzende Henning Kreke, nochmals die Überlegungen der Familie: Danach könne es wegen der anstehenden Sanierung der Buchhandelskette Thalia Sinn machen, die Anteile mit Hilfe von Finanzinvestoren als mögliche Partner auf Zeit (darunter BC Partners) aufzustocken und den Einfluss zu erhöhen. Es sei aber nie zwingendes Ziel der Gespräche gewesen, Douglas von der Börse zu nehmen, wurde versichert.
Kleinaktionäre zeigen sich enttäuscht
Auch mit dem Engagement des Drogerieunternehmers Erwin Müller bei Douglas hätten die Überlegungen „rein gar nichts“ zu tun. Die Vertreter der Kleinaktionäre zeigten sich enttäuscht von den vagen Informationen. „Wir hatten gehofft, zu erfahren, wohin die Reise geht“ sagte Jella Benner-Heinacher von der Aktionärsvereinigung DSW. Die Motive der Familie Kreke seien aus ihrer Sicht wenig überzeugend. „Auch wir wollen keine Zirkusaktie und keinen Zirkus um Douglas“, sagte sie. Das klinge alles ein wenig nach ungelegten Eiern. Über „desaströse Informationspolitik“ beschwerte sich ein anderer Aktionär.
Müller, er hält gut 10 Prozent der Aktien und hat Optionen auf eine Sperrminorität, verfolgte die Versammlung als aufmerksamer Teilnehmer aus der achten Reihe. Schon vor Beginn hatte er aber gegenüber Journalisten klar gestellt, dass er sich nicht äußern werde. Daran hielt er fest, und zwar trotz mehrfacher Aufforderungen der Aktionärssprecher, doch bitte die Gelegenheit zu nutzen und für mehr Klarheit über seine Pläne zu sorgen.
Als langfristig orientierter Aktionär sei Müller ebenso willkommen wie jeder andere Aktionär auch, versicherte Henning Kreke in seinem Statement. Müller und Douglas seien zwar Wettbewerber und man liege sich als solche sicher nicht täglich in den Armen. „Wir begegnen uns aber dennoch sehr wohl mit dem gebotenen Respekt vor der Leistung des jeweils anderen.“ Die bisher mit Müller geführten Gespräche bezeichnete Jörn Kreke als angenehm.
„Familienklüngel“
Der Hauptaktionär von Douglas, die Oetker-Gruppe, sei regelmäßig über die Pläne der Familie informiert worden, hieß es. Zu möglichen Interessenkonflikten der Krekes als Aktionärs-Familie auf der einen Seite und als Organe der Gesellschaft auf der anderen verwies der Douglas-Chef darauf, dass man sich von Beginn an von zwei unabhängigen Anwaltssozietäten habe beraten lassen. Die besondere Konstellation wurde von verschiedenen Aktionären als „unter Corporate-Governance-Aspekten äußerst schwierig“ kritisiert. Der Vertreter von Union Investment sprach von „Familienklüngel“ und verweigerte daher auch dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Entlastung.
Wegen der anstehenden Maßnahmen zur Sanierung Thalias wird das Vorsteuerergebnis in diesem Jahr „erheblich Federn“ lassen, wie Kreke ankündigte. Das werde sich auch auf die Dividende auswirken, und zwar bis hin zur einmaligen Aussetzung.
Für das Berichtsjahr erhalten die Aktionäre 1,10 Euro je Aktie. Der Douglas-Chef gab sich aber zuversichtlich, dass Thalia nach einer erfolgreichen Restrukturierung in einigen Jahren wieder ein positives Vorsteuerergebnis und auch die Kapitalkosten erwirtschaften könne. Wegen der zunehmenden Bedeutung des Online-Handels in allen Geschäftsfeldern des Handelskonzerns will Douglas einen Bereichsvorstand speziell für den E-Commerce einstellen. Wie jetzt angekündigt wurde, soll von April kommenden Jahres an der gebürtige Amerikaner Nicholas Denisson ins Unternehmen wechseln. Er ist seit 2006 für Amazon in München tätig.