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Kommentar : Der Dollar ist Trumps stärkste Waffe

Der Dollar spielt bis heute eine herausragende und unersetzbare Rolle für die globalen Vermögensmärkte. Bild: EPA

Devisen, Güter, Kredite und Vermögen: Die ganze Welt ist abhängig vom Dollar. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

          Vor fast einem halben Jahrhundert befand der amerikanische Finanzminister John Connally im Gespräch mit Verbündeten kühl: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“ Die Fähigkeit, als Nationalstaat die Weltleitwährung bereitzustellen, sei ein „exorbitantes Privileg“, konstatierte etwa zu jener Zeit der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing. Heute stellen die Europäer und Asiaten ernüchtert fest, dass sie gegen amerikanischen Druck in Wirtschaftsfragen nahezu machtlos sind. Denn eine wirtschaftliche Abkoppelung von den Vereinigten Staaten wäre nicht nur unmöglich, weil die Volkswirtschaften beiderseits des Nordatlantiks und des Pazifiks eng miteinander verflochten sind. Vor allem existierte im internationalen Wirtschaftsleben kaum eine Möglichkeit, ohne die amerikanische Währung auszukommen. Donald Trumps stärkste Waffe ist der Dollar.

          Wie groß dessen Macht nicht nur dort ist, wo amerikanische Wirtschaftsinteressen unmittelbar betroffen werden, zeigen ein paar Zahlen. An 87 Prozent aller globalen Devisengeschäfte ist der Dollar beteiligt, weil allein seine Präsenz einen jederzeit globalen Devisenhandel gestattet. Wer britische Pfund gegen polnische Zloty tauschen möchte, verkauft in der Praxis seine Pfund erst gegen Dollar und erwirbt anschließend mit den Dollar die Zloty.

          Einzigartig ist auch die Bedeutung des Dollars für die Abwicklung des globalen Handels mit Gütern und Dienstleistungen. So werden 60 Prozent der türkischen Einfuhren mit Dollar bezahlt, obgleich nur 6 Prozent der türkischen Einfuhren aus den Vereinigten Staaten stammen. Die Türkei ist lediglich ein Beispiel, in vielen anderen Ländern sieht es nicht anders aus. Ganze Gütergruppen wie Rohstoffe oder große Verkehrsflugzeuge werden nahezu überall in der Welt nur auf Dollarbasis bezahlt.

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          Wenn die Unternehmen eines Landes einen hohen Bedarf an amerikanischer Währung besitzen, müssen die Banken des Landes in der Lage sein, sich mit Dollar einzudecken. Das ist ein Grund, warum in vielen Ländern die Banken hoch in Dollar verschuldet sind. Rund 10 Billionen Dollar betragen die Verbindlichkeiten von Kreditinstituten außerhalb der Vereinigten Staaten in amerikanischer Währung. In diesen Bankbilanzen finden sich viele Dollarkredite an Unternehmen, die damit Einfuhren finanzieren wollen, aber selbst keine Erlöse in der amerikanischen Währung haben.

          Die Amerikaner scheuen sich nicht, ihre Macht zu nutzen

          Der Dollar spielt ebenfalls eine herausragende und bis heute nicht ersetzbare Rolle für die globalen Vermögensmärkte. Als führende Weltmacht, die hochliquide und weitgehend unregulierte Kapitalmärkte bereitstellt, haben sich amerikanische Staatswertpapiere als die beliebteste sichere Kapitalanlage für Anleger aus allen Himmelsrichtungen erwiesen. Nicht zufällig entfallen rund zwei Drittel der von Notenbanken gehaltenen Währungsreserven auf den Dollar. Und kein großer privater Investor oder Staatsfonds kann es sich leisten, nicht auch Geld in den Vereinigten Staaten anzulegen. Nach Schätzungen drückt dieses „exorbitante Privileg“ einer Fluchtwährung die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen um nahezu einen Prozentpunkt.

          Die Vereinigten Staaten haben es verstanden, dieses Privileg in ein einträgliches Geschäftsmodell zu verwandeln. Während sie Ausländern zu überwiegend niedrigen Zinsen Anleihen und Bankguthaben in Dollar anbieten, legen sie international vor allem in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien an, für die sie höhere Renditen vereinnahmen, als sie Ausländern für deren Zinsanlagen in Amerika zahlen. Daher stellt die hohe Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten keine schwere Bürde dar: Die Gläubiger geben sich mit niedrigen Zinsen zufrieden.

          Die Amerikaner scheuen sich auch nicht, ihre Macht zu nutzen. Als ihre Großbanken in der Finanzkrise wackelten, ordnete die Regierung schnurstracks Staatsbeteiligungen an, die ein ordnungspolitischer Graus, aber realpolitisch ein probates Mittel waren, die Banken in einem kritischen Moment zu kräftigen. Ausländische Rivalen konnten nicht mehr mithalten. Heute sind die amerikanischen Banken in der Wall Street wie auf den internationalen Kapitalmärkten unangefochtener als vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Geldpolitik der Fed beeinflusst wie eh und je die Finanzierungsbedingungen rund um den Globus.

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          Alle Unkenrufe über ein bevorstehendes Ende der amerikanischen monetären Dominanz haben sich als haltlos erwiesen. Die französische Idee, den Euro als eine Alternative zum Dollar zu etablieren, hat mit der Euro-Krise einen schweren Rückschlag erlitten. Nicht erstaunlich wäre, wenn die Idee in der aktuellen Lage aus der Versenkung geholt würde, aber auch dann wären die Mittel nicht erkennbar, sie zu realisieren. Der Yen hat sich eine ansehnliche Rolle als Regionalwährung in Ostasien bewahrt, aber er kann die globale Dominanz des Dollars nicht herausfordern. Und die chinesische Währung bleibt, der Größe des Landes zum Trotz, keine Alternative, solange die Kommunisten in Peking ihre Finanzmärkte nicht im selben Maße deregulieren wie die Amerikaner. Der Dollar bleibt der König.

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          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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