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Verärgerter Trump : „John, ich will Zölle“

  • Aktualisiert am

Er will Zölle und ist verärgert: Donald Trump im Oval Office Bild: Reuters

Was denkt Donald Trump über China und den Handel mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt? Jetzt sind Details über ein pikantes Treffen im Oval Office bekannt geworden, in dem sich der Präsident gehörig aufregt – auch über seine Mitarbeiter.

          Wie hält es der amerikanische Präsident nun mit China? Im Wahlkampf und nach seinem Sieg schimpfte er mehrfach und lautstark über die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt – das Handelsverhältnis zwischen beiden Ländern betrachtetet er als katastrophal für die Vereinigten Staaten. Und er versprach ebenfalls nicht nur einmal, er werde dagegen vorgehen und zwar schnell. Tatsächlich passiert ist bislang hingegen wenig, zumindest nicht in Form beispielsweise von neuen Zöllen auf die Einfuhr chinesischer Waren nach Amerika. Stattdessen hat Trump seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer angewiesen, zu untersuchen, ob er gegen China vorgehen müsse – eine Prozedur, die mehrere Monate dauern kann, vielleicht sogar ein Jahr, mit unabsehbarem Ergebnis.

          Nun ist bekannt geworden, dass Trump möglicherweise sehr sauer auf einige seiner engsten Mitarbeiter ist und sich vielleicht doch ein härteres Vorgehen gegen China gewünscht hätte. Das berichtet das Nachrichtenportal Axios und beschreibt dabei detailliert eine Zusammenkunft Trumps mit engen Mitarbeiter im Oval Office. Das Treffen soll in der Woche gewesen sein, in welcher der frühere General John Kelly seinen Dienst als neuer Stabschef des Präsidenten begann. Mit dabei waren demnach neben Kelly, der neben Trump hinter dem Schreibtisch gestanden habe, sein Handelsbeauftragter Lighthizer, sein Handelsberater Peter Navarro, sein oberster Wirtschaftsberater John Cohn und sein gerade entlassener Chefstrage Steve Bannon. Sie alle saßen vor dem Schreibtisch, heißt es in dem sehr detaillierten Bericht.

          „Globalisten hier im Raum“

          Dann habe Trump das Wort ergriffen und an seinen Stabschef gerichtet, aber tatsächlich an alle Anwesenden gesagt: „John, du warst nicht in den Handelsdiskussionen bislang, deswegen möchte ich meine Sicht mit dir teilen. Während der letzten sechs Monate kommt diese Gruppe von Genies hier immer wieder herein und ich sage ihnen ,Zölle, ich will Zölle'. Und was machen sie? Sie brachten mir IP (das steht für Intellectual Property, geistiges Eigentum, A.d.R.). Ich kann keine Zölle auf geistiges Eigentum erheben.“ Und Trump habe ergänzt: „China lacht über uns. Lacht.“ Kelly wiederum habe geantwortet: „Ja Sir, ich verstehe, Sie wollen Zölle.“

          Ein Mitarbeiter habe daraufhin Trump gefragt, ob er den Auftrag an seinen Handelsbeauftragten Lighthizer, Chinas Gebaren zu untersuchen, nun doch nicht unterschreiben wolle – was darauf schließen lässt, wann das Treffen gewesen sein muss. Trump habe gesagt, er werde das unterschreiben, aber hinzugefügt, dass das nicht das gewesen sei, was er hätte haben wollen. Und dann habe Trump, wieder an Kelly gewandt, gesagt: „Deshalb, John, möchte ich, dass du weißt, das hier ist meine Sicht. Ich will Zölle. Und ich will, dass mir jemand irgendwelche Zölle bringt.“

          Und gegen Ende des Treffens sagte Trump es offenkundig noch einmal ähnlich, diesmal sogar mit direkter Kritik an ranghohen Mitarbeitern. „John, lass mich dir erklären, warum sie mir diese Zölle nicht bringen. Ich weiß, dass einige Leute in diesem Raum jetzt verärgert sind. Ich weiß, dass es einige Globalisten jetzt gerade in diesem Raum gibt. Und sie wollen sie nicht, John, sie wollen keine Zölle. Aber ich sage dir, Ich will Zölle.“

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          Das Wort Globalist ist ein Begriff, den so beispielsweise Steve Bannon immer wieder verwenden soll, wenn er etwa die wirtschaftlichen Sichtweisen von Gary Cohn und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner beschreibt – und ihnen dabei vorwirft, eine liberale und eher für Freihandel stehende Haltung zu vertreten. Das Weiße Haus hat den Bericht nicht dementiert, im Gegenteil: Ein Sprecher sagte Axios: „Der Präsident war sehr klar in über seine Agenda in Bezug auf Handel. Diskussionen über bestimmte Zölle und Handelsvereinbarungen gehen weiter und haben bereits Ergebnisse gebracht in vielen positiven Entwicklungen.“

          Nicht klar ist hingegen, woher Axios den detaillierten Bericht des Treffens hat. Die Seite nennt nur mit dem Treffen vertraute Personen. Klar ist hingegen, was sich personell seither verändert hat – Steve Bannon ist nicht mehr Trumps Chefstratege, sondern zurück zur rechten Nachrichtenseite Breitbart gewechselt, wo er seine Hände wieder „an den Waffen“ habe.

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