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Trump-Kommentar : Die Dumpingfrage

Mächtige unter sich: Donald Trump mit dem chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping. Bild: AP

Donald Trump macht ernst: Er verteuert Produkte, die vor allem chinesische Hersteller nach Amerika liefern. Das muss die Amerikaner nicht freuen.

          Donald Trump verhängt Strafzölle – zunächst auf Waschmaschinen und Solarmodule. Getroffen wird vor allem: China. Die Begründung formuliert Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer, ein erprobter Haudegen auf diesem Gebiet, so: Die preisgünstigen Einfuhren hätten den amerikanischen Herstellern „ernsthaften Schaden“ zugefügt.

          Eskaliert jetzt ein Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt? Überraschend wäre das nicht. Der amerikanische Präsident warf den Chinesen gerade in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters vor, Ideen zu klauen und drohte ihnen einen Geldstrafe an: „Wir sprechen über einen hohen Schadensersatz. Wir sprechen über Zahlen, über die Sie noch nicht einmal nachgedacht haben.“ Auf die Nachfrage der Journalisten, ob nun doch ein Handelskrieg ausbrechen könnte, schloss Trump das ausdrücklich nicht aus. „Ich denke nicht, ich hoffe nicht. Aber wenn es so ist, dann ist es so.“

          Aus Peking verlautete zuvor zunächst, China werde womöglich künftig weniger amerikanische Staatsschuldtitel kaufen. Zudem stufte die chinesische Ratingagentur Dagong – nicht zufällig – die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten herab auf dasselbe Niveau, auf dem sich derzeit Peru und Turkmenistan befinden. Und nun also Strafzölle auf Waschmaschinen und Solarmodule.

          Niedrige Preise haben auch Vorteile für die Amerikaner

          Natürlich steht es Trump und seinem Handelsbeauftragten frei, Preise zu niedrig zu finden, die ausländische Unternehmen verlangen. Sie sind übrigens auch nicht die ersten, die der Volksrepublik Dumping vorwerfen. Allerdings gibt es darauf auch eine andere Sicht, die viele Ökonomen teilen: Niedrigere Preise sind gut für diejenigen, die diese Produkte kaufen. In diesem Fall für im Grunde jeden Amerikaner, der sich eine Waschmaschine oder Solarmodule kaufen möchte und dafür durch das günstige Angebot aus dem Ausland offenkundig weniger Geld ausgeben muss als für die Angebote der heimischen Hersteller. Natürlich „schadet“ den Produzenten der niedrigere Preis ihrer Wettbewerber, aber das ist in einer Marktwirtschaft so, das ist ein wesentliches Wettbewerbselement.

          Und auch wenn es speziell um Dumping geht, lässt sich dieses Argument anwenden: Wenn eine ausländische Regierung nachhilft und Waschmaschinen subventioniert, die dann in Amerika billig verkauft werden – bitteschön, Geschenke sind willkommen, wieso denn nicht?

          Natürlich muss man das nicht so sehen. Natürlich kann die amerikanische Regierung Einfuhren verteuern, die Welthandelsorganisation wird sie jedenfalls nicht daran hindern. Gerade Trump hat viele seiner Stimmen von Amerikanern bekommen, deren Arbeitsplätze wegen billiger Konkurrenz aus dem Ausland weggefallen sind. Und natürlich kommt es immer auch darauf an, wie zentral die jeweilige Branche für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes gerade ist – die Führung in Peking beispielsweise stuft die Technologiebranche als extrem bedeutend ein und erhebt auf Dienste etwa von Google und Facebook keine Zölle, sondern lässt sie in China überhaupt nicht zu. Die Frage hier ist allerdings: Fallen auch Waschmaschinen und Solarmodule in diese Kategorie?

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