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DIW-Chef Marcel Fratzscher : „Der IWF ist der letzte Rettungsanker für Ankara“

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Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Bild: dpa

Nur ein Kredit des Internationalen Währungsfonds könne der Türkei noch helfen, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die deutsche Wirtschaft warnt vor Risiken für den Welthandel.

          Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält in der türkischen Währungskrise ein Einschreiten des Internationalen Währungsfonds (IWF) für notwendig. „Der Internationale Währungsfonds ist der letzte Rettungsanker für Ankara“, sagte Fratzscher der „Passauer Neuen Presse“.

          Es deute vieles darauf hin, dass die Türkei Notkredite brauche, sagte der DIW-Chef. Dann bleibe dem türkischen Staatschef Recep Tayyp Erdogan „keine andere Wahl, als den IWF um Hilfe zu bitten“.

          Ein Rettungsprogramm des IWF wäre zugleich eine große Chance, sagte Fratzscher. „Der Fonds hat verbindliche Regeln und könnte konkrete Bedingungen stellen. Erdogan müsste sich deutlich zurücknehmen, viele seiner falschen Entscheidungen müssten revidiert werden“, sagte Fratzscher. „Der IWF hätte den Hebel, den türkischen Präsidenten in die Schranken zu weisen und damit wieder für wirtschaftliche aber auch mehr politische Stabilität zu sorgen“, fügte der DIW-Chef hinzu.

          Sorgen unter den deutschen Unternehmen

          Unmittelbare wirtschaftliche Risiken für Europa sieht Fratzscher durch den Währungsverfall in der Türkei nicht. „Es gibt keine akute Ansteckungsgefahr“, sagte er, warnte aber vor möglichen politischen Folgen. „Erdogan wird versuchen, die hausgemachten Probleme zu nutzen, um externe Konflikte anzuheizen“, sagte Fratzscher. Ankara könne etwa damit drohen, den Flüchtlingsdeal mit der EU platzen zu lassen und seine Grenzen für Flüchtlinge öffnen. Die EU sei „gefangen“, dürfe „sich aber nicht erpressen lassen“.

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          Der Präsident des Bundesverbands Großhandel Außenhandel Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, sieht durch die türkische Währungskrise Risiken für den Welthandel. Mit der Krise komme „nun ein weiterer Störfaktor zu dem unheilvollen Mix aus Handelsstreitigkeiten und gegenseitigen Strafzöllen hinzu“, sagte Bingmann der „Heilbronner Stimme“ vom Dienstag. Damit stiegen Unsicherheit und Instabilität und damit die Risiken für Welthandel und Weltwirtschaft.

          „Die weltweite Vernetzung und die Integration in die globalen Handelsströme, die internationalen Produktions- und Lieferketten sowie die Finanzströme sind Basis unseres Wohlstands und zugleich auch dessen Achillesferse“, betonte Bingmann. Speziell für Deutschland halte er die Auswirkungen der Währungskrise in der Türkei derzeit aber für überschaubar.

          Die türkische Lira hatte zuletzt massiv an Wert verloren. Getrieben wird der Fall der Lira durch den erbitterten Streit mit den Vereinigten Staaten um die Inhaftierung des amerikanischen Pastors Andrew Brunson. Präsident Donald Trump dringt auf die Freilassung des evangelikalen Geistlichen, der in der Türkei wegen Spionage- und Terrorvorwürfen angeklagt ist. Anfang August verhängte Trump in dem Fall Sanktionen gegen zwei türkische Minister, woraufhin die Lira Anfang vergangener Woche massiv einbrach. Der Absturz der türkischen Währung sorgt weltweit für Unruhe.

          Hinter den Kulissen laufen offenbar Bemühungen um eine Lösung der Krise. Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton sei mit Botschafter Serdar Kilic auf dessen Wunsch hin zusammengekommen, sagte eine Sprecherin des amerikanischen Präsidialamtes. Dabei sei es um die Festsetzung des Pastors Brunson und den Zustand der beiderseitigen Beziehungen gegangen. Details wurden nicht bekannt.

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