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Aldi und Lidl : Discounter buhlen mit Mode um ein besseres Image

Die amerikanische Sängerin Anastacia bringt gemeinsam mit Aldi Süd eine exklusive Fashionkollektion heraus. Bild: ALDI SÜD

Die jüngste Runde im Wettkampf zwischen den Erzrivalen Aldi und Lidl wird nicht über die Preise ausgetragen. Stars entwerfen günstige Kleiderkollektionen. Für Aldi Süd muss Anastacia ran, Lidl holt sich Heidi Klum an die Seite.

          Im Kölner E-Werk nimmt Aldi Süd an diesem Abend so einigen Aufwand auf sich, um der gemeinsam mit der amerikanischen Sängerin Anastacia entworfenen Modekollektion zu größtmöglicher Aufmerksamkeit zu verhelfen. Zehn Models stellen in der Konzerthalle die Kleidungsstücke im sogenannten Glam-Rock-Stil vor: Eng geschnittene Jeans mit Nieten und Löchern, Biker-Jacken und T-Shirts mit Glitzersternchen in den Farben Schwarz, Grau und Dunkelrot.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Gleichzeitig wird eine Art Mini-Konzert geboten. Anastacia singt neun Lieder, darunter exklusiv einige ihres neuen Albums, das sie praktischerweise über die Musik-Streamingplattform des Discounters direkt mit vermarktet. Für das Konzert hat Aldi Süd 600 Karten verlost und dabei neben Kanälen wie Zeitschriften, der eigenen Internetseite und Facebook auch Fashion-Blogger einbezogen.

          Auf den Wühltischen der 1870 deutschen Filialen sind die 7,99 Euro bis 29,99 Euro teuren Kleidungsstücke, die alltagstauglich, aber nicht besonders außergewöhnlich daherkommen, vom 14. September an erhältlich. Produziert wurden sie in China, Bangladesch und Vietnam. Auch mit Designerin Jette Joop und Fernsehmoderator Daniel Aminati hat Aldi Süd in der Vergangenheit bereits Modeartikel kreiert. Die Kollektionen mit Unterstützung durch Designer und Stars kämen bei den Kunden „mehr als gut“ an, sagt Kim Aline Suckow, stellvertretende Geschäftsführerin im Einkauf von Aldi Süd.

          Aldi verkauft Designer-Mode : Joop-Kollektion sorgte 2016 für Gedränge im Discounter

          Bomberjacken und Spitzentops, ersonnen mit Heidi Klum

          Nicht weniger prominente Verstärkung hat sich Konkurrent Lidl an die Seite geholt. Ebenfalls am nächsten Donnerstag wird zur New York Fashion Week die mit Model Heidi Klum ersonnene Modelinie präsentiert, die vom 18. September an in 28 Ländern zu haben sein wird. Versprochen werden Blazer im Leopardenmuster, Bomberjacken und Spitzentops. „Lidl wurde bisher nicht automatisch mit ,High Fashion‘ in Verbindung gebracht“, konstatiert Jan Bock, Einkaufsleiter für Deutschland. Mit Heidi Klum solle sich dies nun ändern. In der „etablierten Fashion-Welt“ werde die Kollektion auffallen, lautet das ehrgeizige Ziel. Die Preise liegen mit 8 bis 25 Euro auf dem Niveau der Anastacia-Serie, teurer ist nur eine Lederjacke mit 60 Euro.

          Mit solchen Kollektionen wollen die beiden Discounter nicht nur ihr wichtiges Geschäft mit der Mode ankurbeln, zählen Aldi und Lidl doch zu den zehn größten Textilhändlern hierzulande. Die Unternehmen hätten vor allem eine Steigerung der Kundenfrequenz im Blick, sagt GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. „Gefragt ist ein zusätzlicher Impuls, um Verbraucher häufiger in die Läden zu locken.“ Die Modekollektionen zielten besonders auf die jüngere, weibliche Zielgruppe.

          Die Zusammenarbeit mit den Prominenten ist zudem als Teil der sogenannten Trading-up-Strategie zu sehen. Ebenso wie die ehrgeizigen Investitionsprogramme für die Läden und der Ausbau des Frische- und Markensortiments soll die Bekanntheit der Stars das Image der Billiganbieter aufwerten. Mit einer Reihe von Maßnahmen hatten die Discounter auf das Wiedererstarken der klassischen Supermärkte reagiert, die ihnen nach jahrelangem Siegeszug plötzlich wieder Geschäft abspenstig machten. Diesen rückläufigen Trend konnten Aldi & Co im vergangenen Jahr erstmals wieder stoppen.

          Discounter kommen näher an die herkömmlichen Supermärkte heran

          Im bisherigen Jahresverlauf sieht die GfK die Discounter eindeutig als Gewinner im Lebensmittelhandel. Mit einem Umsatzplus von 4,8 Prozent bis einschließlich Juli sind sie stärker als die Branche (plus 2,7 Prozent) gewachsen und haben ihren Marktanteil folglich ausgebaut. Die Vollsortimenter wie Edeka und Rewe legten dagegen nur um 2,7 Prozent zu, und die SB-Warenhäuser mussten eine Einbuße von 1,8 Prozent hinnehmen. Die Discounter seien weiter an die klassischen Supermärkte herangerückt, auch durch eine auf jüngere Verbraucher zielende Serviceoffensive, konstatiert Adlwarth.

          Vor allem Aldi Süd fiel in der letzten Zeit durch Meldungen fast im Wochentakt auf: eine Internetplattform für Videospiele, das Aus für Einwegtüten (beides gemeinsam mit Aldi Nord), der Verkauf krumm gewachsener Möhren, die Verpachtung von Grundstücksteilen an Tankstellen, temporäre Weinpavillons und das Aldi-Bistro, das nach erster Station in Köln nun im Oktober in München eröffnen soll.

          Lidl plant für 2018 in Amerika bis zu 100 Filialen zu eröffnen

          Für Lidl dürften bei der Zusammenarbeit mit Heidi Klum auch die Ambitionen auf dem amerikanischen Markt eine große Rolle spielen. In diesem Sommer wurden dort die ersten Läden eröffnet. Im kommenden Jahr sollen bis zu 100 Lidl-Filialen entlang der Ostküste entstehen. Die auch in den Vereinigten Staaten äußerst populäre Heidi Klum soll den Namen des Anbieters aus Neckarsulm bekannter machen. Aldi Süd ist schon seit 1976 auf dem nordamerikanischen Markt vertreten und betreibt inzwischen rund 1700 Standorte. Im Juni wurde eine Beschleunigung der Expansion verkündet. In den kommenden fünf Jahren soll die Zahl der Filialen auf etwa 2500 klettern. Damit wäre Aldi Süd der drittgrößte Lebensmittelhändler des Landes nach Wal-Mart und The Kroger. Auch das Bestellen im Internet mit anschließender Lieferung der Einkäufe nach Hause will der Discounter künftig anbieten.

          Quelle: F.A.Z.

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