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Direktinvestitionen Chinas Unternehmen streben nach Europa

13.02.2012 ·  China investiert riesige Beträge in Unternehmen und Fabriken in Europa - im vergangenen Jahr waren es 10,4 Milliarden Euro. Nun hofft die EU auf konkrete Hilfszusagen bezüglich des Euro-Rettungsfonds.

Von Christian Geinitz
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© F.A.Z.

In keiner anderen Region der Welt haben chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr mehr investiert als in Europa. Während sich die EU Hoffnung auf eine Beteiligung der Chinesen am Eurorettungsfonds macht, legen die Asiaten ihr Geld lieber in Unternehmen und Fabriken an. Wie bisher unveröffentlichte Zahlen vor Beginn des EU-China-Gipfels an diesem Dienstag in Peking zeigen, gab China 2011 rund 68 Milliarden Dollar für Direktinvestitionen im Ausland aus. Davon flossen 15 Prozent oder 10,4 Milliarden nach Europa. Berücksichtigt man nur die Fusionen und Übernahmen, waren es sogar 34Prozent.

„Europa hat die Liste noch nie angeführt“, sagt André Loesekrug-Pietri, Gründer der Beteiligungsgesellschaft Asia Capital in Peking. „Das Interesse Chinas ist gigantisch gewachsen.“ Sein Unternehmen, das sich als führende Fondsgesellschaft zur Beteiligung an chinesischen Direktinvestitionen versteht, hat die Daten aus chinesischen und internationalen Quellen gewonnen und zu einem „Dragon Index“ zusammengeführt. Dieser gibt Anhaltspunkte, dass die fernöstliche Wirtschaft internationaler wird, nachdem sie sich lange aufs eigene Land konzentriert hatte.

Noch ist Chinas Auslandsengagement klein. Doch seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO im Jahr 2001 hat sich der Index, der den Stand der Investitionen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, mehr als verdoppelt. Beschleunigt wurde die Entwicklung 2007, als China seine Internationalisierungsstrategie im Fünfjahresplan verankerte. Bis 2016 rechnet Asia Capital mit 800 Milliarden Dollar zusätzlichen Investitionen.

Hochwertige Technik aus Europa

Dass davon vor allem Europa profitiert, hängt nach Loesekrug-Pietris Ansicht mit dem Interesse der Chinesen an hochwertiger Technik, an Dienstleistungen, Marken und Managementkompetenz zusammen. Für falsch hält der Fachmann den Eindruck, die Geldgeber seien Schnäppchenjäger und wollten die Betriebe „aussaugen“. Der Preis sei für die Chinesen eher nachrangig. Auch bestehe ein wichtiger Teil der Transaktionen aus Minderheitsbeteiligungen in robuste, keinesfalls krisengeschüttelte Betriebe.

Zumindest Teile der Investoren machen sich Europas Schwäche aber gezielt zunutze. „Chinesische Unternehmen sehen derzeit attraktive Möglichkeiten, um Vermögensgegenstände in Europa zu kaufen“, sagte Sun Yongfu, Leiter der Europaabteilung im Handelsministerium, kürzlich auf einem Wirtschaftsforum in Peking. Der Grund dafür seien „die Schuldenprobleme, die zu einer wirtschaftlichen Verlangsamung und zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt haben“. Sun sieht eine chinesische Übernahmewelle voraus, angeführt von Industriebetrieben.

„Unseren Unternehmen mangelt es nicht an Geld. Sie sind sehr daran interessiert, ihre Marken aufzuwerten, die Technologie zu verbessern und das Verkaufsnetz zu erweitern“, ist Sun überzeugt. China sei zum fünftgrößten Investor der Welt aufgestiegen, noch aber stecke das Engagement in den Kinderschuhen. Kürzlich hatte auch Ministerpräsident Wen Jiabao versichert, China wolle Europa in der Schuldenkrise keinesfalls „aufkaufen“.

Die Krise überstrahlt das Gipfeltreffen der EU mit China an diesem Dienstag in Peking. Während ihres Besuchs vor zehn Tagen hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Wen das Versprechen abgeholt, ein stärkeres Engagement in den Rettungsfonds EFSF und ESM zumindest zu erwägen. Auf dem Gipfel nun hoffen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf präzisere Zusagen.

Das könnte vergeblich sein, denn die Gastgeber haben schon manche Zusage gemacht - etwa beim Kauf von Staatsanleihen der Wackelländer -, dann aber nicht eingehalten. Doch diesmal meinen sie es möglicherweise ernst, denn die Krise im Hauptexportmarkt Europa dämpft Chinas Konjunktur. Im Januar ist der Außenhandel, der den Aufschwung trägt, zum ersten Mal seit der Finanzkrise gefallen. Zudem stieg die Inflation.

Deutschland ist für chinesische Direktinvestitionen besonders interessant. Jüngstes Beispiel ist der Baumaschinenhersteller Sany. Zunächst errichtete die Gruppe aus Changsha für 100 Millionen Euro in Nordrhein-Westfalen eine Fertigung von Betonpumpen, dann kaufte sie für rund 320 Millionen Euro den schwäbischen Weltmarktführer Putzmeister. Beim Stand der Direktinvestitionen rangiert China nach Angaben der Bundesbank erst auf Platz 12 hinter Kanada und Russland. Bei der Zahl neuer Vorhaben aber liegt die Region ganz vorn.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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