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DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann „500.000 Euro für die Bundeskanzlerin“

Deutsche Spitzenpolitiker verdienen zu wenig, findet Kölln-Flocken-Unternehmer Driftmann. Im Interview mit der F.A.Z. lehnt er eine Obergrenze für Vorstandsgehälter und eine Reichensteuer ab.

© Mutter, Anna Hans Heinrich Driftmann in seinem Betrieb: Die Peter Kölln AG stellt die bekannten Hafer-Flocken her

Herr Driftmann, die Dax-Vorstandschefs haben 2011 im Schnitt 6,1 Millionen Euro verdient. Ist das gerecht?

Die Frage nach der Gerechtigkeit ist schwer zu beantworten. Das ist eine Frage der Maßstäbe. Auch für einen mittelständischen Unternehmer sind das riesige Dimensionen. Aber der Personenkreis ist überschaubar, in der Wirtschaft, in der Kunst oder im Sport. Überall gibt es nur wenige Spitzenkräfte, die exorbitant verdienen.

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VW-Chef Martin Winterkorn kommt auf 17 Millionen. Hat er das verdient?

Das ist sicher sehr viel Geld. Aber solche Spitzenkräfte bestimmen über ihr Gehalt ja nicht alleine. Dafür gibt es Gremien, in denen Anteilseigner und auch die Gewerkschaften sitzen. Die werden wohl ihre Gründe dafür haben.

Der Präsident der Familienunternehmer, Lutz Goebel, sagt: Bei 5 Millionen Euro müsse Schluss sein.

5 Millionen Euro können zu viel oder zu wenig sein. Auch für Großunternehmen brauchen wir Topmanager, die mit allen Wassern gewaschen sind. Dieser Personalmarkt ist international. Da es einen so kleinen Personenkreis betrifft, lohnt es nicht, über Regularien nachzudenken.

Zugleich wird debattiert, ob der Bundespräsident 200.000 Euro Ehrensold behalten darf. Lohnt das die Diskussion?

Beim Bundespräsidenten und anderen Spitzenpolitikern geht es darum, dass sich jemand, der das Amt übernimmt, keine finanziellen Sorgen machen muss. Er soll in seiner Amtszeit keine Kompromisse schließen müssen, die ethisch vielleicht nicht vertretbar sind oder sein könnten.

Die Kanzlerin kommt samt halbierter Abgeordnetendiät auf knapp 23.000 Euro im Monat. Das ist vielleicht weniger als ein Investmentbanker nach Hause bringt, aber wesentlich mehr, als die meisten Ihrer Mitarbeiter bei Kölln oder hier im DIHK im Monat bekommen.

Die Spitzen unsere politischen Verantwortungsträger verdienen eher zu wenig als zu viel. Der Geschäftsführer eines Unternehmens mit mehr als 1000 Mitarbeitern kommt oft auf eine halbe Million Euro im Jahr, eher auf mehr. Dann sollte jemand, der die Verantwortung einer Bundeskanzlerin trägt, auch nicht schlechter gestellt sein. Wer so viel arbeiten muss, wer Privates und Persönliches über lange Zeit so hintanstellen muss, der muss dafür auch gut entgolten werden.

Eine halbe Million Euro hielten Sie für die Bundeskanzlerin angemessen? Mehr als eine Verdoppelung der Bezüge?

Die wichtigsten Verantwortungsträger unserer Republik müssen anständig bezahlt werden. 500.000 bis 600.000 Euro für die Kanzlerin wären eine solche Größenordnung. Davon müsste allerdings die Altersvorsorge bezahlt werden.

Sollten dann auch die Ämter so ausgestattet werden, dass die Wirtschaft keine Gartenfeste mehr sponsern muss?

Das ist Geschmackssache. Ich bin gegen gesponserte Feste. Wenn der Staat repräsentieren muss, dann sollte er dafür aufkommen. Ich habe jeden Tag einen Stapel Anfragen auf dem Tisch, wo Institutionen, nicht nur staatliche, um Spenden oder Unterstützung bitten.

Am unteren Ende der Einkommensskala stehen Schlecker-Mitarbeiterinnen, denen die Arbeitslosigkeit droht. Sollten die geplanten Transfergesellschaften staatliche Unterstützung bekommen?

Das ist in der Regel nicht die Aufgabe des Staates - zumindest nicht jenseits der Leistungen der Arbeitsagenturen. Wer es mit sozialer Marktwirtschaft ernst meint, muss den Markt wirken lassen. Wir sollten nicht vergessen, dass überall händeringend nach Arbeitskräften gesucht wird.

Noch einmal zu den oberen Zehntausend. Sollten die von ihrem Reichtum etwas mehr abgeben?

Von einer Reichensteuer halte ich gar nichts. Über 90 Prozent dieser angeblich Reichen sind Mittelständler, meist Personengesellschaften, die das Geld dringend brauchen, um zu investieren, Arbeitsplätze zu schaffen, innovativ zu sein. Wollen wir darauf verzichten?

Es gibt Millionäre, darunter Michael Otto vom gleichnamigen Versandhaus, die öffentlich eine höhere Besteuerung, eine Vermögensabgabe, verlangen.

Manchmal scheinen mir solche Vorschläge vor allem eine PR-Aktion zu sein.

Was unterscheidet Ihre Lage von der von Herrn Otto?

Mein Unternehmen ist viel kleiner. Bei uns gab es die letzte betriebsbedingte Kündigung Anfang des 20.Jahrhunderts, wir haben auch während der Krise Gehaltserhöhungen gezahlt. Meine Mitarbeiter haben von der Krise nichts gemerkt.

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