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Digitalisierung : Die wichtigsten Antworten zum schnellen Internet in Deutschland

  • Aktualisiert am

Glasfaseranschlüsse in einem Verteilerkasten in Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Wie geht der Breitband-Ausbau voran? Welche Region ist von der Zukunft besonders abgehängt? Und wie geht es weiter? Ein Überblick.

          Eine schnelle Internet-Infrastruktur ist wichtig für die Zukunft  - darüber sind sich die Länder in Europa einig. Während des Digitalgipfels im estnischen Tallinn haben Angela Merkel und ihre Kollegen vor allem über den Ausbau leistungsfähiger Breitband-Netze gesprochen. Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen, wenn es in diesem Zusammenhang um Deutschland geht:

          Wo steht Deutschland aktuell beim Breitband-Ausbau?

          Im Vergleich etwa zu Estland oder Finnland oder vielen Ländern in Asien nimmt Deutschland ist Deutschland kein Vorreiter, wenn es um den Ausbau schneller Internetleitungen geht. Gut drei Viertel aller Haushalten (Stand Sommer 2017) sind mit Breitbandleitungen von mindestens 50 Megabit pro Sekunde ausgestattet - das ermittelte der TÜV Rheinland im Auftrag des Verkehrsministeriums. Geschwindigkeiten oberhalb von 50 Megabit in der Sekunde, die in anderen Ländern bereits gängig sind, wurden erst gar nicht erfasst. In Deutschland sind vor allem ländliche Gemeinden im Unterschied zu Großstädten abgehängt: Dort verfügen nur gut 40 Prozent der Haushalte über schnelle Leitungen.

          Was sieht der Plan zum Breitband-Ausbau aus?

          Die bisherige Bundesregierung hatte im Jahr 2014 in der Digitalen Agenda das Ziel festgelegt, alle Haushalte bis spätestens zum Jahr 2018 mit Breitbandleitungen von mindestens 50 Megabit pro Sekunde auszustatten. Seit dem Jahr 2015 fördert die Bundesregierung den Ausbau mit viel Geld. Über ein entsprechendes Programm unterstützt sie auch unterversorgte Kommunen. In manchen Regionen gibt es teilweise aber noch großen Nachholbedarf: Dazu gehören Teile der Eifel, des oberbergischen Kreises, das ländliche Umfeld von Freiburg im Breisgau und größere Gebiete um den Bayerischen Wald, im südlichen und östlichen Sachsen sowie vor allem in weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

          Reicht das Ziel der Digitalen Agenda überhaupt?

          Das Ziel war kaum gesteckt, schon galt es für viele als überholt. Wer heute sein „Smart Home“ einrichtet, in seinem W-Lan Musik hört, über das Internet telefoniert und Videos auf Streaming-Angeboten wie Netflix schaut, stößt mit Übertragungsleistungen von 50 Megabit in der Sekunde schnell an Grenzen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte im Sommer, dass man längst „im Gigabit-Bereich denken“ müsse, wenn es um das „Internet der Dinge“, selbstfahrende Autos oder Telemedizin geht. Neben den Bandbreiten spielen hier auch kurze Netzreaktionszeiten („Latenz“) eine Rolle.

          Wo liegen die größten Herausforderungen?

          In sehr vielen Ecken Deutschlands gibt es für den Datenaustausch nach wie vor lediglich langsame Kupferleitungen. Ohne den zügigen Ausbau von Glasfaser-Leitungen dürfte sich der rasant wachsende Bedarf kaum decken lassen. Doch das ist teuer - und kostet Zeit. Bis in jedem Haus in Deutschland Glasfaser zu haben sein wird, könne es sogar 20 Jahre dauern, sagte kürzlich Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom. Die Deutsche Telekom verfolgt deshalb die Strategie, Kupferleitungen auf der „letzten Meile“ mit dem aufzupeppen durch das sogenannte „Vectoring“.

          Was ist Vectoring?

          Wenn über herkömmliche Kupferleitungen verschiedene Signale geleitet werden, treten Störungen oder Überblendungen auf. Diese können mit einem technischen Verfahren namens Vectoring verringert werden. So lassen sich Übertragungsleistungen bis zu 250 Megabit pro Sekunde erreichen. Die Deutsche Telekom bindet inzwischen die grauen Verteilerkästen am Straßenrand häufig per schneller Glasfaser an. Auf den letzten Metern in die Häuser und Wohnungen fließen die Daten in der Regel über Kupferdrähte.

          Wie stehen die Wettbewerber der Telekom dazu?

          Übergangstechnologien wie das Vectoring sind aus Sicht der Telekom-Wettbewerber nicht zukunftsfähig und genügen schon heute nicht den Anforderungen für ein schnelles Netz. Zudem fürchten sie Wettbewerbsnachteile, da beim Vectoring-Verfahren nur ein Anbieter die Kontrolle über die verschiedenen Datenströme in der Leitung haben kann, in der Regel ist das die Telekom. Die Verbände fordern von der Bundesregierung mehr Anreize und ein klares Konzept für den Ausbau von Gigabit-Netzen. 80 Prozent der heute verfügbaren Glasfaserleitungen sind den Verbänden zufolge von den Telekom-Wettbewerbern aufgebaut worden. Inzwischen gibt es neben den Kabelnetz-Betreibern bundesweit auch zahlreiche regionale Anbieter, die schnelle Glasfaserleitungen anbieten. Und der Telekom die Kunden streitig machen.

          Wie geht es weiter?

          Zu einem großen Sprung setzen derzeit die Anbieter im Mobilfunk an. Der neue Standard 5G verspricht eine bis 100 mal höhere Datenrate als heutige LTE-Netze, also bis zu zehn Gigabit pro Sekunde, sowie eine rund tausendfach höhere Kapazität. In Tallin zeigten am Freitag Bosch und Nokia erstmals eine Installation für die Maschinenkommunikation, in welcher Fabrikanlagen und Sensoren über ein 5G-Netz Daten in Echtzeit austauschen. Der Chiphersteller Intel demonstrierte mit den Partnern Ericsson und dem finnischen Telekom-Konzern Telia, wie eine 5G-Verbindung auf einer Passagierfähre das Schiff und die Fahrgäste im Hafen mit Internet versorgt.

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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