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Veröffentlicht: 23.12.2011, 15:43 Uhr

Digitalisierung Die programmierbare Welt kommt

Neben den Menschen werden künftig auch die Maschinen vernetzt. Das „Internet der Dinge“ umfasst dann ebenfalls Autos, Heizungen und Windräder. Es wird tief in bislang nicht-digitalisierte Bereiche eindringen.

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© Unitymedia In den vergangenen 20 Jahren bestimmte der Wettbewerb um die Infrastruktur das Geschehen im World Wide Web.

Das Internet steht vor seiner nächsten großen Welle, wenn sich zum heutigen „Internet der Menschen“ das „Internet der Dinge“ gesellt. Künftig produzieren nicht nur Menschen, sondern auch Milliarden miteinander vernetzte Maschinen Daten, die verarbeitet und analysiert werden müssen. „Big Data“ heißt das passende Schlagwort. Die Zukunft gehört den Unternehmen, die diese Daten nicht nur erheben, sondern strukturiert speichern, auswerten und die richtigen Schlüsse ziehen können. Das klingt einfach, aber die Kombination aus „Big Data“ und Software gilt als die Grundlage für den Erfolg im Internet der zweiten Generation.

Das „Internet der Dinge“ umfasst künftig auch Heizungen

In den vergangenen 20 Jahren bestimmte der Wettbewerb um die Infrastruktur das Geschehen im World Wide Web. Unternehmen wie die Deutsche Telekom, AOL, Cisco, Hewlett-Packard und zuletzt Apple haben für die Infrastruktur gesorgt. Internetleitungen, Netzzugänge, Personalcomputer und nun Smartphones und Tabletcomputer mussten erst einmal vorhanden sein, damit alle Menschen das Internet auch nutzen können. Drei Viertel der Menschen in Deutschland sind jetzt im Internet aktiv; 20 Millionen sogar schon mobil. Smartphones und Tablets sind die Treiber, die das Netz in aller Welt innerhalb eines Jahrzehnts von 2 auf 5 Milliarden Nutzer vergrößern.

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Neben den Menschen werden in diesem Jahrzehnt auch die Maschinen vernetzt. Das „Internet der Dinge“ umfasst künftig auch Autos, Fernseher, Heizungen, medizinische Geräte, Windräder und natürlich Smartphones oder neue Formen tragbarer Computer. 50 Milliarden miteinander vernetzte Geräte könnte es schon im Jahr 2020 auf der Welt geben.

Schwierig zu verfolgende Reise

5 Milliarden Menschen und 50 Milliarden Geräte produzieren kaum vorstellbar große Datenmengen, in deren cleveren Nutzung großes Potential liegt. Naheliegend ist die intelligente Aggregation der Daten in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, um aus den Statusmeldungen zum Beispiel frühzeitig Epidemien herauslesen zu können. Im „Internet der Menschen“ hinterlassen die Menschen auch viele Spuren, die von den Internet-Unternehmen erfasst und analysiert werden. Einfachstes Beispiel: Wer sich bei einem Online-Händler ein Produkt anschaut, aber nicht kauft, erhält in den Wochen danach an verschiedenen Stellen im Internet Werbung für das gleiche Produkt.

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Die hohe Schule ist die Verfolgung der Reise des Konsumenten durch das Internet, „Customer Journey“ genannt. Dabei wird versucht, den Weg des Kunden vom Erstkontakt mit einer Marke über die Produkt- und Händlerrecherche bis zum Kauf zu erfassen, um das Online-Marketing zu perfektionieren, damit der Nutzer nur die Werbung sieht, die ihn interessiert. Mag die Nutzerverfolgung viele Streuverluste beseitigen und auch konform mit dem Datenschutz sein - das Unbehagen vieler Menschen mit dieser Art der Personalisierung im Internet dürfte mit den technischen Möglichkeiten aber steigen.

Enorme Datenmengen

Noch viel mehr Daten als der Mensch wird aber das „Internet der Dinge“ produzieren, weil eingebaute Sensoren künftig einen stetigen Datenstrom liefern. Einfachstes Beispiel sind Verkehrsleitsysteme, die Staus oder Unfälle zuverlässig erkennen und die Fahrer um die Problemstellen herumleiten. Einen Schritt weitergedacht: Das selbstfahrende Auto, das seinen Besitzer durch die Stadt steuert und sich selbständig den nächsten Parkplatz sucht, weil freie Plätze automatisch angezeigt und der Weg dorthin per Satellitennavigation gezeigt wird. Oder der lernende Thermostat, den der iPod-Erfinder Tony Fadell mit seiner neuen Firma Nest Labs entwickelt hat. Das Gerät lernt, wann die Bewohner im Haus sind und regelt die Temperatur entsprechend. Sensoren erfassen, ob sich Menschen im Raum befinden und drehen die Temperatur automatisch herauf oder hinunter. Natürlich lässt sich die Heizung per Smartphone auch von unterwegs einschalten, wenn jemand außer der Reihe nach Hause kommt.

Und noch einen Schritt weitergedacht führt die Aggregation der Daten vieler Häuser zu einer genauen Bedarfsanalyse für die Stromproduktion. Ebenso wie die Verkehrssteuerung kann die intelligente Heizung den Energieverbrauch deutlich senken und beim Klimaschutz helfen.

Die Durchdringung wird tiefer

Ein großes Anwendungsgebiet ist auch das Gesundheitswesen. Per Sensoren lassen sich die Körperfunktionen der Menschen messen und übertragen. Herzpatienten können auf diese Weise lückenlos überwacht werden, um bei Bedarf schnell reagieren zu können - und alle notwendigen Daten sofort verfügbar zu haben.

Egal ob es menschliche Sensoren oder elektronische Sensoren sind - sie alle produzieren Daten, die dann in den großen Rechenzentren (Clouds) aggregiert, ausgewertet und zur Steuerung der Prozesse eingesetzt werden. Das Internet wird in der zweiten Welle also weit über Information- und Kommunikation hinaus tief in die bislang nicht-digitalisierte Bereiche eindringen. Die Welt wird programmierbar.

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