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Digitalisierung an den Schulen : Lehrer sind besser als Computer

  • -Aktualisiert am

Mit iPad an der Tafel: Sind Lehrer und Computer bald Konkurrenten? Bild: dpa

Der Computer drängt in den Unterricht, der neue „Digitalpakt“ ist in aller Munde. Warum der Tablets und Laptops den Lehrer aber niemals ersetzen können.

          Seit dieser Woche ist Deutschland um einen neuen coolen Hashtag reicher. DigitalPakt#D - so lautet der Titel einer großen digitalen Offensive, zu der Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch geblasen hat. Das Ziel: die digitale Ausstattung in den 40.000 deutschen Schulen vorantreiben. Fünf Milliarden Euro sollen in den kommenden fünf Jahren bereit stehen, um die Schulen für das digitale Zeitalter fit zu machen.

          Das klingt alles großartig. Natürlich ist es an der Zeit, dass auch in Schulen digital aufgerüstet wird. In diesem hoch innovativen Bereich ist Stillstand Gift. Und überhaupt, wer kann schon dagegen sein, wenn der Nachwuchs nun nicht mehr nur zu Hause blöd und unproduktiv herum daddelt, sondern in der Schule nun endlich etwas Gescheites mit dem ganzen neuen Technik-Kram anzustellen lernt?

          Na gut, es ist natürlich nicht so schön, wenn die Kleinen jetzt dank Wlan auch in der Schule überall ins Internet und damit Whatsapp benutzen können. Die Konzentration fördert das sicher nicht. Aber immerhin soll es auch eine Menge neuer technischer Geräte geben. Also: Technik gut, alles gut? Und je mehr, desto besser?

          Reale Ereignisse bleiben besser hängen

          Denn die Lehrer, so konnte man dieser Tage wieder hören, seien ja digitale Zauderer, die sich dagegen sträuben, der deutschen Jugend im Unterricht die große weite Welt der Computer und des Internets nahe zu bringen. Warum also nicht so konsequent sein und die Lehrer irgendwann ganz abschaffen und sie durch Computer ersetzen? Bringen Computer den Schülern nicht sowieso viel gezielter Sachen bei?

          Wer sich einmal an die eigene Schulzeit erinnert, der landet früher oder später bei seinen Lieblingslehrern. Vielleicht, weil sie besonders toll erzählen konnten, vielleicht, weil sie besonders für eine Sache brannten. Der Nahe Osten wird plötzlich viel lebendiger, wenn der Lehrer von seinem Leben im Kibbuz erzählt.

          So schaffen Lehrer Begeisterung, wecken Neugierde für ein Thema, das auf den ersten Blick total langweilig oder kompliziert erscheint. Sie können Fragen gezielt beantworten und dafür auch mal auf unkonventionelle Methoden zurückgreifen. Wird Alufolie wirklich nur von einer Seite heiß? Warum das nicht einfach ganz praktisch testen und einen Auflauf backen. Was bleibt wohl eher hängen - wenn diese Info auf einem Bildschirm steht, oder beim gemeinsamen Kochen getestet wird?

          Lehrer als Vertrauensperson

          Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch aus Fleisch und Blut Unterrichtsstoff vermittelt, oder ein Computer. Der kann auch nicht sehen, wenn ein Schüler mal einen schlechten Tag hat. Vor allem Grundschullehrer spielen im Leben eines Kindes eine große Rolle, auch als Vertrauensperson. Wenn zu Hause etwas schiefläuft, können sie eingreifen. Und auch bei den älteren Schülern müssen Lehrer immer öfter als Sozialarbeiter einspringen.

          Stichwort digitaler Wandel: Selbst in abgelegenen Dörfern gibt es keine heile Welt mehr, falls es sie denn jemals gab. Auch dort gibt es Sexting, auch dort werden intime Fotos unbedacht an Mitschüler verschickt, die über den Pausenhof verbreitet werden und in handfestem Mobbing enden. Der Lehrer ist nicht selten die erste erwachsene Person, die das sieht. Sozialkompetenz lernt man nicht am Computer.

          Unzuverlässige Technik

          Und schließlich ist da noch die Frage der Zuverlässigkeit. Auch da stechen Lehrer die Computer aus. Denn was passiert, wenn der mal kaputtgeht? Oft erst einmal gar nichts. Denn bei den meisten Schulen läuft die technische Wartung über den Schulträger, zum Beispiel einen Landkreis. Da kann es Wochen dauern, bis das Ersatzteil beschafft ist und der IT-Experte zur Reparatur anrückt.

          Was ein Glück, wenn da noch eine Tafel an der Wand hängt oder ein Tageslichtprojektor in der Ecke steht und der Lehrer mit Kreide und Folienstift Dreisatz erklärt. Und falls er mal krank sein sollte, ist das im Gegensatz zum Computer kein Totalausfall.

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