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Digitaler Lifestyle „Jeder denkt nur in seiner Branche“

 ·  In den nächsten Jahren wird das „Smart Home“ zur Realität, sagt Marketing-Spezialist Thorsten Möller.

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Welche Marktchancen hat das „Smart Home“ in Deutschland? Die MP Management Consultants in Wiesbaden hat untersucht, welche Anforderungen die Kunden an die neue Technologie stellen und was die Hersteller leisten müssen, um ihre Visionen zu verwirklichen. Dr. Thorsten Möller, Manager bei der Unternehmensgruppe Marketing Partner sprach mit FAZ.NET über intelligente Haushaltsgeräte und erklärte, warum viele Hersteller umdenken müssen.

Herr Möller, was ist ein intelligentes Haushaltsgerät?

Es sollte in der Lage sein, Informationen zu senden und zu empfangen. Und zwar zu und von externen Quellen - das können Menschen oder Maschinen sein. Es ist also kommunikationsfähig.

Gibt es so etwas denn noch nicht?

Doch, die Prototypen der Industrie gehen teilweise sogar darüber weit hinaus. Aber eben die Komplexität der angebotenen Lösungen ist ein Problem. Der neue, „intelligente“ Teil wie etwa das Display und der „klassische“ Teil des Gerätes haben unterschiedliche Lebenszyklen: Der Computer im Kühlschrank veraltet schneller als das Gerät selbst. Die Hersteller sollten modulare Lösungen entwickeln, bei denen der intelligente Teil nicht in das Gerät fest verbaut ist.

Müssen „smarte“ Geräte also gar nicht so viel können?

Wir bewegen uns ja nicht im „luftleeren Raum“: Die meisten Haushalte haben schon Chip-Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit eingekauft, vom Laptop über den Internet-Anschluss bis zum Palmtop. Die Frage ist daher, ob man sich noch viel mehr Computerkapazität leisten will und kann. Statt dessen, könnte eine zentrale Steuereinheit alle intelligenten Geräte im Haushalt ansprechen.

Macht das die Bedienung nicht komplizierter?

Nein. Es sollte eine Art zentraler Fernsteuerung für alle intelligenten Haushaltsgeräte geben. Nicht nur in der Küche, sondern in allen Wohnbereichen. Niemand braucht zwanzig Displays in seinem Haushalt. Dafür müssen sich jetzt ganz unterschiedliche Branchen zusammentun. Damit würden die bisherigen Branchengrenzen verschwimmen.

Aber wird es nicht Kunden geben, die sich gerade ein „Smart Home“ mit besonders vielen Bildschirmen und Tastaturen wünschen?

Das ist unwahrscheinlich. Für unsere Untersuchung haben wir mit potenziellen Nutzern gesprochen, die gezielt nach ihrer Affinität zur Computertechnologie ausgewählt wurden. Wer heute Handies und Computer im Haushalt hat, ist möglicherweise der Innovator, der morgen so etwas kaufen würde.

Wie haben denn die Befragten auf das aktuelle Angebot reagiert?

Die Gespräche haben immer wieder gezeigt, dass die Perspektive der Hersteller zur Zeit noch viel zu eng ist: Jeder denkt nur in seiner Branche und will seine Produkte vor diesem Hintergrund weiterentwickeln. Den Firmen muss aber klar werden, dass künftig alle Technik im Haus zusammenhängt. Das nehmen die ersten Konsumenten bereits wahr, aber viele Produzenten noch nicht.

Ist das eine Chance für Seiteneinsteiger auf dem Markt?

Ganz sicher. Softwareunternehmen, die heute bereits weltweit operieren, könnten zum Beispiel eine Plattform für „Smart Homes“ anbieten und so neue Standards setzen, nach denen sich dann die Hersteller der Geräte richten müssten. Das würde zu ganz neuen Markenbindungen der Verbraucher im Bereich der Hausgerätetechnik führen.

Wann wird dieses Szenario eigentlich Wirklichkeit?

Noch nicht so bald. „Smart Homes“ werden nicht mit der Hochgeschwindigkeit kommen, die sich die Hersteller wünschen.

Diese neue Technologie ist vor allem zu Beginn teuer. Wer wird sich „smarte“ Einrichtungen zuerst leisten können?

Zunächst werden solche Systeme wohl in hochwertigen Neubauten installiert. Wir gehen davon aus, dass es deutlich länger als zehn Jahre dauern wird, bis mindestens 50 Prozent der Haushalte „smarte“ Produkte einsetzen. Bei Neubauten, das haben auch die Befragungen gezeigt, steht die Haussicherheit an erster Stelle. Dann kommt das Thema Energiemanagement und danach die Küche.

Und bei Altbauten?

Das alles gilt nicht unbedingt, wenn sie seit zehn, zwanzig Jahren in einem Haus leben. Dann werden Sie nicht ein ganzes Sicherheitssystem nachrüsten, aber vielleicht smarte Geräte installieren. Deshalb steht hier beispielsweise die Küche im Vordergrund.

Das Gespräch führte Peter Thomas

Quelle: @pt
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