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Digitale Sprachassistenten : Wie kann ich behilflich sein?

Noch nicht im Handel: der Apple Homepod Bild: F.A.S.

Sprachassistenten wie Alexa und Siri erleben einen Boom. Ein Abflauen des Trends ist nicht in Sicht. Doch die Dinger sind eigenwillig und schwer zu durchschauen.

          Haben Sie auch schon Ihren Amazon Echo ausgepackt? Falls ja, geht es Ihnen wie vielen Deutschen in diesem Jahr: Geräte für den Haushalt, in denen Sprachassistenten stecken, sind ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Was für die meisten Verbraucher zunächst nur eine Spielerei ist, lässt die Kassen der Hersteller klingeln, denn die diversen Sprachboxen – allen voran das Flaggschiff von Amazon und der Konkurrent Google Home – verkaufen sich wie geschnitten Brot.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Einer Studie der Marktforschungsfirma Tractica zufolge nutzen schon heute mehr als 500 Millionen Menschen auf der Welt einen digitalen Sprachassistenten, typischerweise ist er in ihrem Smartphone eingebaut. Bis 2020 sollen sich die Nutzerzahlen verdreifachen. Jede dritte Internetaktion soll dann schon über die Stimme gesteuert werden. Die großen Suchmaschinen, so die Prognose, werden rund die Hälfte aller Anfragen über Sprachbefehle empfangen. Ein enormes Potential, das die Tech-Firmen im Silicon Valley längst erkannt haben.

          Vorteile für Apple Music

          Nicht nur Privathaushalte geben viel Geld für Sprachassistenten aus, auch die großen Unternehmen schlagen zu. Der neueste Deal: Apple übernimmt Shazam, einen Musikerkennungsdienst, für 400 Millionen Dollar. Doch wozu?

          Zunächst einmal ist Shazam eine App, die es dem Smartphone-Besitzer ermöglicht, Lieder zu identifizieren und sie sich dann herunterzuladen oder in einem Musik-Streamingdienst wie Apple Music oder Spotify anzuhören. Shazam analysiert den akustischen Fingerabdruck eines Liedes und ordnet ihn einem Eintrag in der Datenbank zu. In der Praxis ganz einfach: Der Nutzer startet die App, hält sein Handy vor den Lautsprecher, aus dem das Lied kommt, das er nicht kennt, und erhält innerhalb weniger Sekunden den Namen des Interpreten und den Titel.

          Stets zu Diensten: Siri, der Spracherkennungsdienst von Apple

          Das macht Shazam nicht erst seit kurzem, sondern schon seit gut fünfzehn Jahren. Auch Apple ist kein unbeschriebenes Blatt in der Erkennung von Sprachmustern: Als die Kalifornier im Jahr 2011 ihr iPhone 4s vorstellten, war der Sprachassistent Siri schon an Bord – und machte Schwierigkeiten. Denn die Technik war längst nicht ausgereift. Siri verstand schlecht, hatte Probleme, Logiken nachzuvollziehen und gab standardisierte Antworten – wenn auch manchmal recht amüsante.

          Vordergründig geht es Apple nun darum, den hauseigenen Streaming-Dienst Apple Music zu stärken, der derzeit weit abgeschlagen hinter dem schwedischen Marktführer Spotify liegt. Bei Shazam oder Soundcloud, einem ähnlichen Dienst, stand Spotify standardmäßig an erster Stelle der Streaming-Dienste und wurde damit häufiger von den Nutzern ausgewählt, um das gefundene Lied abzuspielen. Nun soll Apple Music hier nach vorn rücken.

          „Vorsicht, hinter dir steht ein Biber im Tauchanzug“

          Noch mehr Sinn hat der Zukauf allerdings, wenn Apple mit dem selbst entwickelten Sprachassistenten Siri und Shazam ein Kompetenzzentrum zur Spracherkennung bildet, der in Zukunft nicht nur Apple Music zugutekommt.

          Alexa von Amazon ermöglicht es, das Internet per Sprache zu durchsuchen.

          Die Idee, die Sprache als Steuerungsinstrument für Geräte aller Art zu nutzen, ist nicht neu. Schon in den Sechzigern forschten Firmen an der Entwicklung solcher Anwendungen, jedoch ohne Erfolg. Seitdem hat sich in der Branche vieles getan. Die großen Tech-Firmen haben ihre eigenen Assistenten entwickelt, viele kleine ziehen gerade nach. Mit den Helferlein von Google, Amazon und bald auch Apple (der „Homepod“ ist noch nicht im Handel) lässt sich im vernetzten Zuhause die Heizung steuern, der Rollladen öffnen und die Alarmanlage aktivieren. Statt das Handy in die Hand zu nehmen und eine Suchmaschine aufzurufen, kann man Alexa – die Software, die im „Echo“ von Amazon steckt – auch einfach fragen, wann der Film im Kino läuft, den man abends gerne sehen würde, und welches Restaurant in der Nähe die besten Bewertungen hat. Auch für Spielereien ist Alexa offen. Auf die Ansprache „Alexa, sag etwas Lustiges!“ antwortet die Sprachbox schon mal: „Vorsicht, hinter dir steht ein Biber im Tauchanzug. Ha – reingefallen!“

          Google Home besticht durch sein markantes Design - und hört gerne zu.

          Aber mal ehrlich, wer braucht so einen sprechenden Lautsprecher wirklich? Natürlich lässt sich Zeit sparen, wenn man nicht tippen muss, sondern einfach losreden kann. Aber lohnt sich das? Die Geräte, in denen die Software der Sprachassistenten „wohnt“, sind meist recht teuer: Je nach Ausführung kostet Amazons Echo bis zu 100 Euro, die neueste Variante von Google Home kommt auf 150 Euro. Dafür, dass die meisten Smartphones ohnehin schon einen integrierten Sprachassistenten haben, ist das viel Geld.

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