03.10.2012 · Der Psychiater und Hirnforscher Manfred Spitzer warnt in seinem Buch vor „digitaler Demenz“. Seine Thesen: Computer machen süchtig, einsam und dumm. Doch die Argumente des Autors sind fadenscheinig. Ein Standpunkt von Dieter Kempf.
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Ich verstehe die ganze Diskussion nicht wirklich. Hier wird das Internet - der Computer zu einem süchtigmachenden, verblödenden Teufelsding aufgeblasen, das nicht in Kinderhände gehört. Genauso, wie man kleinen Kindern irgendwann beibringen muss, ein Messer zu benutzen, auch wenn es sich damit schneiden kann, so ist es heute unabdingbar, seinem Kind einen vernünftigen Umgang mit den digitalen Medien und dem Computer beizubringen. Es sei denn, man möchte nicht, dass das Kind einmal einen wirklich guten Job und eine zeitgemäße Allgemeinbildung bekommt (hier gehört Computerwissen mittlerweile dazu). Jede Elterngeneration hatte in ihrem Zeitalter ihre besonderen Erziehungsherausforderungen. Heute ist die Herausforderung, den Kindern für ihren späteren Lebensweg einen vernünftigen und ausgewogenen Umgang mit der "haptischen", sozialen Welt und virtueller-"bit-lastiger" Welt zu vermitteln und das ist wohl eher ein IQ-Problem, bzw. Problem eigener sozialer Kompetenz und Wertesystem der Eltern
Spitzer ist nicht „gegen Computer“
Ich habe Spitzers Buch nicht gelesen, ihn aber in Diskussionsrunden
gesehen. Danach kommt mir dieser Kommentar wie eine extreme
Verkürzung seines Standpunktes vor.
Spitzer geht es nicht darum, Computer zu verteufeln oder aus dem Alltag
zu verbannen, sondern um die Langzeitfolgen, die entstehen, wenn der
Mensch sich zur Gewohnheit macht, alltägliche Denkaufgaben an
Computer zu delegieren.
Darum etwa, dass der Orientierungssinn leidet, wenn man sich vom Navi
zum nächsten Briefkasten leiten lässt – was angesichts
einiger Autofahrer, die im Rhein gelandet sind, weil ihr Navi eine neue
Fährverbindung nicht kannte und sie zum Weiterfahren animiert hat,
nicht so abwegig scheint.
Darum, dass die Motivation, sich etwas zu merken, leidet, wenn man in
dem Bewusstsein aufwächst, dass man sich immer und überall
alles „zusammengoogeln“ kann.
Darum, dass Lernstoff für Kinder multimedial aufbereitet werden
muss, damit er sie noch erreicht - wie sollen die sich später mal
an der Uni zurechtfinden?
Digitale Demenz? Und das von einem "Hirnforscher"? Psychiater und Patient in einer Person?
Sicher, der Computer nimmt in unserem Leben einen immer
größeren Platz ein. Und mancher Händler würde sich
sicherlich wünschen, das Internet würde abgeschaltet. Aber was
würde die Wirtschaft ohne Computer anfangen, was die Forschung?
Informationen waren noch nie so einfach und umfassend verfügbar.
Und in Zukunft wird per Computer von zu Hause gearbeitet, werden die
Einkäufe des täglichen Lebens erledigt, werden Schul- und
Bürogebäude obsolet und studiert wird auch zuhause. Das spart
jede Menge Ressourcen, schont die Umwelt und minimiert die Kosten.
Und das soll psychische Schäden verursachen oder gar das Gehirn schädigen?
Richtig ist, allerdings völlig unabhängig vom Computer,
daß Einsamkeit und geistige Verarmung in unserer Gesellschaft
ständig zuzunehmen scheinen. Ja, auch die Suchtkranken nehmen
ständig zu. Aber das liegt eben nicht vornehmlich am Computer,
sondern an der zunehmend neoliberal verfaßten Gesellschaft, in der
der Mensch nur noch nach seinem Nutzwert beurteilt wird.
Jetzt hat es also mehrere Wochen gedauert, den Begriff "analoge Ignoranz" versus "digitale Demenz" zu prägen? Vielleicht also doch...? Daß Fernsehen und Computer einen Einfluß auf unser soziales Familienverhalten haben, wenn wir denn überhaupt noch in einer leben, ist auch jenseits von Demenz und Ignoranz nicht zu bestreiten.
FAZ: stellen Sie vorab Herrn Kempf bitte vor als der, der er ist! Das vermeidet Mißverständnisse.
Leider versäumt die FAZ, den Status von Herrn Kempf gleich in der
Kopfzeile zu markieren: Lobbyist. Das ist nichts ehrenrühriges,
doch klärt es sein Verhältnis zu Internet bzw. virtuellen
Medien gleich vorab.
Ich bin selbst kein "Maschinenstürmer", sitze von
berufswegen lange Zeit meines Tages vorm Rechner. Und ich brauche und
suche zum Ausgleich die reale Welt: ob nun Buch, Gespräch,
Gesellschaft, reale Aktivität.
Ich möchte, daß meine Kinder im Heranwachsen eben solche
Dinge kennenlernen und verinnerlichen, gerade weil ein großer Teil
Ihres Lebens an Computern bzw. virtuellen Medien stattfinden
könnte. Damit sie auf einen solchen Ausgleich zurückgreifen,
eben weil sie ihn kennen und schätzen. Wenn dies nicht so
wäre, dann bleibt für sie dann tatsächlich nur das
virtuelle als das einzig vertraute!
Wir Eltern müssen uns eben die Zeit nehmen, Kinder am Computer zu
begleiten. Niemand wird sie davon ausschließen wollen oder
können, diese Unterstellung von Herrn Kempf ist grotesk. MfG
In d Berufswelt z.B.bei Supply Chain-Bereichen bei Fertigungsbetrieben kann es enorme "Verblödung"
geben,die durch die tägliche Arbeit mit Computern mitverursacht
werden.Neurobiologisch gesprochen passt sich das Hirn so stark z.B. an
das System "Befehle"-"Ausführen"an,dass
insbesondere Führungskräfte,die in d pharmaeutischen Industrie
stark an Fertigungsprozessen eingebunden sind,nicht mehr unterscheiden
können zwischen Mensch und Maschine.
Das sieht man am besten bei der Handhabung der zahlreichen
Schulungsprogramme per Computer in Betrieben.Es gibt tatsächlich
BetriebsapothekerInnen in direktionaler Stellung,die glauben,dass
Lernprozesse durch eine Art des Druckknopfes-bedienen erfolgreich und
nachhaltig durchgeführt werden können.Die Anpassung des
Gehirns ist soweit fortgeschritten,dass man hier von e speziellen Art
der frühen Demenz gesprochen werden muss.Vermutlich werden im
Hippokampus die Filter so verändert,dass einerseits Hirngewebe
für Durchführung mech.-einseit. Arbeiten aufgebaut wird,ads.
Hirngewebe i Hippokampus abgebaut wird, das vielseitiges
Lernen/Führen ermöglicht!
Hallo,
um die Fingerspiele der Kinder muss man sich keine Sorgen machen. Mit
Beginn der Pubertät entwickeln sie oft erstaunliche
Fähigkeiten, insbesondere die Buben.
Früher hiess es, diese Spiele machen blind. Dieser Spruch
gehört auch in die Kategorie wie siehe oben.
Gruss, anciano
Dem Autor hätte ich ein wenig mehr zugetraut.
Durch meinen Beruf sind mir die wissenschaftliche Studien zur
Onlinesucht bzw. dadurch bedingte Hirnveränderungen durch die
digitalen Verführungen (Internet, Spiele etc.), denen sich viele
Jugendliche stundenlang am Tag aussetzen, bekannt .
Nur diese Studien werden nicht publik gemacht.
Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er sich Gedanken dazu macht,
warum diese Studien nicht an die Öffentlichkeit gebracht werden.
In welchem Bereich arbeitet Dieter Kempf noch?
Wenn ich mir den Arbeitsschwerpunkt und die Position von Dieter Kempf ansehe, dann wird die wiederum harte Abrechnung mit dem Buch von Manfred Spitzer ebenfalls fadenscheinig. Ich habe "Digitale Demenz" gelesen und fand zumindest viele Übereinstimmungen mit meinen eigenen Beobachtungen. Somit war das Buch für mich erhellend, auch wenn Wolfgang Spitzer es zuweilen vielleicht etwas zu sehr auf die "Spitze" treibt und etwas zu scharfkantig abgrenzt. Die Benutzung von Computern verdammt er übrigens keineswegs.
Computer machen süchtig, einsam und dumm
Stimmt!
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 04.10.2012 08:35 Uhr@Dr. Otto Moser
Da Sie meine ironische Bemerkung für bare Münze nehmen, kann ich, was meine Erfahrung mit so manchem Foristen angeht, nur mit ja antworten.
Nachdem Sie gerade vom Computer aus senden :
Ihre persönliche Erfahrung, Herr Vormbaum ?
Es gibt immer mehr Menschen, die sich im "digitalen Nirvana" verlieren
Es ist gut, dass die "Internetabhängigkeit" polemisch
hinterfragt wird, denn tatsächlich haben viele Menschen das
Problem, die "neue Informationsfreiheit" nicht wirklich nutzen
zu können.
Digitale Demenz ist natürlich keinesfalls mit der echten Demenz zu
vergleichen, doch erhöht die ungezügelte Aufnahme von
Information auch das Vergessen.
Was eben noch wichtig war, ist ein paar Mausklicks später bereits
vergessen. Schon Werbeforscher haben vor langer Zeit diesen Effekt beim
ganz normalen Werbefernsehen ausfindig gemacht.
So wie sich der Reichtum ganzer Nationen in Steueroasen verabschiedet,
so verlieren sich viele Menschen eben auch im "digitalen
Nirvana".
"Spitzer scheint bewusst mit den Ängsten der Menschen zu spielen, vor allem der Eltern. Seine Thesen
Seine Thesen sind ein Stakkato des Schreckens"
Diese polemischen "Argumente" des Autors - des
Medien-VerbandPräsidenten -
gegen den AufklärungsBestseller entsprechen der gleichen Polemik-Argumentations-
Sprechblase, mit der der Bestseller von Sarrazin provokativ-verbaliter
versucht wurde
"wegzumüllen".
Dabei werden aus dem Zusammenhang gerissene ArgumentationsFetzen zu
einem
unappetitlichen Kloß zusammengeknüllt + den Enthüllungs-BestsellerAutoren
in den für zu vorlaut gehaltenen Mund gestopft, damit sie sich dran
verschlucken +
ersticken sollen.
Typische RetourKutschenArgumentationsTaktik der antiautoritär
(un)erzogenen
BabyBoomerGeneration.
Die im unbeherrschten Urschrei loskeift, als wäre Zickenkrieg der
feminisierten
PC-Hausmänner angesagt, wenn gewagt wird Hand an ihr
PC-Laptop-Net-Ultrabook-Spielkonsole-Tabletcomputer-Smartphone-Spielzeug
zu legen.
Dann rasten die Eletronic-SpielzeugFetischisten total aus + verspritzen
ihr PolemikSpeichelGift
Beziehen sich "Derartige Emotionen" auf meinen Beitrag ?
Dann wurde der völlig falsch verstanden :
Weil sich "Derartige Emotionen" auf den
Medien-Verband-Präsidenten beziehen und
die Unverzeihlichkeit von dessen emotional-polemischer
"Niedermache" von
Spitzers Thesen.
Gehen Sie nicht mit Ihren Beiträgen konform mit Spitzer ?
So wie ich mit meinem Emotionen-Beitrag (Emotionen des Medien-Fritzen
bekämpft man
am besten mit den gleichen Waffen) für Spitzer und gegen den
Medien-Lobbyisten bin.
Deutsche Internet-Sprak schwere Sprach zum Miss- Verstehen.
Derartige Emotionen sind noch kein Beweis für die Unverzeihlichkeit von Spitzers Behauptungen
Die Fragilität so mancher digitaler Lebensläufe hat zu erhöhter Emotionalität geführt, soviel dürfte klar sein. Das aber wiederum beweist nicht, dass die Thesen Spitzers falsch sind. Eine Tendenz zur digitalen Verdummung ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Genau deshalb muss auf diesem Gebiet weitergeforscht werden.
... beim Lesen dieses Artikels!
Was lese ich da? Nur 3 % der Jugendlichen sitzen mehr als 4 h vor dem
Computer?
4 h sind Immerhin mehr als ein halber Arbeitstag!
Das war aber nur der Computer! Und was ist mit Fernsehen, mit Video, mit Smartphone?
Aus welchem Jahr des letzten Jahrtausends stammen denn bitte diese Zahlen?
Aktuelle Forschungsergebnisse werden völlig ignoriert! Danach
führt leider kein Weg an der Tatsache vorbei, dass die Ausbildung
der Intelligenz und der schulische wie später berufliche Erfolg in
einem reziproken Verhältnis zum Medienkonsum in der Kindheit stehen.
Das ist wissenschaftlich gesichertes Wissen, was der Autor unter sich
lässt nur tendenziöse Ideologie.
Alle Eltern sind gut beraten, den Medienkonsum ihrer Kinder zu begrenzen
getreu der Maxime "Medienkompetenz beginnt mit Medienverzicht".
Fernseher und Computer gehören nicht ins Kinderzimmer.
Dass die digitale Demenz ein ernstes Problem zu sein scheint, belegt ja der obige Artikel des besagten Interessenvertreters...., also hat Herr Spitzer schon recht.
Es kommt darauf an, WAS man daraus macht .
Die Verfügbarkeit aller möglicher Daten kann das
Gedächtnis etwas schwächen, das halte ich für ein Risiko,
wenn man sich dabei beobachtet, und ein wenig plagt, läßt
sich das aber auffangen.
Das Internet ist ein Riesenangebot, wie beim viel kleineren Fernsehen
gilt : Wähle weise !
Chattet man nicht beständig mit Dolmen, plempert man mit den
eigenen, wie den Ressourcen des net, nicht, sondern nutzt bewußt,
um sinnvoll zu kommunizieren, etwas zu lernen, Gelesenes abzurunden,
seinen Horizont und allenfalls auch Bekanntenkreis (NICHT
facebookfreunde) zu erweitern, dann stimmen die Nachteilsgruselopern nicht.
Wer sehr einsam ist, kann vielleicht sogar etwas weniger einsam sein,
wer direkte Kontakte gegen Internetkontakte tauscht, hat vielleicht
uninteressante Leute gekannt.
Und was die Sucht angeht: da, glaube ich, ist die Anlage beim User
bestimmender, als das bloße Angebot.
„…deshalb unbedingt Medienkompetenz vermittelt…“ In manchen S-Bahn-Abteils oder in manchen Wartezimmern gewinnt man einen guten Eindruck von der heutigen sogenannten „Medienkompetenz“: nervöses Hin- und Herreissen des I- oder sonstigen Phones, ständiges, unablässiges, repetitives Kontrollieren sämtlicher in den vergangenen 15 Sekunden eingegangener ungemein wichtiger SMS, Mails oder Facebooknachrichten, nervöses Betippeln des Bildschirmes um zeitgleich am besten 20 ungemein wichtige SMS, Mails oder Facebooknachrichten verschicken zu können und da capo … Die Diagnosen „(beginnende) Demenz“ oder „I-Phone-Abhängigkeit“ oder „SMS-Zwang“ scheinen hier durchaus gerechtfertigt (jedem Menschen, der 10 mal in der Stunde die Hände wäscht, wird Waschzwang attestiert, warum soll dann einer, der 10 mal in 20 Sekunden sein I-Phone kontrolliert, nicht krank sein?)
"59 Prozent Denk- und Strategiespiele am Computer"
Klingt gut - aber sind bei den sog. "Strategiespielen" die
"Killer"applikationen (auch da geht es ja um Strategie) mit subsummiert?
die Definition von EDV, als "Eigens Denken Verboten"?
in der FAZ sollte doch unter dem Niveau der FAZ liegen, auch im online-Portal. Deshalb: Der Autor des Artikels sollte mit seiner beruflichen Rolle gekennzeichnet werden, so wie das bei Spitzer auch der Fall ist. Dann lässt sich die Qualität eines Argumentes auch vor dem Interessenhintergrund beurteilen.
Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
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Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?