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Selbstfahrende Autos : Vorsicht ist die Mutter der Blechkiste

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Einige Böswillige nutzen das Wissen um die defensive Fahrweise der Roboterautos auch zu ihrem eigenen Vorteil aus. Bild: dpa

Seit vier Jahren lässt Google seine selbstfahrenden Fahrzeuge testweise auf den Straßen Kaliforniens ihre Runden drehen. Dort fallen sie menschlichen Fahrern auf die Nerven.

          Vor vier Jahren begann Google nach langen Vorarbeiten mit seinen Tests selbstfahrender Fahrzeuge auf den Straßen Kaliforniens. Mittlerweile heißt die Tochterfirma Waymo, ist Marktführer und zählte Ende August auf öffentlichen Straßen über vierzehn Millionen gefahrene Kilometer. Die Google-Tochter hatte die Tests auf sieben amerikanische Bundesstaaten ausgeweitet. Seit Beginn der Pilotprojekte sitzen in den autonom navigierenden Waymo-Autos Menschen und greifen ein, wenn es nötig ist. Menschlich operiert werden sie seit November 2017 allerdings nicht mehr zwingend: Seitdem fahren in Chandler, einem Vorort von Phoenix (Arizona), auch Waymo-Fahrzeuge ohne Menschen auf dem Fahrersitz. Kein anderes Unternehmen hatte zuvor diesen Schritt gewagt.

          Allerdings beschränkt sich der von reißerischen Marketingmaßnahmen begleitete Test ohne Fahrer auf ein kleines Gebiet, bei allen anderen Fahrten sitzt weiterhin ein Mensch im Cockpit. Zudem werden die wenigen menschenfreien Autos engmaschig überwacht. Tauchen Probleme auf, springen von ferne Fahrzeugoperatoren ein. Sie sitzen in Arizona und in Texas und leisten bei komplexen Verkehrssituationen Hilfe, greifen aber nach Angaben von Waymo nicht direkt in die Steuerung ein.

          In Arizona verlangt keine Behörde Zahlen oder Berichte über die eingesetzten Technologien, nur Unfälle werden polizeilich untersucht. Kalifornien hingegen verpflichtet Waymo und sämtliche Unternehmen der selbstfahrenden Branche, der DMV (Department of Motor Vehicles) einen jährlichen Bericht abzustatten. Die Zahlen aus dem letzten Bericht zeigen, dass bei Waymo im Schnitt neuntausend Kilometer gefahren werden, ehe mal ein Mensch ins Lenkrad greifen musste.

          Selbstfahrende Fahrzeuge können Hunderttausenden das Leben retten

          Das ist ein bemerkenswerter Erfolg, wenn man berücksichtigt, dass in den Vereinigten Staaten über neunzig Prozent aller Unfälle zumindest teilweise auf Fehler von Fahrern zurückzuführen sind. Die dieses Jahr in Stückzahlen von mehreren tausend neu bestellten Fahrzeuge von Chrysler, welche Waymo mit seiner Technik versieht, werden also in weit weniger Unfälle verwickelt sein als dieselben Autos, wenn sie ein Mensch ohne die Unterstützung der Computer und Sensoren steuern würde. Da menschliche Fehlleistungen weltweit für mehr als eine Million Verkehrstote verantwortlich sind, können selbstfahrende Fahrzeuge künftig Hunderttausenden das Leben retten.

          Es ist nach den Jahren des Testens mit den Roboterautos keine bloße Hoffnung mehr, sondern eine Gewissheit, dass die Fahrzeuge weit weniger Verkehrsunfälle verursachen. Das hat nichts mit dem Hype um die wenigen „voll autonomen“ und quasi führerlosen Fahrten zu tun, sondern vor allem damit, dass die Soft- und Hardware Menschen wirksame Assistenz leistet, frühzeitig warnt und strikt defensive Vorgaben programmiert hat.

          Die Wahrheit, die viele Autofahrer vielleicht nicht gern hören werden, ist wohl, dass die Software der Robo-Autos ein Umerziehungsprogramm in Gang setzen wird. Unabhängig davon, wieviele Fahrzeuge künftig tatsächlich ohne Menschen im Fahrersitz auskommen, wird das assistierte Fahren menschliche Schwächen erheblich mildern – ob es nun unbewusste Fehler oder bewusstes Falschverhalten ist.

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