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Khashoggi-Affäre : Wie Saudi-Arabien das Silicon Valley finanziert

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Donald Trump interessiert sich für das Geld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Bild: AP

Saudi-Arabien ist an namhaften amerikanischen Tech-Unternehmen beteiligt. Für manches Start-up ist die Khashoggi-Affäre ein richtiger Balanceakt.

          Ein Journalist verschwindet – er wurde wohl ermordet, statt heiraten zu dürfen – und die Auswirkungen sind überall auf der Welt zu spüren: Wirtschaftsführer und Politiker sagen Treffen in Saudi-Arabien ab. Der amerikanische Außenminister fährt zu Krisengesprächen nach Riad. Und inzwischen werden sie selbst im Silicon Valley nervös.

          Der Grund dafür ist einfach: Geld. Saudi-Arabien hat direkt oder über Umwege umgerechnet etwa 6,2 Milliarden Euro in den Taxi-Service Uber investiert, etwas mehr als 2 Milliarden Euro in den Büro-Vermieter Wework und erst kürzlich knapp 900 Millionen Euro in den Elektroautohersteller Lucid. Die weitere Liste der Unternehmen, an denen die Saudis beteiligt sind, ist ein Who-is-who der Start-up-Welt: Das Virtual-Reality-Unternehmen Magic Leap, das Online-Kollaborations-Start-up Slack oder der Sportartikel-Produzent Fanatics.

          Der größte Start-up-Investor überhaupt

          Saudi-Arabien ist dabei einer der größten Investoren in amerikanische Start-ups – überhaupt. Das „Wall Street Journal“ geht sogar davon aus, dass es sich um den größten überhaupt handelt. Seit dem Jahr 2016 sind umgerechnet mindestens 10 Milliarden Euro in amerikanische Start-ups geflossen. Etliche Start-ups im Silicon Valley hängen am Tropf der Saudis.

          Die saudischen Investments finden über zwei Wege ins Silicon Valley: Der direkte ist der staatlich finanzierte „Public Investment Fonds“ (PIF) Saudi-Arabiens. Der Fonds ist eines der Programme der Vision 2030, die Saudi-Arabiens Volkswirtschaft diversifizieren, also unabhängiger vom Öl machen soll. Eigenen Angaben zufolge hatte der Fonds Ende September 2017 ein Volumen von umgerechnet beinahe 200 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2020 soll der Betrag auf etwa 350 Milliarden Euro steigen.

          Softbank-Vision-Fonds hält den Saudis die Treue

          Etwa 40 Milliarden Euro dieses Betrags fließen in den Softbank-Vision-Fonds. Das ist der zweite, indirekte Weg, über den saudische Mittel ins Silicon Valley gelangen. Der Fonds hat insgesamt ein Budget von gut 80 Milliarden Euro. Die Saudis finanzieren mit 49 Prozent knapp die Hälfte davon. Der Fonds gilt als größter Private-Equity-Fonds der Welt. So werden Fonds bezeichnet, die außerhalb der Börse in Unternehmen investieren.

          Saudi-Arabien ist sich seiner Macht in dem Fonds durchaus bewusst. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sagte kürzlich unmissverständlich, dass es ohne sein Geld keinen Softbank-Vision-Fonds gäbe.

          Das dürfte der Grund dafür sein, warum der Chef von Softbank, der Japaner Masayoshi Son, dem Königreich die Treue hält und nach wie vor an der Future Investment Initiative teilnehmen möchte. Das ist eine Konferenz des PIF, die dem eigenen Anspruch nach die Zukunft globaler Investments prägen möchte und vom 23. bis zum 25. Oktober in Riad stattfindet.

          Für Uber wird es delikat

          Die Vorstandsvorsitzenden der Bank JP Morgan und der Investmenthäuser Blackstone und Blackrock dagegen haben ihre Teilnahme abgesagt. Deutsche Unternehmenschefs haben sich, wie FAZ.NET berichtete, noch nicht positioniert. Siemens-Chef Joe Kaeser lavierte während einer Veranstaltung der amerikanischen Zeitschrift Fortune, er wollte sich noch nicht festlegen.

          Besonders delikat ist die Situation von Uber. Als Gegenleistung für die Investments in Uber verlangte PIF einen Sitz im Vorstand von Uber – und hat ihn bekommen. Yasir Al Rumayyan, der Generaldirektor des PIF, ist Mitglied des zwölfköpfigen Uber-Vorstandes. Dass nun zwei weitere Uber-Vorstandsmitglieder, der Uber-Chef Dara Khosrowshahi und Arianna Huffington, ihre Teilnahme an der Konferenz abgesagt haben, dürfte deshalb wohl abgesprochen gewesen sein. Schließlich plant Uber für das nächste Jahr seinen Börsengang. Kürzlich wurde bekannt, dass amerikanische Banken das Unternehmen inzwischen mit mehr als 100 Milliarden Euro bewerten. Als Reaktion auf diese Absage berichteten einige amerikanische Medien übereinstimmend, dass der Außenminister Bahrains, Khalid bin Ahmed Al Khalifa, sich einem Boykott-Aufruf gegen Uber angeschlossen hat.

          Die Weltverbesserer und das Geld

          Auch als Elon Musk vor einigen Monaten ankündigte, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, hoffte er darauf, einen Teil der mehr als 60 Milliarden Euro mithilfe des PIF finanzieren zu können. Inzwischen ist klar, dass Elon Musk sich mit dieser Ankündigung verhoben hat.

          Nichtsdestotrotz zeigt die Affäre um den verschwundenen Journalisten Khashoggi auch: Einerseits treten Unternehmer aus dem Silicon Valley häufig mit hohem moralischen Anspruch auf, viele von ihnen wollen die Welt grundlegend verbessern – mit neuen Arbeitsformen, E-Autos oder Taxi-Alternativen. Andererseits ist ihnen dafür offenkundig immer wieder auch Geld aus einem Königreich recht, das unliebsame Journalisten einfach zu entsorgen scheint.

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